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Farin Urlaub ist "Happy to be Deutsch": Das sind die Musik-Highlights der Woche

  • von John Fasnaugh
Ärzte-Sänger Farin Urlaub hat sein erstes Soloalbum seit zwölf Jahren angekündigt, die erste Single heißt "Happy 2bD".
Ärzte-Sänger Farin Urlaub hat sein erstes Soloalbum seit zwölf Jahren angekündigt, die erste Single heißt "Happy 2bD".
© IMAGO/Martin Winter

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Ringo Starr, Foo Fighters und Ärzte-Sänger Farin Urlaub, der mit einem gewagten Deutschland-Lied seine Solokarriere wieder aufnimmt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Die Ärzte veröffentlichten vor fünf Jahren ihr letztes reguläres Studioalbum ("Dunkel", 2021), solo hat man von Farin Urlaub schon viel länger nichts gehört. Umso aufsehenerregender meldet der Sänger, Songschreiber und Gitarrist sich jetzt zurück. Ganze zwölf Jahre nach "Faszination Weltraum" (2014) hat er für den Herbst eine neue Soloplatte angekündigt. Einen ersten Song, "Happy 2bD", kann man jetzt schon hören. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Ringo Starr und den Foo Fighters.

Farin Urlaub – Happy 2bD

Farin Urlaub ist wieder da und veröffentlicht ein Lied mit dem merkwürdigen Titel "Happy 2bD" – ausformuliert "Happy to be Deutsch". Das ist erst einmal ein ganz schön abenteuerlicher Slogan, nicht nur aus grammatikalischer Sicht. Glücklich, deutsch zu sein – so ein Bekenntnis ließen sich in diesen Tagen mutmaßlich nur wenige Menschen entlocken. Und jetzt feiert ausgerechnet der Punkrocker und Provokateur Farin Urlaub "Bratwurst, Bockbier, Beckenbauer, Benz"? So richtig "happy", man ahnt es, ist der Ärzte-Sänger auf Solopfaden allerdings doch nicht.

"Happy to be Deutsch" – "das wird man ja wohl noch singen dürfen?!", heißt es in einer Presse-Info zum neuen Urlaub-Song, der wunde Punkte sucht und in gut drei Minuten auch vieles findet. Musikalisch ist es mehr Neue Deutsche Welle als Punk, viel spannender und brisanter ist aber ohnehin der Inhalt. Von der Bratwurst geht es weiter zu Dichtern und Denkern, im Verlauf dann aber auch zu Krieg, Zerstörungswut und brennenden Menschen. Eine neue Nationalhymne wird dieser Song sicher nicht. Die Fans werden sich trotzdem freuen. Umso mehr, da Farin Urlaub für den Herbst 2026 ein vollständiges neues Soloalbum angekündigt hat – sein erstes seit "Faszination Weltraum" im Jahr 2014.

Ringo Starr – Long Long Road

Den ersten Song des neuen Albums beginnt Ringo Starr mit der Bitte "Tell me a story / And I don't care if it's true", im zweiten singt er "I don't know where I am / But I'm glad to be here". Welche Geschichten nun wahr sind oder nicht, ist dem Ex-Beatle inzwischen egal, solange es nur gute Geschichten sind. Und wo exakt er sich auf der Landkarte gerade befindet – wen kümmert's. Ringo Starr freut sich einfach über jeden Meter, den er auf der "Long Long Road" mitnehmen kann.

Guten Geschichten auf der Straße des Lebens – das passt zum Sound dieses Albums, weil Ringo Starr sich wieder seiner alten, zwischenzeitlich lange vergessenen Country-Liebe hingibt. In den 70-ern wagte der Brite schon einmal einen Ausflug in dieses sehr amerikanische Genre, nach der Rückbesinnung mit "Look Up" (2025) ist "Long Long Road" nun schon sein zweites Country-Album in knapp eineinhalb Jahren. Produziert wurde das 33-Minuten-Werk wie schon der Vorgänger von T Bone Burnett. Neben Ringo Starr selbst und seiner erstklassigen Begleitband hört man Gaststars wie Sheryl Crow und St. Vincent.

Es ist keine Musik, die sich aufdrängt oder die überhaupt irgendetwas dringend will. "Why do we lie, why do we cry? I don't know, I don't know, I don't know." Manchmal ist es fast schon zu viel schulterzuckendes "Alles kann, nichts muss". Man kann wohl auch davon ausgehen, dass das bevorstehende neue Album von Beatles-Kumpel Paul McCartney ("The Boys Of Dungeon Lane", 29. Mai) demnächst mit einer ganz anderen Gewichtigkeit daherkommen wird. Aber dieser ausgesprochen entspannte und bodenständige Ansatz macht "Long Long Road" natürlich auch wieder zu einer enorm sympathischen Platte – eine klassische Ringo-Platte.

Foo Fighters – Your Favorite Toy

Dave Grohl präsentiert sich bei Interview-Terminen und anderen öffentlichen Auftritten inzwischen ganz uneitel mit Sehhilfe, der Bart des 57-Jährigen wird auch immer grauer (oder, wahrscheinlicher: wird nicht mehr getönt). Die Zeit, als die Foo Fighters noch Teil der Jugendkultur waren, ist wohl vorbei. Von Alte-Säcke-Musik wird allerdings kaum jemand sprechen, wenn das neue Album "Your Favorite Toy" läuft. Nach über 30 Jahren Bandgeschichte mit vielen Höhen und einigen heftigen Tiefschlägen (2022 etwa der Tod von Schlagzeuger Taylor Hawkins) ist es bereits der zwölfte Langspieler der Foo Fighters.

Ein paar kleine, intensive Clubkonzerte haben sie sich zuletzt wieder gegönnt – ein bisschen wie eine junge Rockband, die gerade erst anfängt. Nach Anfängertum klingt auf "Your Favorite Toy" aber natürlich gar nichts. "Caught In The Echo" eröffnet das Album mit einem zackigen Riff und einem satten Punch, ein typischer Foo-Fighters-Rocker. Nur 36 Minuten Spielzeit sind es insgesamt, die zehn Titel peitschen die Kalifornier allerdings mit viel Energie und beachtlichem Tempo durch. Viele der Songs werden gewiss auch auf der großen Live-Bühne hervorragend funktionieren, egal ob Dave Grohl da mit oder ohne Brille steht. Die anstehende Stadiontour der US-Band führt unter anderem auch nach Berlin und München.

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