„Polizeiruf 110“
Wer spielte die Aktivistin Lara in „Your Body, My Choice“?

Luna Jordan neigt als Aktivistin Lara in "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice" zu Gewalt.
Luna Jordan neigt als Aktivistin Lara in "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice" zu Gewalt.
© MDR/Felix Abraham
Im „Polizeiruf 110: Your Body, My Choice“ sticht Luna Jordan als Aktivistin Lara hervor. Die Schauspielerin ist schwierige Rollen bereits gewohnt – und lebt sie zum Teil.

Im neuen Magdeburger "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice" (8. März, 20.15 Uhr im Ersten) ermittelt Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) im Spannungsfeld zwischen militanten Abtreibungsgegnern und engagierten Aktivistinnen. Eine Arzthelferin kommt bei einem Fahrradunfall ums Leben, nachdem ihr Bremskabel durchgeschnitten wurde. Die Praxis, in der die Frau arbeitete, nimmt Schwangerschaftsabbrüche vor und ist deshalb Ziel von Belästigung und Bedrohung.

Vor allem eine junge Schauspielerin sorgt in dem Krimi für Aufsehen: Luna Jordan, 24, verkörpert die Aktivistin Lara, die als sogenannter „Abortion Buddy“ Frauen begleitet, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen wollen. Jordan spielt diese Figur mit einer Intensität, die unter die Haut geht, kämpferisch, aggressiv, aber zugleich verletzlich. Immer wütender wird sie auf die „Lebenschützer“, was in einer brutalen Szene gipfelt. Dabei gelingt es der jungen Schauspielerin, absolut authentisch zu bleiben.

„Polizeiruf 110“: Kampfsport-Training für die Rolle

Für die körperlich fordernde Darstellung hat sich Jordan gezielt vorbereitet. „Ich habe zusammen mit dem Stunt-Team eine Kampfsport-Richtung gewählt und trainiert, die zu Lara passt. Ich habe auch bereits Erfahrung in anderen Kampfsportarten, worauf ich gut aufbauen konnte“, berichtet sie im WDR-Interview. Dass Lara jederzeit hochgehen könne, mache sie „so unberechenbar und vielschichtig zu spielen“.

Auch emotional hat Jordan einen tiefen Zugang zu ihrer Figur gefunden. „Ich kann mich gut mit dem Gefühl identifizieren, für andere etwas zu schaffen, was einem selber nie gegeben war“, erklärt sie. „Zum einen aus einem Gerechtigkeitssinn heraus und zum anderen vielleicht auch, weil es viel schmerzhafter ist, sich selber mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen als mit dem Schicksal von anderen.“

Eine Karriere voller anspruchsvoller Rollen

Mit derartig schwierigen Rollen kennt sich Luna Jordan gut aus. Sie wurde 2001 in Berlin als Tochter der österreichischen Schauspielerin Bettina Ratschew geboren und steht bereits seit ihrer Kindheit vor der Kamera. 2020 spielte sie die Hauptrolle im Kinofilm „Fuchs im Bau“ über eine Wiener Jugendstrafanstalt, wofür sie den Österreichischen Filmpreis als beste Nebendarstellerin erhielt. Es folgten unter anderem die Netflix-Serie „Schlafende Hunde“ über Clan-Kriminalität, der Fernsehzweiteiler „Unschuldig – Der Fall Julia B.“ über einen Mordfall, die RTL+-Serie „Euphorie“, die deutsche Adaption der Erfolgsserie „Euphoria“ über Druck, Einsamkeit und Sehnsucht, sowie zuletzt der Coming-of-Age-Spielfilm „Run Me Wild“ als die nach einem sexuellen Übergriff traumatisierte Toni. In „Polizeiruf 110: Frau Schrödingers Katze“ war sie 2021 auch schon mal in einem Sonntagskrimi zu sehen.

Dass derart belastende Rollen aber auch an der Schauspielerin nicht spurlos vorbeigehen, schildert sie in der ARD-Dokumentation „Kinderschauspieler – der Preis des Erfolgs“. „Ab einem gewissen Punkt gab es Projekte, die inhaltlich schwieriger wurden, die Themen behandelt haben wie Suizid, häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt oder mentale Gesundheit. Und je nach Projekt denke ich lange darüber nach: Ist das wirklich gut für mich? Und wie kann ich da gesund rauskommen?“, berichtet sie. Dennoch hält Jordan an genau solchen Rollen fest, weil sie an die Kraft des Erzählens glaubt.

Luna Jordan – auch privat eine Aktivistin

Was Luna Jordans Darstellung der kämpferischen Lara so glaubwürdig macht, ist auch ihre eigene starke Haltung abseits der Kamera. Bei der Verleihung des Österreichischen Filmpreises 2022 nutzte sie ihre Dankesrede etwa, um sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch im Film- und Theaterbetrieb anzuprangern. Damals erklärte sie auf der Bühne, sie sei selbst vielfach Opfer sexuellen Missbrauchs an Filmsets geworden. „Lasst uns gemeinsam das Schweigen brechen und diese Schweine stellen. Für die Zukunft des Films und die Freiheit der Kunst“, appellierte sie an andere Betroffene.

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Auch der Politthriller „Am Abgrund“ (2024), in dem Jordan die Stieftochter von Schwarzwald-„Tatort“-Star Hans-Jochen Wagner spielt, die in ihrem Herkunftsland Aserbaidschan als Oppositionelle verhaftet wurde, ist harter Stoff. Für ihre Darstellung wurde Jordan im Oktober 2025 mit dem Marler Medienpreis für Menschenrechte von Amnesty International ausgezeichnet. Auf Instagram schrieb sie dazu: „Aktuell erleben wir, wie überall auf der Welt systematisch Menschenrechte und Demokratie verletzt werden.“ Für sie sei es daher „ein unfassbar großes Privileg, dass solche Themen sichtbar werden – gerade in einer Zeit, in der das Wegsehen so viel einfacher scheint als das Hinsehen“. Den Preis widme sie daher all „deren Stimmen zu leise sind, um gehört zu werden und allen die sie lauter machen“.

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