Vor 50 Jahren, am 23. April 1976, wurde im Zentrum Ost-Berlins, gleich neben dem Berliner Dom, der damals moderne Palast der Republik, bald auch spöttisch "Erichs Lampenladen" genannt, eröffnet. Der "Volkspalast" bot nicht nur Platz für die Volkskammer der DDR, sondern auch für Konzertsäle, Bühnen, eine Disko sowie eine Kegelbahn. Fast 10.000 Besucher gingen täglich aus und ein, es gab Radeberger Bier, Elbtalweine aus Meißen und sogar einen "Cocktail Manhattan", wie der mehrfach preisgekürte Regisseur Lutz Pehnert eruierte. Die "ZDF History"-Reportage "Palast der Republik Honeckers Traum aus Marmor und Asbest" wagt mit Besuchern von damals einen Rückblick, der zu Zeiten einer noch immer nicht abgeklungenen Debatte über den Abriss von 2006 nicht ganz einfach ist.
Musste der Abriss sein? Hätte man nach der Sanierung, die ab 1990 wegen der einst verbauten 5.000 Tonnen Asbest für Brandschutz und Mörtel unumgänglich war, das Gebäude in seinen Grundstrukturen erhalten können? Geschichtsvergessenheit wurde dem Bundestag nach seinem Abrissbeschluss 2002 vorgeworfen. Als Kulturdenkmal und neu zu belebendes Kulturzentrum in der Mitte Berlins hätte man die Überreste des einstigen DDR-Vorzeigebaus erhalten müssen, so das Argument. Der Abriss sei beispielhaft für den Umgang mit dem Ende der DDR.
Doch in der Erinnerung bleibt vom "Palazzo Prozzo" (Wolf Biermann) nicht nur in Archivaufnahmen viel erhalten. Unter anderem erinnern sich DDR-Star Frank Schöbel, die Sängerin und Moderatorin Elke Bitterhof und der Linken-Politiker Gregor Gysi an die Zeiten im Volkspalast.
ARD History: Palast der Republik Honeckers Traum aus Marmor und Asbest – Mo. 20.04. – ARD: 23.50 Uhr