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Christian Berger über "By the Sea" Was Angelina Jolie nicht erzählt


Er hat mit Angelina Jolie und Brad Pitt "By the Sea" gedreht. Der berühmte Kameramann Christian Berger über Hollywoodstars, Experimente und Punk.

Herr Berger, Sie sind als "Hauskameramann" von Oscar-Gewinner Michael Haneke bekannt. Jetzt haben Sie mit Angelina Jolie und Brad Pitt gedreht. Wie kam das?
Es war ganz lustig, denn es war nicht Angelina Jolie, die angefragt hat. Meine Frau, die mich managt, hat ständig mit jemandem telefoniert, der wissen wollte, ob ich im Sommer oder Herbst Zeit hätte. Und wir haben immer gesagt: Aber wofür und mit wem? Dann hat es ein bisschen gedauert, und schließlich hat Angelina Jolie selbst angerufen. Ich hebe ab, und sie sagt: "Hier ist Angelina Jolie". Und ich sage: "Und hier ist der Kaiser von China." Ich kenne so einen Schmäh schon von Kollegen, die besonders lustig sein wollen. Aber dann war sie es wirklich, und ich war schon beeindruckt. Vor allem habe ich mich gefragt, wie sie mich gefunden hat.

Und wie?

Sie und Brad hätten im Internet Statements von mir gefunden über meine Auffassung von Licht, und wie ich mit Regisseuren und Schauspielern arbeiten möchte. Dann haben sie sich mehr angeschaut.

Was hat Ihnen an der Idee gefallen, mit Jolie zu drehen?
Interessant war, dass diese Stars von sich aus versuchen, von Hollywood loszukommen. Sie nannten das Projekt von Anfang an ein Experiment.

Glauben Sie, dass es besonders kamerafreundliche Gesichter und Körper gibt?

Das glaube ich schon, aber das muss nicht automatisch schön heißen. Da gibt es zwei Arten: die Innensicht und die Außensicht. Jeder glaubt, er habe eine Schokoladenseite. Aber das muss nicht richtig sein. Allerdings bei Jolie und Pitt: Das sind solche Profis, da ist die Arbeit wirklich ein reines Vergnügen. Die stehen dadrüber. Da ging die Diskussion eher darum, dass sie mit diesem Film nicht ihre Marke bedienen. Es ist ja der Versuch, von einem Stempel wegzukommen. Es war ganz und gar kein "vanity project". Jolie hat ein Drehbuch geschrieben für sich und Brad, für das sie niemals von irgendjemandem besetzt worden wären. Das hat mich wirklich fasziniert. Es ist toll, wenn solche Stars so ein Risiko eingehen. Und in den USA wird das natürlich auch als autobiografische Geschichte interpretiert. Das ist naheliegend und bedient die Lüsternheit der Öffentlichkeit. Jolie und Pitt waren sie sich dessen bewusst. Sie sind da nicht naiv reingegangen.

Jolie wirkt nicht so, als würde sie in irgendetwas naiv hineingehen.

Naja, sie ist schon ein eigenartiger Kontrastcharakter. Einerseits hat sie diese Cleverness und eine sehr schnelle Intelligenz. Andererseits kann sie ein ganz naives, kleines Mädchen sein. Oder auch ein Punk. (lacht)

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Was gefällt Ihnen persönlich am besten an "By the Sea"?

Die Spielfreude der beiden Stars und ihre absolute Hingabe an jede Szene. Ich habe großen Respekt, mit welcher Intensität Angelina ihre künstlerische Form sucht. Wissen Sie, es gibt ein uraltes Zitat von einem Franzosen, den nennt man rückwirkend den ersten Filmkritiker. Der hat nach den ersten Filmvorführungen der Brüder Lumière gesagt: Eine neue Kunst ist geboren. Der Film kann das Zittern eines Blattes im Wind festhalten und immer wieder wiedergeben. Das ist Film für mich – immer noch.

Würden Sie noch einmal mit Angelina Jolie drehen?
Ja. Sie hat schon gefragt. (lacht)

Christian Berger hat bereits in den 90er Jahren eine ganz eigene Beleuchtungstechnik erfunden, die es den Filmschaffenden erlaubt, sich vor der Kamera freier zu bewegen: das Cine Reflect Lighting System. Für die internationale Bekanntheit Bergers hat vor allem seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Michael Haneke gesorgt. Dabei sind unter anderem "Das weiße Band", "Caché" und "Die Klavierspielerin" entstanden.  


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