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ROCKMUSIK: Das Album der Neunziger

Vor genau zehn Jahren erschien »Nevermind, das zweite Album der US-Band Nirvana, und veränderte die Musiklandschaft quasi über Nacht. Der Underground wurde auf einmal in den Mainstream integriert, und die Musik nannte man Grunge.

Am 24. September 1991 erschien ein Album, dessen Cover ein schwimmendes Baby hinter einer Dollarnote am Angelhaken zeigt. »Ein weiterer Test der Toleranz des Mainstreams für Alternative-Musik« hieß es im »Rolling Stone«, der das Album mit mittelmäßigen drei Sternen bewertete. Der »NME« schrieb von »einer der großen amerikanischen Alternative-Platten des Herbstes, von der man bis ins folgende Jahr etwas hören wird«. »Nevermind« von Nirvana wurde eines der wichtigsten Rockalben des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

»Here we are now, entertain us«

Die erste Single »Smells Like Teen Spirit« war ein Paukenschlag, eine zornige Hymne. »Here we are now, entertain us«, sang Kurt Cobain und traf damit ein Lebensgefühl der Zeit. Das einfach-geniale Gitarren-Intro wurde später viele Male kopiert. Dann der einprägsame Song »Come As You Are«, eine ermutigende Aufforderung; die akustisch-düsteren »Polly« und »Something In The Way«- letzteres sogar mit Cello, dazu das poppige »On A Plain«, das punkige »Territorial Pissings« - Songs, die Geschichte schrieben.

Nirvana wurden zu Wegbereitern des Grunge

Zwei Monate nach Veröffentlichung hatte »Nevermind« Platin. Das Album war aber nicht nur der kommerzielle Durchbruch für das Trio aus Seattle, es machte Nirvana auch zum Wegbereiter der Grunge-Welle und sorgte dafür, dass die Musiksender wie MTV harte Gitarrenmusik auch zur besten Sendezeit zeigten. Sänger und Gitarrist Cobain wurde mit seiner Wut, Verzweiflung und Zerbrechlichkeit zum Idol jener, die nicht zu den Siegern des Modernen Lebens gehörten.

»Nevermind« war das zweite Studioalbum von Nirvana. Der Vorgänger »Bleach« war deutlich härter und weniger melodiös. Für »Nevermind« wurde der Produzent Vig engagiert, der heute mit der Band Garbage auch als Musiker erfolgreich ist. Eine Spur des eingängigen Plastik-Indie-Pops von Garbage hört man auch auf »Nevermind«. Und darin lag ein triftiger Grund, warum das Album so massenkompatibel war. Der Nachfolger »In Utero« klang wieder deutlich kantiger, wenn auch das ausgeprägte Melodiegefühl nicht verloren ging. »Nevermind« war ein Album, das aus der Reihe fiel - auch in der musikalischen Geschichte Nirvanas.

Für Cobain war »Nevermind« zu poliert

Cobain hat »Nevermind« später als zu poliert abgetan und die Nähe zum Stadionrock beklagt. Vig hat das geärgert, wie er dem »Rolling Stone« erzählt: »Schließlich war die ganze Band begeistert, als die Platte im Kasten war.« Vig und Nirvana-Bassist Novoselic vermuten die Unvereinbarkeit von Cobains Selbstverständnis, Punk-Dogmen und kommerziellem Erfolg für die Äußerungen. »Wenn du mit deinen Punk-Freunden zusammensteckst und plötzlich auf Platz eins stehst, dann kannst du nicht sagen, ich liebe dieses Album, ich bin so begeistert, dass es sich 20 Millionen Mal verkauft hat«, erklärt Vig.

Drei Jahre nach »Nevermind« starb Cobain

Der »Rolling Stone« hat 1991 schon eine Ahnung gehabt von dem, was kommen sollte: »Zu oft verschwenden Underground-Bands ihr Feuer auf Platten, für die sie noch nicht reif sind, und verschleudern ihre Inspiration auf ausufernden Tourneen.« Knapp drei Jahre nach der Veröffentlichung von »Nevermind« erschoss sich Kurt Cobain mit einer Schrotflinte.

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