Udo Lindenberg war auf seine Art immer ein Brückenbauer. Das zeigt sich auch hier wieder, obwohl er selbst gar nicht dabei ist: Für das Tribute-Album "We Love Udo" kamen die unterschiedlichsten deutschen Musikgrößen zusammen, um Klassiker des Panikrockers neu einzuspielen. Von Punk bis HipHop ist fast alles dabei. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Social Distortion und Maite Kelly.
We Love Udo – Das Udo Lindenberg Tribute Album
Was haben Inga Humpe, Peter Maffay, Jan Delay, Ina Müller und Tokio Hotel miteinander zu tun? Musikalisch ja eigentlich gar nichts. Aber es gibt da doch einen gemeinsamen Nenner: die tiefe Bewunderung für den Mann mit Hut, Sonnenbrille und Zigarre. Alle haben ihre eigenen Udo-Geschichten, ihre Erweckungsmomente und persönlichen Erinnerungen daran, wie sie erstmals der genial lässigen Schnodder-Poesie des Panikrockers begegneten. Am 17. Mai wird Udo Lindenberg 80 Jahre alt. Das wird nun mit einem prominent besetzten Tribute-Album gefeiert.
"We Love Udo" soll eigentlich "kein Denkmal" sein, sondern ein "Echo" von Künstlerinnen und Künstlern, "die ohne Udos Musik vielleicht ganz andere Wege gegangen wären". Als Echo funktioniert die 20-teilige Sammlung definitiv, ein Denkmal ist sie aber natürlich auch. Insgesamt 24 Acts versammeln sich auf dem "Udo Lindenberg Tribute Album", um verschiedene Hits des Jubilars auf ganz unterschiedliche Weise neu zu interpretieren. Rock, Pop, Punk, Chanson, HipHop, Reggae. Dank Hans Zimmer, der mit Apache 207 den Chartstürmer "Komet" neu auflegt, kommt sogar noch ein bisschen Hollywood-Feeling hinzu.
Der gemeinsame Gedanke hinter dieser gut einstündigen Verneigung: "Danke, Udo. Für deinen Mut, deine Haltung, dein Leben. Für Songs, die uns begleitet haben, wenn wir laut waren, lost waren oder gar nicht wussten, wer wir sind." Das Tribute-Album erscheint in diversen Konfigurationen (wahlweise auch mit Shirt und Socken). Für Sammler ebenfalls interessant: Zur Feier von Udo Lindenbergs 80. Geburtstag folgt am 15. Mai noch die Produktserie "Alles unter einem Hut" – unter anderem mit der Sammlung "Eure Favoriten", für die Fans vorab ihre Lieblingslieder aus 40 Udo-Lindenberg-Alben aussuchen durften.
Social Distortion – Born To Kill
"Wenn du keinen Song hast, hast du gar nichts", lautet frei übersetzt eine Zeile aus dem Lied "The Way Things Were" von Social Distortion, das die Band jüngst auch bei Jimmy Kimmel im US-Fernsehen spielte. Insofern muss man sich um diese Gruppe, von der man zuletzt lange nichts hörte, erst einmal keine Sorgen machen: Social Distortion haben nämlich nicht nur einen, sondern gleich elf Songs, die sie jetzt auf ihrem ersten neuen Album seit 15 Jahren zusammentragen.
1979 machten Social Distortion sich auf, vom kalifornischen Fullerton aus mit Punk und Rockabilly die Welt zu erobern. Nach dem kommerziellen Höhepunkt mit "Hard Times And Nursery Rhymes" (2011, Platz drei in den deutschen Charts) lag die Band lange auf Eis. Jetzt rocken sie wieder, mit einer großen Tour ab Juni (auch mehrfach in Deutschland) und der gelungenen Comeback-Platte "Born To Kill". Ein Cover von Chris Isaaks Schmuserock-Klassiker "Wicked Game" ist dabei, ansonsten gibt es nicht viele Überraschungen. Braucht's auch nicht. Die meisten Fans werden sich einfach freuen, diese Punkrock-Ikonen nach 47 Jahren Bandgeschichte immer noch so gut aufgelegt und lebendig zu erleben.
Maite Kelly – 24/7
Ein neues Album von Maite Kelly. Man liest in der Ankündigung der Plattenfirma von "Mut", "Empowerment" und dem "Feuer des Lebens" und denkt: Gut, naja, Maite Kelly halt. Aber wenn man's dann hört – da werden Fans und Nicht-Fans gleichermaßen mit den Ohren schlackern. Der Versuchung, einfach immer Gleiches zu wiederholen, weil es ja funktioniert, erliegt Maite Kelly hier jedenfalls nicht. Dafür kann sie manch anderer Versuchung einfach nicht widerstehen ...
Dass "24/7" kein "normales" Maite-Kelly-Album ist, lässt schon das Artwork erahnen. Auf dem Cover sieht man die Sängerin mit verwuscheltem Haar und betörendem Schlafzimmerblick in einem Bett. Ob sie überhaupt irgendwelche Klamotten am Leibe trägt, ist nicht eindeutig zu erkennen. Dann singt Maite Kelly: von heißen Nächten, von Küssen in Paris, von wilden Berührungen, von "Uh La La" und vom Morgen danach. "Du liegst neben mir, was haben wir gemacht? Du hast mich dreimal in den Himmel gebracht. Was eine Nacht!"
Musikalisch bleibt Maite Kelly eindeutig dem Schlager treu, inhaltlich geht es auch nicht in jedem der zwölf neuen Songs so aufregend zu wie in "Der Morgen danach". Oft genug geht's auch nur um ganz normale Liebe. In seiner sinnlichen Grundausrichtung ist der siebte Langspieler von Maite Kelly aber schon bemerkenswert. Findet auch Maite Kelly, die sich angesichts dieser eruptiven 42 Minuten von sich selbst überwältigt zeigt: "Ich weiß nicht, wie '24/7' passiert ist. Ich weiß nur, dass ich vor Jahren schon genau so ein Album erschaffen wollte. Ich wusste nur nicht, ob ich den Mut dazu habe."