HOME

Interview: "War das ein Orgasmus?"

Seit sie in der Fernsehserie "Sex and the City" die männerfressende Samantha spielt, gilt Kim Cattrall als Fachfrau fürs Erotische - und hat deshalb einen Sex-Ratgeber geschrieben. Was sonst.

Ms Cattrall, würde Samantha Ihr Buch "Satisfaction" gefallen?

Sie würde es lieben! Weil es dem weiblichen Orgasmus huldigt. Und wahrscheinlich würde sie mir sogar noch ein paar Tricks verraten.

Dabei dürfte sie Ihre These erschrecken: Guter Sex geht nicht ohne tiefe Gefühle.

Gerade weil ich so ein Biest spiele, haben mein damaliger Ehemann und ich uns entschieden, das Buch zu machen. Denn seit dieser Rolle kommen vor allem Frauen auf mich zu und wollen wissen, wie guter Sex funktioniert. Aber natürlich bin ich keine Therapeutin, ich bin nur eine 46-jährige Frau, die über 20 Jahre ein ödes Liebesleben hatte.

"Keiner will zugeben", schreiben Sie, "dass Millionen Frauen ein unbefriedigendes Liebesleben haben und die meisten Männer nicht wissen, wie sie das ändern können." Sind Männer wirklich solche Versager?

Männer wissen einfach nicht, wie Frauen funktionieren. Und auch die meisten Frauen wissen nicht, wie das ist: einen richtigen Orgasmus mit dem Partner zu erleben. Wie sensibel die Klitoris ist, was es alles zu entdecken gibt.

Sie empfehlen unter anderem, dass der Mann die Klitoris mit der Zunge kreisend verwöhnen soll - gern stundenlang. Wie soll man das denn durchhalten?

Das geht schon. Für den Mann ist es im Bett von Natur aus einfacher. Er weiß, was er zu tun hat, um zu kommen, und die Frau ist dabei und weiß nicht recht, was passiert, sie weiß nur, dass es irgendwie unbefriedigend ist. Habe ich einen Orgasmus?, fragt sie sich. Oder war das keiner? Genau so ging es mir viele Jahre. Bis ich meinen Ehemann kennen lernte und merkte, wie schön Sex sein kann. Und ich dachte mir: Wenn ich das erleben kann, können es andere auch. Deshalb bringe ich die Leserinnen auf neue Ideen: Hey, wenn ich mit meinem Mann intim bin, kann ich mich dabei selbst befriedigen. Und wenn er das und jenes macht und es sich nicht gut anfühlt: Warum sag ich's ihm nicht einfach?

Und: Warum nicht?

Frauen trauen sich nicht. Und Männer fragen nicht. Jeder wartet auf den anderen, nichts passiert.

Sie versprechen eine Art sexuelles Erwachen?

Nun, es geht darum, den anderen zu fühlen. Zu spüren, wie er atmet, wie weich seine Haut ist. Diese Energie zu entdecken ist ein Geschenk der Götter.

Männer werden stöhnen: Jaja, das Vorspiel muss halt länger sein.

Aber Männer haben doch etwas davon, wenn sie sich Mühe geben, eine Frau zu verwöhnen! Die Frau hat dann nämlich mehr Spaß am Sex. Und es macht Männer unglaublich an, wenn sie merken, dass eine Frau Lust auf sie hat.

Was ist, wenn Mann kein feines Händchen hat?

Die Fantasien vieler Männer sind leider von der Pornografie geprägt. Sie glauben, dass die Frau in zwei Sekunden kommen sollte. Dabei ist es wie in der Musik: Man muss üben! Und man muss präzise sein, der weibliche Orgasmus ist wirklich Kunst. Er passiert nicht einfach. Man muss sich ihm mit viel Liebe widmen. Dann kann er kommen.

Interview: Rüdiger Barth

Themen in diesem Artikel