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Soundtrack: Madonnas Bond verliert nicht an Glanz

Madonnas Beitrag zur Bond-Legende folgt nicht mehr dem typischen Stil der bisherigen Titel mit aufwendigen Orchestereinsätzen, sondern klingt ganz einfach wie ein Madonna-Song.

Ohne Bond-Musik gibt es keinen Bond-Film. Nach 40 Dienstjahren gibt die weltberühmte Melodie auch im 20. Bond-Abenteuer »Stirb an einem anderen Tag« den Ton an. Beim zweiten musikalischen Markenzeichen der Bond-Saga, dem Titelsong, markiert der neue Film dagegen eine drastische Wende. Madonnas Beitrag zur Bond-Legende folgt nicht mehr dem typischen Stil der bisherigen Titel mit aufwendigen Orchestereinsätzen, sondern klingt ganz einfach wie ein normaler Madonna-Song.

Stilprägendes Orginal

Das Original des James-Bond-Themas ist eine Minute und 45 Sekunden lang. Das kurze Stück lieferte aber nicht nur die Grundlage für Stunden und Stunden von Bond-Filmmusik, sondern prägte auch nachhaltig den musikalischen Stil der 60er Jahre - galt dann aber mit der Zeit auch als antiquiert. Der Brite David Arnold, der in »Stirb an einem anderen Tag« zum dritten Mal in Folge die Bond-Filmmusik schreiben durfte, ließ die unverwechselbare Melodie durch eine radikale Verjüngungskur in neuem Glanz erstrahlen.

Harte, schnelle Beats hetzen in Arnolds Soundtracks ein großes Orchester in rasantem Tempo durch die zahlreichen Verfolgungsjagden. »Ich wollte, dass die Musik modern und klassisch zugleich klingt«, erklärte der 40-Jährige, der sich mit der Musik zu Roland Emmerichs Kassenschlagern »Stargate« und »Independence Day« einen Namen machte. Für den behutsamen Umgang mit dem klassischen Thema lobte ihn auch John Barry, der den Bond-Musikstil mit elf Soundtracks und vielen Titelsongs entscheidend geprägt hatte.

Der Konkurrenz-Druck ist in diesem Jahr stark: In diesem Herbst tritt mit dem Film »XXX - Triple X« ein Geheimagent der neuen, jungen Generation gegen den Platzhirsch Bond an - mit einem vor allem junge Leute ansprechenden harten Rock-Soundtrack. Der Angreifer mit Jungstar Vin Diesel in der Hauptrolle spielte weltweit bereits 250 Millionen Dollar ein und lockte allein in Deutschland 1,8 Millionen Besucher an.

Komponist Monty Norman

Dem Bond-Thema war eigentlich ein anderes Schicksal bestimmt. Der britische Komponist Monty Norman schrieb Jahre vor dem allerersten Bond-Film an einem Musical nach dem Buch »Ein Haus für Mr. Biswas« von V.S. Naipaul, der im vergangenen Jahr den Literatur-Nobelpreis erhielt. Schließlich gab er das Projekt auf, holte aber eine der Melodien aus der Versenkung, als er 1962 als Komponist für »Dr. No« verpflichtet wurde. John Barry lieferte für nur 250 Pfund die unverwechselbare Orchestrierung - ein Klassiker war geboren.

Da Norman später nie wieder einen derart großen Coup landete und Barry der wichtigste Bond-Komponist wurde, kursierten immer wieder Gerüchte, Barry habe in Wirklichkeit die Musik geschrieben und die Rechte an Norman verkauft. Norman klagte immer wieder gegen solche Medienberichte und Behauptungen und gewann stets.

Superstars wie Louis Armstrong, Paul McCartney oder Tina Turner

Madonna tritt mit ihrem Song in die Fußstapfen von Superstars wie Louis Armstrong, Paul McCartney oder Tina Turner. Der Titelsong gehört genauso fest zur Bond-Legende wie die kunstvoll arrangierten Auftakt-Titel, zu denen er läuft. Auch Rock- und Pop-Bands wie Duran Duran, a-ha oder Garbage verzichteten dabei bei ihren Versuchen nie auf den unverkennbaren, großatmigen Bond-Stil. Madonna bricht dagegen wieder einmal alle Regeln: Bei ihr erinnert zwischen dem harten elektronischen Sound nur eine fragmentierte Streicher-Linie an den polierten Glanz der alten Bond-Songs.

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