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TV-Tipps 15.12. "Die Reifeprüfung": Booty Call von Mrs. Robinson

Ältere, verheiratete Frau verführt jungen Milchbubi. Mit dieser Kombination brach Mike Nichols 1967 gleich mehrere Hollywood-Tabus - und schuf einen zeitlosen Klassiker.

In einem Hotel treffen sich Ben (Dustin Hoffman) und Mrs. Robinson (Anne Bancroft) zu einem Schäferstündchen.

In einem Hotel treffen sich Ben (Dustin Hoffman) und Mrs. Robinson (Anne Bancroft) zu einem Schäferstündchen.

"Sex mit Ihrer Frau war wie Handschütteln!" - Ben zu Mr. Robinson

"Die Reifeprüfung "
13:55 Uhr, Arte

DRAMA "Ich finde, dass Sie von allen Freundinnen meiner Eltern die attraktivste sind." Autsch. Komplimente und Einfühlsamkeit sind wirklich nicht die Stärke von Ben Braddock (Dustin Hoffman). Aber schließlich ist der Bengel erst 20 - und vom Leben weiß er noch nicht viel. Auftritt Mrs. Robinson (Anne Bancroft), eine gute Freundin von Bens Eltern. Die weiß nämlich alles - und lässt Ben spüren, dass er wahrlich kein Kind mehr ist.

1967 drehte Mike Nichols "Die Reifeprüfung" und brach damit gleich mehrere Tabus: Eine ältere, verheiratete Dame entjungfert einen viel jüngeren, gerade erst dem Teenie-Alter erwachsenen Mann, hält ihn sich als Toyboy und wird schließlich gar zur Rivalin der eigenen Tochter.

Ein knappes halbes Jahrhundert nach der Kinopremiere weiß "The Graduate" noch immer, wie er die Knöpfe seiner Zuschauer zu drücken hat - vor allem, weil der Streifen Geschlechterklischees auf den Kopf stellt, die noch immer in unseren Köpfen Bestand haben. Reden - das möchte nur er. Mrs. Robinson will lieber vögeln. Und als beide in einer der entlarvensten Szenen des Films dann doch einmal ein Bettgespräch beginnen, möchte man sich vor Fremdscham am liebsten die Ohren zuhalten.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern. Wer mag, kann ihm hier auf Facebook oder auf Twitter folgen

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo