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Wirbel um "Xscape"-Leak Echt Michael Jackson, aber garantiert nicht neu


Für einen Moment spielte die Musikwelt verrückt: War tatsächlich neues Musikmaterial vom "King of Pop" Michael Jackson aufgetaucht? Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße.

Tote, die ein neues Album herausbringen - das überrascht heute niemanden mehr. Jimi Hendrix, Falco, Roy Black - ganz egal in welchem Musikgenre man schaut, selten lassen sich die Produzenten die Gelegenheit entgehen, aus uralten, eigentlich für die Tonne gedachten Aufnahmen ein neues, posthum veröffentlichetes Album zusammenzuschustern.

Und doch war der Wirbel diese Woche immens, als plötzlich ein Song vom verstorbenen "King of Pop" Michael Jackson im Netz auftauchte. Angeblich handelte es sich um neues, nie gehörtes Material. Um den Titelsong, der Mitte Mai auf Jacksons zweiter, posthum veröffentlichter Platte "Xscape" zu hören sein soll. Renommierte US-Musikblogs schrieben als erste davon, dann setzte der bekannte Schneeballeffekt ein: "Buzzfeed" und "Vulture" schrieben darüber, kurze Zeit später griffen auch Mainstreammedien wie "MTV News" oder der "Guardian" das Thema auf.

Altes Material wird auf neu getrimmt

Erst Forrest Wickman vom "Slate Magazine" schaute etwas genauer hin. Und musste feststellen: Bei der "Xscape"-Version, die in dieser Woche die Runde machte, handelt es sich weder um ein neues Lied, noch um einen endgültigen Track von "Xscape". Stattdessen lässt sich die (unfertige) Aufnahme, die während der Produktion zu Jacksons 2001er-Album "Invincible" entstand, bereits seit Jahren im Netz anhören - sie wurde bereits 2002 geleaked. Als Beweis führt Wickman ein vier Jahre altes Youtube-Video an, das ein Michael-Jackson-Double zeigt, der zu eben diesem Lied tanzt.

Ein Anruf beim zuständigen Label, Epic Records, bestätigte den Verdacht. Die Version stamme nicht von dem neuen Album, stellte eine Repräsentantin fest, und klinge auch nicht so. Echte Michael-Jackson-Fans müssen sich also noch eine Weile gedulden, bis sie das finale Arragement von "Xscape" zu hören bekommen. Oder sie genießen einfach den rauhen Charme, den diese unfertige Version bietet - ohne all diesen anbiedernden Moderniesierungs-Schnickschnack, mit dem die Produzenten den "King of Pop" mit heutigen Hörgewohnheiten kompatibel machen wollen.

jwi

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