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"DSDS": Arschwackeln geht immer

Gangsta Rapper, Saarland-Cowboy oder Mr. Blue Eyes - wer es bei den DSDS-Castings zu etwas bringen möchte, braucht eine persönliche Note, eine eigene Strategie. Eine 16-jährige Gymnasiastin probierte es mit einer alten Weisheit.

Von Björn Erichsen

Der schöne Bartolo macht auf Bunny-Checker, Michael schaut vorher noch beim Wahrsager vorbei, und Julian gönnt sich für das Casting sogar einen Künstlernamen: "Nennt mich William III.", teilte er der verduzten Jury in der Sendung am Mittwochabend mit. Na klar: Wer bei DSDS was werden will, muss sich was einfallen lassen. Irgendwas. Ein Image, eine Geschichte, ein lustiges Accessoire, Hauptsache auffallen. Eine Garantie für das Weiterkommen ist das natürlich noch lange nicht: Jurorin Nina Eichinger gähnte nur bei Bartolos schwülstigen Avancen, auch Michaels Orakel lag meilenweit daneben. Und William III. weiß nun, dass seine Stimme klingt wie ein Darmverschluss.

Mehr Erfolg hatte dagegen die 16-jährige Valeria. Die Gymnasiastin probierte es mit einem Klassiker: "Ich werde nicht wirklich tanzen, aber so ein bisschen mit dem Arsch wackeln, das geht immer", so ihre Casting-Strategie. Möglich, dass der Tipp von ihrer Schwester kommt. Die heißt Fausta und hatte es im letzten Jahr unter die Top 15 bei DSDS geschafft. Diesmal wackelte sich Valeria beherzt in die nächste Runde: Zu Tom Jones’ "Sex Bomb" ließ sie die vollschlanken Hüften heftigst kreisen und verlor auf ihren Stiletto kein einziges Mal das Gleichgewicht. Bohlen lobte anschließend ihre mutige Performance: "Du bewegst dich – zwar nicht gut – aber du bewegst dich."

Letztlich entscheidet nur Bohlen

Das Markenzeichen von Dirk, ein alter Cowboy-Hut, den er mal für fünf Euro von einem Kumpel bekommen hat, dient angeblich rein praktischen Zwecken: "Den Hut trage ich nur bei Auftritten. Er gibt mir Sicherheit, und ich kann mich darunter verstecken", erzählte der kauzige Saarländer mit Zottelhaar und Western-Gitarre freimütig und fing sich dafür ein kollektives Jury-Augenrollen ein. Ob nun trotz oder wegen des altes Hutes: Dirk legte das Comeback des Abends hin. Er sang Jeff Buckleys "Halleluja", gar nicht mal schlecht, aber eben derart eigenwillig, dass Eichinger und Volker Neumüller tatsächlich mal gemeinsam gegen Bohlen stimmten. Damit wäre Dirk raus gewesen.

Doch bei DSDS ist es eben nicht ganz so wichtig, was die Leute neben Bohlen den Tag über so denken. "Der Junge kann unterhalten", sprach der Chef-Juror ein Machtwort und ließ Dirk, den Mann mit dem Hut, wieder ins Studio holen. Er sang ausgerechnet "Baby One More Time" von Stehauf-Blondine Britney Spears, und sogleich änderte Neumüller seine Meinung. Bumms, da hatte Bohlen sich mal wieder durchgesetzt. Allerdings: Die Szene wirkte doch reichlich inszeniert - bei RTL weiß man ja nie. Vielleicht will Bohlen hinterher, sollte Dirk ein Star werden, einfach nur wieder einmal erzählen können, dass er es ja schon von Anfang wusste.

"Checker vom Neckar" mit zwei Aufpassern

Immer wieder ein sicheres Ticket in den Recall sind neben dem Arschwackeln noch "blaue Kulleraugen". So wie bei Lisa, süße 16, die sich ihr Lippenbändchen-Piercing selbst gestochen hat. Oder aber die "tiefblauen Augen" von Marcel, einem Martin-Stosch-Lookalike, den Bohlen - und sicher auch eine fünfstellige Zahl von Teenie-Mädels - "hypersympathisch" findet. Keine Chance dagegen für den Gangsta Rapper: Dauerbewerber Cosimo, der "Checker vom Neckar", durfte mal wieder zum Pöbeln vorbei kommen und nahm allen Ernstes zwei breitschultrige Jungs mit auf die Bühne. "Die passen hier auf, es gibt ja so Menschen, die handgreiflich werden", stellte er auf Nachfrage klar. Auch eine Art, bei DSDS aufzufallen.

Der Abgang von Cosimo war der krawallige Höhepunkt der Sendung. Am Samstag steht noch eine letzte Casting-Folge aus, danach wird das Selbstmarketing der Kandidaten im Recall auf eine neue Stufe gehoben. Für Teilnehmer in spe, die derzeit vielleicht noch Grübeln, mit welcher ganz persönlichen Note sie demnächst beim DSDS-Casting auffallen, war die Sendung vom Mittwochabend durchaus lehrreich: Wer baggert, stänkert oder sich William III. nennt, hat keine Chance. Ein lustiger Hut dagegen hilft beim Weiterkommen, genau wie blaue Kontaktlinsen - falls nötig. Na ja, und Arschwackeln natürlich, aber das überrascht wohl niemanden.