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Die große Ahnungslosigkeit: Jauch und die Banken: Nichts wissen macht nichts …

Die Eurokrise scheint vorerst überstanden, nehmen wir uns nun also mal die undurchschaubaren Finanzmärkte vor, hatte sich Günther Jauch offenbar gedacht und für seine Talkunde die "bösen" Banken als Thema gewählt. Dumm nur, dass der Moderator selbst von den Zusammenhängen kaum Ahnung hatte.

Von Christoph Forsthoff

Am Ende entspannten sich seine Gesichtszüge dann doch noch. Als Günther Jauch nämlich Hilmar Kopper die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage vortrug, laut der der Beruf des Bankers im Ansehen der Deutschen auf dem vorletzten Platz rangiere - und als Trost für den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank schmunzelnd anfügte, das (oder der?) allerletzte sei indes der Fernsehmoderator. Galgenhumor - oder doch eher ein Lachen aus Verzweiflung angesichts einer eben durchlebten Sendung, die mehr als deutlich vor Augen geführt hatte, warum die Spezies der TV-Quassler mittlerweile ganz unten gelandet ist.

Natürlich kann und muss solch ein Talkshow-Conferencier nicht alles wissen - mehr als eine blasse Ahnung sollte er indes schon haben, zumal wenn das Thema "Die Banken an die Leine!" verknüpft ist mit der lösungsorientierten Frage "Wie bekommen wir die Finanzmärkte in den Griff?" Jauch indes hatte schon Mühe mit einer klaren Definition des Begriffs "Investmentbanker", benutzte diesen einfach für das Böse schlechthin. Da half es auch nichts, dass ihm Kopper die historische Herkunft des Wortes darlegte und darüber aufklärte, dass alle deutschen Geldinstitute heute Universalbanken seien. Nein, das hätte ja das schöne, so wunderbar fernsehtaugliche Schwarz-Weiß-Bild von den bösen Investmentbanken und den guten Sparkassen zerstört.

"Von welcher Krise reden wir jetzt?"

Noch peinlicher wurde es dann, als der Begriff Derivate ins Spiel kam: Teufelszeug, das Europa an den Abgrund führe, seien diese Wettgeschäfte, die am Ende noch die ganze Welt ins Verderben stürzen würden - womit Jauch nur noch nachdrücklicher sein bestenfalls oberflächliches Wissen unterstrich. Jedes Geschäft sei letzten Endes eine Wette, gab ihm Kopper erneut kostenlosen Nachhilfeunterricht, doch "Sie müssen nicht immer glauben, dass jedes Geschäft auch mit Zocken zu tun hat".

Dass dann ausgerechnet der pensionierte Banker auch noch für Klarheit in der Diskussion sorgen musste - "Von welcher Krise reden wir jetzt?" Jauch selbst war offenbar die Unterscheidung zwischen der Bankenkrise von 2008 und der aktuellen Eurokrise nicht wirklich bewusst - war eigentlich eine Bankrotterklärung für den Diskussionsleiter. "Sechs, setzen", hätte es da in der Schule geheißen, doch im Fernsehen ist das kein Grund zum Schweigen, stattdessen lieferte er uns unverdrossen weitere Beispiele für den alten Kalauer "Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts".

"Einfaches Beispiel, das ich auch verstehe"

Jauch hatte sogar die Chuzpe, seinen Studiogast Wieslaw Jurczenko vermeintlich witzig aufzufordern, die undurchsichtigen Geldgeschäfte auf den internationalen Finanzmärkten doch einmal zu skizzieren anhand eines "einfachen Beispiels, das ich auch verstehe". Was der ehemalige Investmentbanker der Schweizer Großbank UBS denn auch tat und mit einigen wenigen Strichen das Funktionsprinzip der Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen erklärte sowie das Problem des entsprechenden Graumarktes. Allein, Jauch hatte es offenbar nicht so recht begriffen und schloss die Frage an, ob hier denn eine Finanztransaktionssteuer helfen könnte? Dass ausgerechnet Sahra Wagenknecht ihn aufklärte, solch eine Steuer habe bestenfalls dämpfende Wirkung auf Spekulationen, könne aber eine Regulierung der Finanzmärkte nicht ersetzen, sprach Bände, denn ansonsten hatte die stellvertretende Linke-Parteivorsitzende wenig Erhellendes zur Diskussion beigetragen.

Ach ja, die Talkgäste und ihre Beiträge zu diesem Abend: FDP-Fraktionsvorsitzender Rainer Brüderle forderte eine Schuldenbremse für die europäischen Staaten, der stellvertretende Grünenchef Jürgen Trittin im Einklang mit Kopper endlich eine gesetzliche Regulierung für bestimmte Bankgeschäfte. Nichts wirklich Neues - aber immerhin haben wir gelernt, warum Fernsehmoderatoren keinerlei Ansehen in der Bevölkerung genießen.

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