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Interview Nigel Kennedy: "Ich schneide mir sogar die Haare selbst"

Der böse Junge der Klassikwelt geht wieder auf Tournee – und spielt zum ersten Mal Mozart. Im stern.de-Interview spricht Nigel Kennedy in ausgesucht respektlosem Gossenslang über eine Liebe auf den zweiten Blick, Klassik-Krawall und seinen Sohn, der nicht ganz zufällig Amadeus heißt.

Wunderkinder sollten am besten früh sterben. Schon aus Imagegründen. Mozart zum Beispiel kann niemand vorwerfen, dass er sich im Alter mit seinen Schrullen lächerlich gemacht hätte. Er starb jung als extrovertiertes Genie, mit nur 36 Jahren. Mit 51 ist die Zeit definitiv vorbei, in der man auf Milde hoffen darf, wenn man in der Klassikszene Krawall macht. Nigel Kennedy – Star-Geiger, Jazzband-Leader und künstlerischer Leiter des Polish Chamber Orchestra – aber ist das wurscht. Statt um sein Image kümmert er sich lieber um seinen elfjährigen Sohn. Ein Enfant terrible in der Vaterrolle: Das hat Wolfgang Amadeus, mit dem der Brite oft verglichen wird und dessen Musik er erst jetzt für sich entdeckt hat, nie geschafft. Auf der Dachterrasse des Münchner Palace-Hotels plaudert Nigel Kennedy in ausgesucht respektlosem Gossendialekt, er liebt das F-Wort, über seine neue CD und Kindererziehung. Zur Begrüßung erhebt sich der Mann mit Stachelfrisur und Palästinensertuch und drückt einem einen nicht bloß angedeuteten Kuss auf die Hand.

Wie kommen Sie denn nach so vielen Jahren plötzlich auf Mozart?

Mir ist einfach ein verdammtes Licht aufgegangen. Manchmal hat man ja so eine mentale Blockade. Ich fand es immer sehr ermüdend, diese Coffeetable-Leute reden zu hören: "Ach, ist Mozart nicht einfach und doch so tiefgründig." So ein Scheißdreck. Aber wenn man etwas nicht versteht, von dem die ganze Welt begeistert ist, ist es doch so, als wäre man teilweise blind. Ich habe immer noch eine Blockade, was Country- und Westernmusik betrifft. Ich hoffe, die bleibt mir erhalten, aber wenn nicht, bin ich auch glücklich (lacht).

Sie wurden während ihrer Karriere immer wieder mit Mozart verglichen. Gibt es tatsächlich Parallelen?

Oh Mann, ich bin ein ganzes Stück älter, als er je geworden ist. Man vergleicht mich mit ihm, weil ich mich in der Klassikszene nicht absolut perfekt benehme. Ich stoße Türen auf und lasse ein paar andere Leute rein, normale Leute. Das wird oft als Provokation gewertet, tatsächlich versuche ich aber einfach nur eine Situation zu schaffen, in der ich mich wohl fühle. In der Realität stehe ich jeden Morgen auf und versuche ein besserer Geiger zu werden. Es spielt für mich keine Rolle, mit wem man mich vergleicht.

Ihrem Image schadet der Vergleich jedenfalls nicht.

Das ist ein seltsames Paradox, denn ich bin der einzige Musiker, der gar kein Image hat. Was ich mache, wenn ich ein Konzert gebe, ist sehr viel authentischer als bei anderen Musikern. Man muss sich doch nur klassische Musiker oder Heavy-Metal-Bands angucken, die all diesen verrückten Scheiß anziehen, der gar nichts mit ihnen zu tun hat. Ich hatte noch nie einen Stylisten, ich trage nur meinen eigenen Scheiß, ich schneide mir sogar die Haare selbst. Andere haben ein Image, ich bin der Einzige, der keins hat. Naja, Keith Jarrett und Alfred Brendel haben auch keins.

Warum Sie Ihren Sohn Amadeus genannt haben, obwohl Sie damals vor elf Jahren noch gar nichts von Mozart hielten?

Er heißt Sark Yves Amadeus. Ich habe mir gedacht, wenn ich ihn Amadeus nenne, könnte ich vielleicht auch lernen Mozart zu lieben. Wenn man ein Kind bekommt, geht es ja um bedingungslose Liebe. Mein Sohn mag den Namen auch, schon weil keiner seiner Schulkameraden so heißt. Hat aber 'ne Weile gedauert, bis er ihn schreiben konnte.

Ist er ein musikalisches Kind?

Ja, er versucht sich als Drummer.

Mag er klassische Musik?

Na ja, er mag meinen Kram, zumindest ist sein Urteil darüber sehr höflich. Aber härtere Musik mit Drums ist mehr sein Ding. Wir hören zusammen Eminem und solche Sachen.

Hat er mit Ihnen als Vater kein klassisches Instrument erlernt?

Er hat ein bisschen Geige gelernt. Aber das war mehr deswegen, weil er dachte, er könnte den anderen in seiner Band dann sagen, wo's langgeht. Immerhin sieht er mich immer, wie ich entweder meiner Jazzband oder dem Orchester sage, was sie tun sollen. Als er merkte, dass es nicht an der Geige lag, hat er sofort damit aufgehört. Er spielt lieber Fußball. Das kann ich sehr gut verstehen.

Vielleicht hätten Sie als Kind auch lieber mehr Fußball gespielt, statt im Rampenlicht zu stehen?

Meine Mutter war schon ziemlich ehrgeizig, was mich anging. Sie war ja Klavierlehrerin und wollte definitiv, dass ich auch Musiker werde. Aber gelitten habe ich nicht.

