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Filmstart "Freier Fall": Wenn sich ein Polizist in einen Mann verliebt

Frisch verheiratet, das Kind ist unterwegs: Eigentlich ist Bereitschaftspolizist Marc ganz zufrieden mit seinem Spießerleben. Doch dann verliebt er sich in einen neuen Kollegen.

Der Lebensweg von Marc scheint vorgezeichnet. Er ist Polizist. Seine Freundin wird bald das erste gemeinsame Kind zur Welt bringen. Gerade ist die kleine Familie in eine mit Hilfe der Eltern finanzierte Doppelhaushälfte eingezogen. Da trifft Marc auf einem Lehrgang den schwulen Kollegen Kay - und verliebt sich in ihn. Das ist die Ausgangskonstellation in Stephan Lacants starkem Film "Freier Fall".

Es geht um die fast zerstörerische Kraft von Leidenschaft und Liebe, um Vorurteile, Mobbing und Verzweiflung. Hanno Koffler ("Nacht vor Augen", "Krabat") spielt Marc, dem sein Leben plötzlich entgleitet. Max Riemelt ("Die Welle", "Im Angesicht des Verbrechens") ist Kay, der in der als Amour fou beginnenden Beziehung als erster die Initiative ergreift - und sich durch Marcs Unentschlossenheit zunehmend verletzt und zurückgestoßen fühlt.

Geradlinig erzählt

"Als Co-Autor Karsten Dahlem und ich uns vor drei Jahren kennenlernten und er mir von Mobbingfällen an homosexuellen Kollegen erzählte, die er während seiner Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei beobachtete, entschlossen wir uns, dieses Thema gemeinsam in einem Film zu behandeln", sagt Regisseur Lacant. "Trotz nach außen hin sichtbarer Reformen ist die Polizei immer noch in maskulin dominierten, konservativen Strukturen verhaftet."

Sehr geradlinig erzählt und ausgesprochen konzentriert gespielt, entwickelt "Freier Fall" - Eröffnungsfilm der diesjährigen Perspektive-Reihe der Berlinale - einen unglaublichen erzählerischen und emotionalen Sog. Als Marcs Freundin (Katharina Schüttler) das Doppelleben ihres Mannes aufdeckt, muss er sich entscheiden. Doch hat er überhaupt noch eine Wahl?

Elke Vogel, DPA / DPA