Eurovision Song Contest
Fan-Liebling taucht beim ESC auf: Wer ist Wavvyboi?

Sänger wavvyboi steht mit einer Gitarre auf der Bühne
Beim ESC‑Vorentscheid im Februar trat wavvyboi als einer von neun Künstlern an. Am Ende belegte er den zweiten Platz
© Britta Pedersen / Picture Alliance

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Wavvyboi begeisterte das Publikum beim ESC-Vorentscheid, musste sich dann aber Sarah Engels geschlagen geben. Beim Finale in Wien wird er nun trotzdem zu sehen sein.

Den ESC-Vorentscheid hat er verloren – beim großen Finale am Samstag ist der Sänger Wavvyboi trotzdem zu sehen. Wie der SWR bekanntgab, wird der 28-Jährige im TV verkünden, wie die deutsche Fachjury abgestimmt hat. Fans des Musikwettbewerbs dürften sich über die Personalie freuen, denn der nicht-binäre Künstler avancierte beim ESC-Vorentscheid zum Publikumsliebling. Wer ist der queere Sänger, der die Zuschauer so begeistert?

Wavvyboi ist bekannt für poetischen Rock

Wavvyboi heißt mit bürgerlichem Namen Simon Vogt-Grande und stammt aus Liechtenstein. In seiner Kindheit erhielt er Klavier- und Gitarrenunterricht. Später studierte er Electronic Music Production in Köln und an der University of West London. Seine ersten Tracks veröffentlichte er noch als Cyber-Gen, bevor er zu dem Namen Wavvyboi wechselte. Mit seinen Songs wurde er in der Indie- und Alternative-Szene immer bekannter. 2023 spielte er eine eigene Headliner-Tour. Auch auf größeren Festivals gastierte der Künstler bereits. Unter anderem trat er auf dem Nürnberg Pop Festival und dem Hamburger Reeperbahn Festival auf. 

Wavvyboi und Sarah Engels stehen nebeneinander auf der Bühne mit einer Moderatorin, die in die Hände klatscht
Sarah Engels gewann den ESC-Vorentscheid, Wavvyboi belegte knapp den zweiten Platz 
© Britta Pedersen / Picture Alliance

Musikalisch (wie auch optisch) lässt sich Wavvyboi in keine Schublade stecken. Das Plattenlabel Universal Music nennt ihn einen „genderfluiden Rock-Poeten“. In seinen Songs finden sich eingängige Pop-Hooks, dröhnende Gitarrenriffs und experimentelle Sounds, vor allem aber schonungslos ehrliche Texte. Zentrale Themen seiner Kunst sind mentale Gesundheit, queere Identität und die Frage, wie man aus Unsicherheit Stärke gewinnen kann. Als Inspiration dienen ihm dafür persönliche Notizen und Tagebucheinträge, die er immer wieder musikalisch verarbeitet. 

Musik aus dem Tagebuch

„Ich schreibe schon seit Jahren Tagebuch, mittlerweile nutze ich auch mein iPhone und kann damit alles aufschreiben, was ich erlebe“, erzählte er vor einigen Jahren der „Bravo“. Zum Komponieren nutzt er ein Musikprogramm auf seinem Laptop und seine Gitarre. „Die Beats baue ich selbst. Ich sehe Musik sehr klar in meinem Kopf, daher fällt es mir schwer, Beats von anderen zu nutzen“, erklärte er damals. Während des Entstehungsprozesses seiner Musik sei er gerne allein. „Ich bin hypersensibel, das heißt, ich spüre Emotionen sehr stark“, sagte er in der „Bravo“.

Warum es ihm so wichtig ist, sich in seinen Songs offen und gefühlvoll zu zeigen, erläuterte Wavvyboi auch dem SWR: Musik sei seiner Meinung nach nur dann stark, wenn sie Verletzlichkeit zulasse. Während er in seinen Texten auf Nähe setzt, zeigt er sich auf der Bühne mit selbstsicherer Rockstar-Attitüde. Mal im Retro-Look, mal mit Glitzer im Gesicht, mal als düsterer Emo – aber immer mit der blonden Föhnwelle, die inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist. Sein Stil erinnert an David Bowie, aber auch an Lady Gaga, die ESC-Gewinnerband Måneskin und die Alternative-Rock-Band Placebo. 

Ein Auftritt beim Eurovision Song Contest gehört schon lange zu den größten Träumen des Musikers. „Als ich mit dem Gitarrespielen anfing und mir ausmalte, wie es wäre, meine Musik einmal vor einem so großen Publikum zu teilen, wusste ich einfach, dass ich gerne einmal auf der Bühne des ESC stehen möchte“, sagte er Anfang des Jahres dem SWR. Mit seiner Musik und seiner Persönlichkeit wolle er ein starkes Zeichen setzen – „für Sichtbarkeit und Diversität ohne Genregrenzen“, betonte er.

Für den deutschen ESC-Vorentscheid wählte Wavvyboi seine Rock-Hymne „Black Glitter“, in der es um Druck und Selbstzweifel, aber auch um Anderssein als Superkraft geht. Von mehreren Medien wurde der Song als „laut, episch und empowernd“ gelobt. Warum, das zeigte sein Auftritt beim Vorentscheid: Massive Gitarrenriffs, kombiniert mit einer melodischen Stimme und einer fast kämpferischen Bühnenpräsenz, machten ihn zum Fan-Liebling. Im Community-Voting von „ESC kompakt“, einem großen deutschen ESC‑Blog, belegte der Sänger aus Liechtenstein den ersten Platz.

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In der tatsächlichen Abstimmung landete Wavvyboi jedoch bloß auf dem zweiten Platz. Nur wenige Prozentpunkte trennten ihn von Sarah Engels, die als Siegerin aus dem Vorentscheid hervorging und nun in Wien für Deutschland antritt. In den sozialen Medien zeigten sich viele Fans enttäuscht über die Entscheidung.

Auf Instagram verkündete der Sänger, wie sehr er sich darüber freut, als Spokesperson für Deutschland ausgewählt worden zu sein. „Keine Ahnung, wie ich dabei cool bleiben soll. Es bedeutet mir natürlich super viel, meinen Rock’n’Roll in die Show nach Wien zu bringen“, sagte er in einem Video, das er kürzlich auf der Plattform geteilt hat. 

Die sogenannte Spokesperson teilt Europa beim ESC mit, wem die deutsche Fachjury wie viele Punkte gibt. In den vergangenen Jahren hatten etwa Sänger Michael Schulte (2025), Moderatorin Ina Müller (2024) und Moderator Elton (2023) diese Rolle inne. Für Wavvyboi eröffnet sich damit die Möglichkeit, sich einem Millionenpublikum zu präsentieren – trotz verlorenem Vorentscheid. 

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