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Serien-Tipps: Guckbefehl: "Orange is the New Black"

Sie brauchen Serien-Nachschub für den Urlaub? Die Gefängnis-Serie "Orange is the New Black" müssen Sie sehen. Sex in der Knastkirche und der fieseste Schnurrbart überhaupt inklusive.

Von Sarah Stendel

Piper Chapman (Taylor Schilling) muss sich als neuer Häftling im Gefängnis behaupten.

Piper Chapman (Taylor Schilling) muss sich als neuer Häftling im Gefängnis behaupten.

Worum geht’s?
Die Unternehmerin Piper Chapman (Taylor Schilling) hat sich gerade mit ihrem Freund (Jason Biggs) verlobt und genießt ihr gutbürgerlich-situiertes Leben, als ihre Vergangenheit sie einholt: Sie muss eine einjährige Haftstrafe in einem Frauengefängnis antreten. Vor zehn Jahren war Piper in einer lesbischen Beziehung und ließ sich von ihrer Freundin (Laura Prepon) in Drogenschmuggel-Geschäfte verwickeln. Der damalige Ausrutscher stellt nun ihr Leben auf den Kopf: Im Gefängnis trifft sie auf kriminelle Frauen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, darunter ausgerechnet auch auf ihre Exfreundin, die sie verraten hat. Piper muss besser schnell lernen, sich dort zu behaupten.

Und auf der Meta-Ebene?


Was passiert, wenn ein eigentlich gesetzestreuer Mensch in den Knast geworfen wird? "Orange is the New Black" rüttelt an der Weltanschauung der privilegierten Piper, die unweigerlich immer mehr in den Sog der irren Gefängnis-Welt gerät. Und die hat ihre eigenen Regeln: die Jagd auf ein imaginäres Huhn ist eröffnet, es gibt Bestechungsversuche, Unterdrückung durch machtgeile Wärter und Sex in der Knastkirche. In Rückblenden werden außerdem die Schicksale von Pipers Mithäftlingen erzählt - jedes einzelne fast ein eigener kleiner Krimi. Machtsysteme, soziale Ungerechtigkeit, Abhängigkeiten, Gruppendynamiken, Homosexualität sind die Themen, die dabei zur Sprache kommen.

Warum muss ich das gucken?
Wer endlich einmal authentische weibliche Hauptrollen jeder Hautfarbe und Herkunft sehen will, ist hier richtig. Schöngeredet wird nichts: Es ist erschreckend, wie verrückt und willkürlich ungerecht es im Frauenknast zugeht. Die dunkle Comedy hat auch nichts mit der oberflächlichen RTL-Serie "Hinter Gittern" zu tun. Denn die Story basiert auf einer wahren Geschichte. Als Zuschauer fühlt man erst ganz klassisch mit Piper mit und schließt nach und nach fast alle kriminellen Damen ins Herz. "Ich bin noch keine zwei Wochen hier und wurde schon ausgehungert, begrapscht, geärgert, verfolgt, bedroht und Taylor Swift genannt," beschwert sich Piper zu Beginn ernsthaft, ohne zu merken, dass den meisten Anderen um sie herum weitaus Schlimmeres im Leben widerfahren ist. Witzig ist es trotzdem und das ist eine weitere Stärke: "Orange is the New Black" kann nicht nur Gesellschaftskritik und Beklemmung, sondern ist oft richtig lustig.

Wer hat’s erfunden?


Die Serie basiert auf dem biografischen Roman der Amerikanerin Piper Kerman. Der Video-on-Demand-Dienst Netflix hat sich die Rechte an ihrer Geschichte geschnappt und damit nach "House of Cards" seine zweite Eigenproduktion gestemmt. Kenji Kohan hat das Drehbuch geschrieben. Sie hat auch die Serie "Weeds" erschaffen, in der - lange vor "Breaking Bad" - eine Familie in Drogengeschäfte abrutschte.

Bis wann lohnt sich das Gucken?
Am besten alles in Marathon-Durchgängen schauen - genau dafür veröffentlicht Netflix ja alle Folgen auf einmal.

Für wen ist die Serie geeignet?


Für alle, die auf anspruchsvolle Serien und schwarzen Humor stehen und Lust auf vielschichtige, spannende und hauptsächlich weibliche Charaktere haben.

Und sonst?


Schon allein für den Schnurrbart von Gefängniswärter Mendez, genannt "Pornstache" lohnt sich das Einschalten. Wie fies ist der denn?!

Wie kann ich die Serie gucken?


Auf Netflix Deutschland gibt es beide Staffel. Die erste Staffel gibt es auch auf DVD.

Wie lange dauert’s?


Die zwei Staffeln haben jeweils dreizehn Folgen, die zwischen 51 und 60 Minuten lang sind.

Weitere Tipps für Serien-Fans gibt's hier: Guckbefehl!

Sie können der Autorin hier auf Twitter folgen: @sarah_stendel.

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