HOME

Fiasko bei Pilawas "Rette die Million!": Sieben Stunden im Kölner Kessel

Die Quoten waren spitze, die Bedingungen im Studio dagegen eine Katastrophe: Das Publikum von Jörg Pilawas ZDF-Show "Rette die Million!" musste stundenlang ausharren - ohne Wasser zu erhalten oder auf die Toilette gehen zu können.

Von Julia Mäurer

Von "Geburtswehen" und "kleinen Pannen" sprach ZDF-Moderator Jörg Pilawa nach der ersten Folge seiner neuen Show "Rette die Million!". Tatsächlich wurde die Aufzeichnung in einem Kölner Studio für die rund 350 Besucher zum Martyrium. Sieben Stunden mussten sie auf den Rängen ausharren - ohne Wasser zu erhalten oder auf die Toilette gehen zu können. Das berichteten Gäste der Pilawa-Show der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). Nach fünfeinhalb Stunden soll ein kompletter Zuschauerblock schließlich wütend das Studio verlassen haben.

"Danach haben die Mitarbeiter der Produktionsfirma Endemol regelrecht gebettelt, dass der Rest im Studio bleibt und die Aufzeichnung nicht frühzeitig verlässt", sagte Zuschauerin Doris Helbig dem WAZ-Internetportal "derwesten.de". Vor der Tür postierte Sicherheitsleute hätten verhindert, dass weitere Menschen aus dem Saal strömten. Das führte angeblich zu empörten Ausrufen: "Das ist Freiheitsberaubung!". Selbst als die Aufzeichnung beendet war und die letzten Kandidaten mit ihrem Geld die Bühne verlassen hatten, mussten die Zuschauer sitzenbleiben. Erst wurden die Einnahmen gezählt, dann die Türen geöffnet.

"Es tut mir extrem leid"

"Wir bedauern, dass die Aufzeichnung von 'Rette die Million!' länger gedauert hat als geplant", lautet das offizielle Statement der Produktionsfirma Endemol. Anlaufschwierigkeiten bei der ersten Sendung sowie vielfältige Sicherheitsauflagen, die man dem Versicherungsunternehmen des Gewinns habe garantieren müssen, seien der Grund für die Verzögerungen gewesen. Bei der Quizshow war ein siebenstelliger Bargeldbetrag im Spiel. Ein ZDF-Sprecher erklärte die Verzögerungen mit mehreren Umbauphasen, die die Sendung in die Länge gezogen hätten. Pilawa selbst tut es "extrem leid." Der Moderator war selbst konfus: "Zum Teil wusste ich nicht, was da genau passierte"

Für die nächste Sendung am 10. November wollen Pilawa und Endemol die Abläufe nun "komplett neu gestalten". "So etwas wird nie wieder passieren", verspricht der Moderator. Was genau verändert werden soll, ist noch nicht entschieden. "Unser größtes Bestreben ist es aber, ein gut gelauntes Publikum um Studio sitzen zu haben", sagt ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner. "Wir werden für die Aufzeichnung der nächsten Show die Abläufe in Absprache mit der Versicherung neu gestalten und optimieren", heißt es bei Endemol.

Die langwierige Aufzeichnung war nicht die einzige Panne bei der Pilawa-Premiere. Die Quizfrage zur Bedeutung der Kurzwahl 124 124 legte stundenlang die Seenotleitung in Bremen lahm. Eine reibungslose Abwicklung von Notfällen sei während dieser Zeit nicht mehr gewährleistet gewesen. Es sei "nicht auszudenken", was passiert wäre, wenn sich in dieser Zeit ein Unfall auf See ereignet hätte, wetterte die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Pilawa hatte zwar appelliert, die Telefonnummer nicht anzurufen. Hunderte neugierige Fernsehzuschauer ignorierten jedoch den Hinweis und wählten die Nummer des Seenotrufs. Das ZDF versprach, künftig aus Sicherheitsgründen auf derartige Quizfragen zu verzichten.