Neustarts
Russell Crowe als Hermann Göring: Das sind die Kino-Highlights der Woche

  • von Jonas Decker
Oscargewinner Russell Crowe (links, "Gladiator") spielt in "Nürnberg" den ehemaligen Reichsmarschall Hermann Göring.
Oscargewinner Russell Crowe (links, "Gladiator") spielt in "Nürnberg" den ehemaligen Reichsmarschall Hermann Göring.
© Sony Pictures Classics/Scott Garfield

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
"Love Me Tender", "Mortal Kombat II" und "Nürnberg", ein Historiendrama über die Nürnberger Prozesse mit Russell Crowe als Hermann Göring: Das sind die Kino-Neustarts am 7. Mai.

Ein schwieriger, zuweilen unberechenbarer Charakter – so wurde Russell Crowe in der Vergangenheit öfter mal eingestuft, etwa nachdem er vor Jahren mal ein Telefon nach einem Hotel-Rezeptionisten warf und kurzzeitig in Polizeigewahrsam landete. Derartige Aussetzer gab es mehrfach. Inzwischen sei er nicht mehr so hitzköpfig, versicherte der Australier vor einiger Zeit. Ein richtiger Sympathieträger wird er aber wohl nicht mehr, und seine neueste Kinorolle macht ihn gewiss auch nicht sympathischer – aber sie ringt doch Respekt ab, allein dafür, dass er sich überhaupt darauf eingelassen hat: Im Historienfilm "Nürnberg" verkörpert Oscargewinner Russell Crowe ("Gladiator") den hochrangigen Nazi Hermann Göring.

Außerdem neu in dieser Woche: "Love Me Tender" erzählt mit Vicky Krieps in der Hauptrolle von einer lesbischen Frau, die um ihren Sohn kämpft, und mit "Mortal Kombat II" kommt die zweite neue Adaption der populären Videospiel-Reihe auf die Leinwand.

Nürnberg

Nürnberg im Jahr 1945. Die Trümmer des Krieges dominieren das Bild, die Aufarbeitung des von Adolf Hitler heraufbeschworenen Schreckens hat gerade erst begonnen. Russland, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten bereiten einen gigantischen Prozess vor, um die verbliebenen Naziverbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Es gibt keine Anleitung, wie man so einen Prozess aufbaut, aber er soll doch möglichst gut vorbereitet sein. So kommt es auch zur Begegnung von Hermann Göring (Russell Crowe), dem ehemaligen Reichstagspräsidenten und Reichsluftfahrtminister, und Gefängnispsychiater Douglas M. Kelley (Rami Malek).

Was sind das für Menschen, die Hitler folgend die ganze Welt ins Chaos stürzten? Und wer von ihnen trägt konkret welche Schuld? Douglas Kelley soll bei der Einschätzung helfen und in Nürnberg die Psyche mehrerer Angeklagter durchleuchten. Darunter auch Hermann Göring. In der intensiven Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Reichsmarschall blickt Kelley in tiefe Abgründe. Zwischen die Abscheu mischt sich aber auch eine gewisse Faszination für den charismatischen und hochintelligenten Göring.

24 Menschen saßen seinerzeit bei den Nürnberger Prozessen auf der Anklagebank. Dass in "Nürnberg" ausgerechnet Göring so sehr in den Fokus rückt, hat vor allem mit den hier zugrundeliegenden Quellen zu tun. Der Sohn von Douglas Kelley übergab vor einigen Jahren diverse persönliche Aufzeichnungen des Psychiaters an den Journalisten Jack E-Hai, der darauf basierend das (teils spekulative) Sachbuch "Der Nazi und der Psychiater" verfasste. In die filmische Form wurde der Stoff schließlich von Regisseur und Autor James Vanderbilt überführt, der sich in der Vergangenheit unter anderem durch seine Mitarbeit bei "Zodiac – Die Spur des Killers" sowie bei mehreren "Scream"-Filmen einen Namen machte. Bemerkenswerte Randnotiz: In den USA startete "Nürnberg" schon vor einem halben Jahr in den Kinos.

Love Me Tender

Eine Mutter outet sich als lesbisch und geht eine Beziehung mit einer anderen Frau ein. Sollte man ihr nun das Kind wegnehmen? Wir leben in Zeiten und Breitengraden, in denen inzwischen viele Menschen die Meinung vertreten würden: nein, nicht wegnehmen. Wenn man entsprechende Online-Diskussionen verfolgt, findet man aber nach wie vor auch genau entgegengesetzte Kommentare nach dem Motto: Ein lesbisches Paar (oder, noch schwieriger, ein schwules Paar) bietet nicht das richtige Umfeld für ein Kind. Es ist in jedem Fall ein heikles Thema, das Anna Cazenave Cambet in ihrem neuen Film "Love Me Tender" aufgreift.

