"Urlaub vom Leben" Mit dem Taxi zu sich selbst


Als der Sparkassenangestellte Rolf Köster die Taxifahrerin Sophie kennenlernt, wird ihm die Enge seines kleinbürgerlichen Lebens bewusst. So nimmt er heimlich Urlaub und fährt mit Sophie Taxi - auf der Suche nach sich selbst.

Sie sind eine "typisch deutsche Familie:" Der spießige Bankangestellte Rolf Köster (Gustav Peter Wöhler) lebt mit seiner Frau Helga (Petra Zieser) sowie den beiden gemeinsamen Kindern in einem Reihenhäuschen - und scheinbar in einer Idylle. Ehefrau Helga kümmert sich um Sohn und Tochter und sichert der Familie als Lehrerin ein angenehmes Leben. Doch der Schein der heilen Welt trügt in Neele Leana Vollmars Erstlingswerk "Urlaub vom Leben".

Zwar hat Rolf alles: Ein Haus, eine Frau, eine Familie und einen Job. Aber er ist ein Gefangener seiner selbst. Ein Tag gleicht dem anderen - aufstehen, joggen, arbeiten. Und Rolf ist froh, wenn er mit seiner Familie nichts zu tun hat. Sohn Paul (Philip Stölken) will ständig mit dem Kopf durch die Wand und läuft deshalb mit Helm herum. Tochter Berit (Luisa Sappelt) ist mitten in der Pubertät mehr mit sich selbst als mit ihrer seltsamen Familie beschäftigt. Rolfs Frau Helga gönnt sich sogar eine Affäre mit ihrem Schulleiter.

Von der Familiengeschichte zum Road-Movie

Eines Tages verpasst Rolf den Bus zur Arbeit. Und die leicht chaotische Taxifahrerin Sophie (Meret Becker) verdreht ihm den Kopf. Aus der Familiengeschichte wird ein Road-Movie. Rolf bekommt überraschend von seinem Chef Urlaub, erzählt davon aber nichts seiner Familie. Stattdessen fährt er mit Sophie und ihrem Taxi kreuz und quer durch die Stadt, auf der Suche nach sich selbst.

Regisseurin Vollmar erzählt eine Geschichte, bei der Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Auch sozialkritische Töne kommen in ihrem Erstlingswerk nicht zu kurz. Trotzdem sieht sie ihren Film nicht als Angriff auf das Spießbürgertum. "Das ist einfach eine Geschichte, wie sie wohl jedem von uns passieren könnte", meint die junge Regisseurin. "Urlaub vom Leben" ist ein netter Film für die ganze Familie. Liebhaber von Actionfilmen dagegen werden bei dem Streifen wohl zu kurz kommen. Vollmars gefühlvollem erstem Spielfilm fehlen die echten Höhepunkte. Trotzdem ist die junge Regisseurin eine Zukunftshoffnung für den deutschen Film.

Christoph Gahlau/DPA


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