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Günther Jauchs Talkshow-Debüt "Ein journalistischer Höhepunkt war es sicher nicht"


"Lustlos", "kein Höhepunkt", "das Schlimmste vermieden": Die meisten Rezensenten zeigten sich wenig angetan von Günther Jauchs Talkshow-Debüt. Es gab aber auch eine geradezu euphorische Stimme.

Dolle war's nicht. Das ist der Tenor der Besprechungen von Günther Jauchs Talkshow-Premiere im Ersten, die auch auf stern.de negativ bewertet worden war. "Ein journalistischer Höhepunkt war es sicher nicht", schreibt beispielsweise "Spiegel-Online". "Aus 'Stern TV' hat Jauch die Unsitte mitgebracht, Betroffene erst in einem Film zu Wort kommen zu lassen und sie unmittelbar danach im direkten Gespräch noch einmal zu denselben Themen zu befragen. Die Redundanzen kosten Zeit, in der sich ein Thema sonst vertiefen oder erweitern ließe, aber diese Dopplung scheint sich positiv auf die Quote auszuwirken."

Vernichtender ist die Kritik bei "sueddeutsche.de": "Was also mag Jauch bewogen haben, ausgerechnet an seinem ersten Abend in der ARD so lustlos zu wirken?", schreibt die Rezensentin. "Für Jauchs erste Sendung war das ein erstaunlich schwacher Auftritt."

Es hätte schlimmer kommen können

Eher ernüchtert auch die Tendenz bei "faz.net": "Es ist keine Revolution, kann keine sein und daher muss Jauch die Heilserwartungen - welche die ARD-Chefetage mitgeschürt hat - enttäuschen. (...) Alle Fragen offen, aber wenigstens wurde das Schlimmste vermieden." Immerhin kann der Rezensent der Sendung auch positive Seiten abgewinnen: "Es war keine Brüllerei, keine Kakophonie, niemand beschwor der Kampf der Kulturen und der Weltreligionen. Da haben wir im Talkshowfernsehen schon anderes erlebt."

"Tagesspiegel.de" kritisiert den Mangel an aktiven Politikern in der Runde und macht sich sorgen um die politische Kultur: "Nach der Premiere ist die Zukunft dieser laut Ankündigung 'politischen Gesprächssendung' schwer vorherzusagen. Aber ist die Entpolitisierung, genauer: die Entpersonalisierung von Politik ein Projekt mit Zukunft? Sind die Volksvertreter so ein Affront für das Fernsehvolk, ein Ausschaltimpuls, der Ruin der groß gedachten Einschaltquote? Erstaunlicher Vorgang in einem Studio, dessen Ambiente dem Bundestag nachempfunden ist."

"Die Sendung wirkte, als liefe sie seit Jahren"

Die Onlineausgabe der "Frankfurter Rundschau" beschreibt die Sendung so: "Ein präzise vorbereiteter Moderator, mehrere Gäste und mindestens so viele Einspielfilme, die gerade anlaufende Gespräche stoppen und zum nächsten Aspekt führen", und schließt mit dem vergifteten Lob: "Die Sendung wirkte, als liefe sie seit Jahren."

Einzig "Welt-Online" schert aus dem Kreise der kritischen Stimmen aus und zeigt sich von Jauchs Debüt regelrecht begeistert: "Doch Günther Jauch hat, wie man so sagt, alles richtig gemacht: Sein fiebrig erwarteter Einstand als Sonntagsmoderator war eine würdige, ernsthafte und vernünftige Diskussion zu den Gefahren durch den Islamismus und zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr."

Doch so positiv wird nicht einmal Jauch selbst seine Sendung gesehen haben. Sein Fazit nach der von 5,1 Millionen Zuschauern verfolgten Premiere: "Ich kann Ihnen versprechen, dass wir noch bessere Sendungen machen können, dass wir aber auch noch deutlich schlechtere machen werden."

Carsten Heidböhmer

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