Das Recht auf individuelle Entfaltung und die Erwartungen, die an eine Mutter gestellt werden: Auch in modernen westlichen Kulturen können diese beiden Dinge je nach Lebensstil noch weit auseinanderliegen. Welche Lösungen, welche Kompromisse kann man finden in einer Situation, in der man sie zwingend finden muss? Das lotet die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Anna Cazenave Cambet, die 2016 schon für ihren ersten Kurzfilm "Gabber Lover" mit der "Queer Palm" in Cannes ausgezeichnet wurde, in einem Drama mit Top-Besetzung aus. Als Vorlage für "Love Me Tender" diente der gleichnamige Roman von Constance Debré.

Clémence (für den Europäischen Filmpreis als beste Schauspielerin nominiert: Vicky Krieps) ist eine ehemalige Anwältin, die gerne Schriftstellerin werden möchte. Sie hat den achtjährigen Sohn Paul (Viggo Ferreira-Redier). Und sie hat festgestellt, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Sahra (Monia Chokri) hat es ihr sehr angetan, die beiden starten eine Beziehung. Aber damit beginnt für Clémence auch ein großer Kampf. Als ihr Ex-Mann Laurent (Antoine Reinartz) von der homosexuellen Partnerschaft erfährt, zieht er vor Gericht, um Clémence das Sorgerecht für Paul entziehen zu lassen.

Mortal Kombat II

Eine Figur kommt von links ins Bild, die andere von rechts. Sie kämpfen bis zum möglichst brutalen "Fatality"-Tod. Das dauert in der Regel nicht länger als eineinhalb Minuten. Kann man daraus einen Kinofilm von eineinhalb Stunden Spielzeit machen? Es wurde zumindest schon einige Male versucht. In den 90-ern entstanden bereits zwei "Mortal Kombat"-Filme, außerdem gab es mehrere TV-Serien. 2021 kam es schließlich zum ambitionierten Leinwand-Reboot. Fünf Jahre nach "Mortal Kombat" folgt jetzt ein zweiter Teil.

Etwa 55 Millionen Dollar soll "Mortal Kombat" (2021) gekostet haben, doch trotz spektakulärer Kampfszenen reagierten viele Fans und Kritiker ernüchtert auf die Videospiel-Adaption. Das Budget für "Mortal Kombat II" liegt nun angeblich bei knapp 70 Millionen Dollar, und vielleicht wird jetzt ja alles viel besser. Auf dem Regiestuhl sitzt erneut Simon McQuoid. Das Drehbuch, eine der größten Schwächen von Teil eins, schrieb diesmal Jeremey Slater ("Godzilla x Kong: The New Empire"). Zudem werden einige neue Charaktere aus dem großen "Mortal Kombat"-Universum eingeführt.

Manche Fans der Kampfspiel-Reihe werden sich freuen, dass neben den Aushängeschildern Scorpion (Hiroyuki Sanada) und Raiden (Tadanobu Asano) jetzt auch Figuren wie Shao Kahn (Martyn Ford) und Baraka (C.J. Bloomfield) zum Kino-Ensemble von "Mortal Kombat" gehören. Der spannendste Neuzugang ist aber gewiss Johnny Cage, einst entwickelt als Videospiel-Pendant zu Jean-Claude van Damme. Der Kämpfer, der 1992 schon im allerersten "Mortal Kombat"-Spiel mitmischte, wird verkörpert von "The Boys"-Star Karl Urban.

Gemeinsam mit anderen "Mortal Kombat"-Helden will Johnny Cage die "Schreckensherrschaft" von Shao Kahn beenden und das "Earthrealm" (der Hauptschauplatz der meisten Kämpfe) vor dem Untergang retten. Ein "gnadenloser, blutiger Kampf" soll es werden, "der alles Bisherige in den Schatten stellt". Ganz so blutrünstig wie das besagte erste Spiel von 1992, das bis vor wenigen Jahren auf dem Index stand, wird es aber wohl nicht: "Mortal Kombat II" ist freigegeben ab 16 Jahren. Ein dritter Teil der Reihe wurde bereits angekündigt.

TELESCHAU

PRODUKTE & TIPPS