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Michael Jackson: Was die Songtexte über Jacko verraten

Michael Jackson war ein mysteriöser Schweiger, der sich in der Öffentlichkeit zur Kunstfigur stilisierte. Wer etwas über ihn erfahren will, der muss seine Songtexte lesen.

Von Hannes Ross und Helge Hopp

Childhood, 1995, von dem Album "HiStory"


"Have You Seen My Childhood?"

Den Spaß. Die Abenteuer, das Albernsein. Die Freuden der Kindheit. Er hat sie alle nicht gehabt. Und er wird sie auch nicht mehr erlangen, so sehr er auch danach strebt. In "Childhood" besingt Michael Jackson, das in den frühen Ruhm geprügelte Wunderkind, sein Leben ohne jede Verfremdung, eins zu eins. Es ist alles drin, was man auch sehen kann: Die Piraten- und Peter-Pan-Phantastereien, die märchenhaften Uniformen der Bühnenshows, die verpassten Träume, die nie erlebten Abenteuer... und sogar das Gerede der anderen, die ihn alle, wirklich alle nicht verstehen können. Die ihn verrückt nennen, die lästern und verurteilen, die Herzlosen. Die "Wacko Jacko" erfunden haben. "It's my fate to compensate" - was für ein kleiner fieser Reim. Klingt so harmlos, aber dahinter steckt schon fast die ganze Tragödie seines Lebens. Ein Song wie ein langes, ein ewiges Jaulen. "Heul doch", würden die Zyniker zu diesen Zeilen sagen. Wenn es bloß nicht so verdammt wahr wäre!

Tabloid Junkie, 1995, aus dem Album "HiStory"


"You're a parasite in black and white / Do anything for news."

Ein Mann in Wut. Nach den ersten Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch 1993 und der dann einsetzenden "Hetzjagd" der Skandalpresse meint Jackson genau zu wissen, wovon er singt. Rächen will er sich, den Spieß umdrehen und den vermeintlichen Verleumdern, Lügnern und selbstgerechten Aufklärern zeigen, was sie anrichten. Dass bei diesem Feldzug wiederum nur recht wüste Propaganda herauskam, musikalisch wie geistig eher dürftig unterfüttert, verwundert kaum. Immerhin klingt auch Kritik am allzu leichtgläubigen Publikum an, den Junkies, die den Schlagzeilen-Dealern täglich ihre schlimme Ware abnehmen.

Billie Jean, 1982, aus dem Album "Thriller"


"People Always Told Me Be Careful Of What You Do / and Don't Go Around Breaking Young Girls' Hearts."

Hinter dem grandiosen Song "Billie Jean" verbirgt sich eine düstere Geschichte. 1981 erhielt Michael Jackson, der damals noch bei seinen Eltern wohnte, den Brief einer Stalkerin, die behauptete, sie habe Zwillinge von ihm zur Welt gebracht. Da derartige Briefe an der Tagesordnung waren, ignorierte Michael Jackson ihn zunächst. Als dann jedoch ein Paket mit einer Pistole und der Aufforderung zum Selbstmord folgte, damit man in einem anderen Leben zusammen sein könne, hörte der Spaß auf. Michael Jackson litt unter Alpträumen, bis die traurige Nachricht kam, dass die Stalkerin in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wurde.

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