Gerade erst schafften es die Finnen zum neunten Mal in Folge auf Platz eins im Ranking der glücklichsten Völker der Welt. Kennt man sie in erster Linie durch Filme wie die des Regisseurs Aki Kaurismäki, bekommt man allerdings einen anderen Eindruck von ihnen, werden sie doch häufig als stoische, wortkarge Menschen in melancholischen, oft tragischen Geschichten gezeichnet, die aber doch mit leisem, schwarzem und skurrilem Humor versetzt sind.
Das trifft auch auf die deutsch-finnische Tragikomödie "Grump – Auf der Suche nach dem Escort" zu, die am Freitagabend bei ARTE erstausgestrahlt wird. Regie führte Mika Kaurismäki, Akis älterer Bruder. Im Film selbst, der Adaption einer Buchreihe des Autors und Comiczeichners Tuomas Kyrö, von dem auch das Drehbuch stammt (mit Daniela Hakulinen), steht ebenfalls ein Brüderpaar im Zentrum. Warum man den Protagonisten (Heikki Kinnunen) nicht, wie in der deutschen Roman-Übersetzung, "Der Griesgram" nennt, sondern englisch "Grump", wird nicht erklärt, er bleibt ohnehin namenlos.
Und es gibt doch etwas, das ihm ein Lächeln auf die Lippen zaubert: sein roter 1972er-Ford Escort – die Zweideutigkeit des Namens ist natürlich Absicht und wird noch für witzige Missverständnisse sorgen. Weil die Söhne des Alten, Pekka (Ville Tiihonen) und Hassu (Iikka Forss), den Wagen nach einem Unfall einfach verschrotten lassen, kündigt der Vater ihnen erbost die Verwandtschaft auf und sucht sich im Internet einen neuen Ford Escort. Dass er in Deutschland steht, ist kein Hindernis. Auch wenn dem Griesgram am Flughafen erst einmal die Dosensuppe samt Metalllöffel aus den Hosentaschen gefischt wird.
Das glücklichste Volk der Welt?
Kaum in Hamburg angekommen, landet der fast schon karikaturhaft schräge Alte mit der Fellmütze auf dem Kopf zuerst unfreiwillig in einem einschlägigen Etablissement und anschließend am Hafen, wo er niedergeschlagen und ausgeraubt wird. Im Krankenhaus wird er von seinem nicht minder alt gewordenen Bruder Tarmo (Kari Väänänen) empfangen, den er seit vielen Jahrzehnten nicht gesehen hat. Eines Tages hatte er sich ohne Vorwarnung einfach abgesetzt. Das unerwartete Wiedersehen markiert den Beginn einer berührenden Geschichte über Familie und Lebensträume, ergriffene und vertane Chancen, über Verletzungen und Vergebung.
Tarmo lebt in einem Wohnmobil, seine Frau und Tochter Maria (Rosalie Thomass) ließ er vor langer Zeit sitzen wie zuvor seinen Bruder. Auf einem Campingplatz, auf dem auch der finnische Musiker Otto (Publikumsliebling Samu Haber) zeitweise lebt, hat Tarmo eine Art Familie gefunden. Ist er glücklich? Nicht wirklich.
Während die beiden alten Brüder sich auf dem Weg zum Escort mit ihrer Vergangenheit und ihrer Beziehung auseinandersetzen, nähern sich zu Hause in Finnland auch die Söhne des Griesgrams an und arbeiten die Beziehung zu ihrem nicht eben liebevollen Vater auf. Mika Kaurismäki schafft zwischen den alten Männern und ihren Kindern lakonische, bittersüße, schöne, lustige und sentimentale, doch niemals kitschige menschliche Momente, unterlegt von der wunderbar melancholischen Musik Anssi Tikanmäkis.
Warum die Finnen das glücklichste Volk der Welt sind, beantwortet auch dieser Film nicht. Glücksmomente, kleine und auch große, schenkt er seinen Figuren aber doch. Eine Geschichte mit und fürs Herz in oft herzlosen Zeiten.
"Grump – Auf der Suche nach dem Escort" – Fr. 24.04. – ARTE: 20.15 Uhr