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Die Nanny: Wir lieben dich, Fran

Der Ärger war groß, als RTL die Quizsendung "Jeopardy" mit Frank Elstner zu Gunsten der amerikanischen Sitcom "Die Nanny" aus dem Programm nahm. Doch inzwischen hat die Serie Kult-Status!

Als 1999 die letzte Staffel der Nanny über die Bildschirme lief, war dies das Aus für eine der erfolgreichsten Sitcoms aller Zeiten. Von 1993 flimmerte „Die Nanny“ in insgesamt 6 Staffeln über die Fernsehgeräte in über 90 Länder. Die Idee zur Sendung hatte Hauptdarstellerin, Drehbuchschreiberin und Produzentin Fran Joy Drescher, gemeinsam mit ihrem damaligen Mann Peter Marc Jacobson.

In der Serie dreht sich alles

um die Kosmetikerin und Nanny Fran Fine. Nachdem sie aus dem Brautmodengeschäft ihres Freundes Danny rausgeflogen ist, wird sie durch Zufall Nanny im Haus des Broadway-Produzenten Maxwell Sheffield. Dass dieser ein wenig altmodisch und angestaubt ist, stört sie nicht weiter. Mit extravaganten Outfits und einem Benehmen, dass so gar nicht vornehm ist, mischt sie den Sheffield-Haushalt samt der drei Kinder Grace, Brighton und Maggie gründlich auf. Nicht besonders begeistert von der neuen Nanny, und vor allem von ihren Ambitionen gegenüber Maxwell Sheffield, zeigt sich dessen Geschäftspartnerin C. C. Babcock. Ein karrieregeiles Weib, dass dem geschäftlichen Erfolg mit Maxwell nun auch den privaten folgen lassen will. Komplettiert wird der Sheffieldsche Hausstand durch Buttler Niles. Auffällig unauffällig, korrekt und immer eine Spitze gegen Miss Babcock auf der Zunge.

Ähnlichkeiten mit lebenden

oder verstorbenen Personen sind in dieser Serie ausdrücklich gewollt und bei der Fülle von Übereinstimmungen mit dem bürgerlichen Leben der Hauptprotagonistin ohnehin nicht zu leugnen. Fran Drescher ist in der Tat in Queens geboren, ist Jüdin, ihre Eltern heißen auch im wirklichen Leben Sylvia und Morty, sie ist gelernte Kosmetikerin und selbst ihr verstorbener Hund Chester bekam ein Serienpendant gleichen Namens. Vielleicht liegt darin der Schlüssel des Geheimnisses, dass man den Protagonisten ihre Rollen abnimmt, auch wenn diese übertrieben dargestellt werden.

Schon von der ersten Folge an kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Mit ihrer naiven Unbeholfenheit und vor allem ihrem vorlauten Mundwerk muss man Fran Fine einfach lieben. Egal ob sie im viel zu kurzen Minirock auf Maxwells Schreibtisch hüpft, sich trotz eines Ausschlages in ein hautenges Abendkleid zwängt oder beim Anblick von Barbra Streisand fast in Ohnmacht fällt.

Die heimlichen Hauptdarsteller

Dass dabei jedes Detail vorhersehbar ist, stört nicht im Geringsten, sondern passt wunderbar in das Konzept der Serie. Alles ist überdimensioniert, quasi „bigger than life“: die überzeichneten Charaktere ebenso wie die plakativen Dialoge. Aber gerade davon lebt „Die Nanny“. Davon, dass man genau weiß, was passiert wenn C. C. den Raum betritt. Man freut sich schon vorher auf die bissige Bemerkung des Butlers. Wartet förmlich darauf, wie ein 100-Meter Sprinter auf den Startschuss wartet. Und wenn diese gefallen ist, schüttelt man sich vor Lachen, auch wenn man die Folge schon hundertmal gesehen hat. Schade nur, dass bisher die Staffeln der Erfolgsserie nicht auf Video oder DVD erschienen sind. Es bleibt mir also nichts anderes übrig als jeden Abend den Fernseher einzuschalten wenn es wieder heißt: „Wir lieben dich, Fran!“.

Björn Woll
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