Und wieso die Geige? Warum sind Sie nicht Pianist geworden?

Mein Vater, ein Australier, war erster Cellist im Royal Philharmonic Quartett. Schon mein Großvater väterlicherseits hat Cello gespielt. Meine Mutter dachte sich, ich sei bestimmt auch begabt. Weil mein Vater sich aber vor meiner Geburt nach Australien verpisst hat, wollte sie kein Cello im Haus haben. Stattdessen bekam ich eine Geige. Ich mochte sie aber nicht besonders. Geige klingt schrecklich, wenn man Anfänger ist. Man hat lange kein Erfolgserlebnis.

Haben Sie Ihren Vater kennengelernt?

Ich habe ihn zweimal getroffen. Da hat sich zwischen uns aber nichts Großes abgespielt.

Sie sind viel unterwegs. Wie oft sehen Sie Ihren eigenen Sohn?

Zehn Tage im Monat nehme ich mir für ihn. Die restliche Zeit arbeite ich wie ein Bekloppter.

Kann es sein, dass Ihr Sohn auch deswegen nicht Geige spielt, weil er vermeiden will, in ihrem Schatten zu stehen?

Das wäre ja gar nicht der Fall. Ich spiele Klassik, Rock, Klezmer, Folk ... es gibt so viele Möglichkeiten. Ich bin sicher, er würde seinen eigenen Weg finden, wenn er Geige spielen wollte. Konkurrenten sind wir nur auf dem Fußballplatz.

Was will Sark denn werden, wenn er groß ist?

Er kocht wahnsinnig gern. Und er macht das wirklich gut. Wenn er Koch werden würde, Mann, das wäre großartig. Mir würde es jedenfalls sehr gefallen (lacht).

Statt Nigel Kennedy, dem Klassik-Punk, ist also Jamie Oliver, der Küchen-Punk, sein Vorbild?

Kann schon sein. Er steht morgens auf und macht uns Omelettes, brät sie von beiden Seiten, tut alle Zutaten rein. Innen sind sie weich, außen nicht angebrannt, einfach perfekt. Ich schätze, es ist eine natürliche Gabe.

Von Ihnen geerbt?

Ich hatte nicht die Zeit, so oft zu kochen, wie ich es gern getan hätte. Ich kann eine Keule zubereiten, solches Zeug. Große Sachen, kleine Sachen kann ich nicht so gut.

Sie haben mal gesagt, Sie seien ein strenger Vater. Kann man sich nicht so richtig vorstellen.

Yeah, ich kann ganz schön ungemütlich werden, wenn er andere Leute nicht mit Respekt behandelt. Meine Frau und Freunde sind ja auch da, und ich möchte, dass er lernt, in einer Gemeinschaft seinen Beitrag zu leisten. Vor allem, dass es Freude macht, diesen Beitrag zu leisten und eine Sache nicht zu zerstören. In der Schule sieht es allerdings ein bisschen anders aus. Da ist er manchmal frech, aber in meiner Gegenwart benimmt er sich tadellos. Jeder denkt, was für ein großartiges Kind.

Werden Sie auch mal laut?

Ich schreie nicht viel rum, aber wenn ich angepisst bin, weiß er, dass ich angepisst bin. Kinder hören die kleinen Veränderungen in der Stimme ihres Vaters ganz genau. Bei der Mutter nicht so, an der sind sie zu nah dran. Aber zum Vater haben sie eine andere Beziehung und gehorchen etwas besser.

Darum sagen Mütter wohl immer: "Ich hole gleich deinen Vater."

Ja, eine echte Drohung, nicht wahr?

Was ist für Sie das Wichtigste, das Sie Sark beibringen möchten?

Sich selbst etwas beizubringen. Die besten Lehrer, die ich hatte, haben mich gelehrt unabhängig zu sein. Ich würde ihm auch gern vermitteln, dass harte Arbeit sehr lohnend sein kann, dass sie glücklich machen kann. In unserer nordeuropäischen Gesellschaft gibt es so viele Beispiele von Menschen, die nichts tun. Sogar viele meiner Freunde kassieren Sozialfürsorge, und das seit über 20 Jahren. Ich verstehe ihre Gründe, aber wenn Sark das sieht und denkt, das ist der Weg, den er gehen sollte, wäre ich ein klein wenig enttäuscht. Weil mein Kind einfach ganz andere Möglichkeiten hat.

Sie selbst haben viel aus Ihrem Leben gemacht, waren das Wunderkind, später dann der Klassik-Clown. Ist es schwierig für Sie, älter zu werden?

Das passiert einfach, oder? Außerdem sagte ich ja, dass ich kein Image habe. Von daher hat es keine Bedeutung für meinen Job.

Trotzdem können Sie es nicht lassen, aufzufallen. In Mozarts Klavierkonzert haben Sie eine eigene Kadenz mit der Elektro-Geige eingefügt, über die die Presse jetzt spricht. Fürchten Sie nicht, dass man nur noch über solche Mätzchen redet, wenn es um Ihre Musik geht?

Ich habe es getan, weil ich glaube, dass es genau so richtig ist. Ich improvisiere in der Kadenz und bringe etwas von meiner Persönlichkeit ein, was meiner Meinung nach für eine Aufnahme notwendig ist. Wenn man darüber spricht, ist es in Ordnung.

Jemand meinte, es klinge nach "Rondo Veneziano".

Das ist nicht mein Problem. Es bedeutet nur, dass der Jemand den Unterschied nicht hören kann.

Letzte Frage: Findet Ihr Sohn Sie cool?

Aber sicher. Jeder Junge findet seinen Vater cool, so ist das.

Interview: Ulrike Blieffert

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Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.