Mexiko: WM im Schatten der Kartelle
Krise, Gewalt, Drogenmafia: Wie sicher ist die Fußball-WM in Mexiko?

  • von Maximilian Haase
Kann bei der Fußballweltmeisterschaft im Gastgeberland Mexiko für die Sicherheit der Fans garantiert werden?
Kann bei der Fußballweltmeisterschaft im Gastgeberland Mexiko für die Sicherheit der Fans garantiert werden?
© SWR/Michael Stocks

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Während bei der WM die große Fußballparty ansteht, sorgen sich viele um die Sicherheit der Fans: Vor allem in Mexiko gilt das Großssportereignis angesichts des organisierten Verbrechens als Risiko. Wie sicher ist das Land für WM-Besucher – und was befürchtet die Bevölkerung? Eine ARD-Doku hakt nach.

Wenn bald in gleich drei Ländern die Fußballweltmeisterschaft steigt, sind die Bedenken im Vorfeld so groß wie sonst selten beim größten globalen Sportevent: Während die USA aufgrund von Trumps Politik mit einer möglichen Zuschauerflaute rechnen müssen, gilt die WM in Mexiko als Hochsicherheitsereignis. Angesichts der Drogenkartelle und des überall präsenten organisierten Verbrechens stellt sich die Frage, wie es um die Sicherheit der Fans im südlichsten Gastgeberland bestellt ist. Die ARD-Doku "Mexiko: WM im Schatten der Kartelle" zeigt auf, wie die kriminelle Unterwelt die gigantische Fußballparty für sich nutzen will – und was daraus für Besucherinnen und Besucher als auch für die örtliche Bevölkerung folgt.

Mexiko möchte sich als Gastgeberland von seiner besten Seite zeigen, und auch die FIFA setzt darauf, dass pünktlich zum WM-Eröffnungsspiel im Aztekenstadion in Mexiko-City am 11. Juni ein vertrauenserweckendes Konzept steht. Und doch sehen viele Expertinnen und Experten so manche Sicherheitslücke, wie der Film von Michael Stocks dokumentiert. Denn das Land steckt in der Krise, Gewaltausbrüche und Unruhen beherrschen regelmäßig die Schlagzeilen. Über allem aber stehen die mächtigen Drogenkartelle, die ganze Landesteile kontrollieren und während der Fußball-WM auch das große Geschäft wittern. Bei Millionen Gästen und Milliarden Dollar an Umsatz und Investitionen geht es um ökonomischen Einfluss, Geldwäsche und Drogenabsatz.

Chaos nach Tod eines Drogenbosses

Michael Stocks, der sich bereits zur WM 2014 mit der sozialen Realität in Brasilien auseinandersetzte, illustriert bei seiner filmischen Tour durch Mexiko, wie dort soziopolitische Struktur und erbarmungslose wirtschaftliche Realität mit der Goldgrube Weltmeisterschaft zusammenhängen. Wer zieht die Strippen hinter den Kulissen des Events, das als friedliche Mega-Party inszeniert wird? Welche Akteure kontrollieren und profitieren abseits von Regierung und FIFA? Zu Wort kommen in der 45-minütigen Doku Sicherheitsexperten und Fußballprominenz sowie Journalistinnen und Fans, die zwischen Insiderwissen und Außensicht auf ein gebeuteltes Land blicken.

Dutzende Menschen starben allein Anfang des Jahres, als organisierte Banden breite Regionen mit Gewaltexzessen, Blockaden und Anschlägen erschütterten – eine Reaktion auf den Tod eines wichtigen Drogenbosses, der von Sicherheitskräften erschossen wurde. Zu Panik und Eskalation kam es dabei unter anderem auch im WM-Austragungsort Guadalajara. Hat die Regierung die Lage inzwischen im Griff? Wie geht die Bevölkerung mit der dauerhaften Gefahr um? Mexiko-Kenner berichten davon, dass korrupte Strukturen und bedrohliche Gewalt bis in die staatlichen Institutionen hineinreichen.

130.000 vermisste Menschen

Wie allgegenwärtig die Brutalität im Land ist, illustriert auch die schreckliche Realität der Verschwundenen: 130.000 Menschen werden derzeit vermisst, die meisten davon wohl entführt oder ermordet. Begleitet werden im Film die sogenannten "Buscadores", die auf Feldern und in Häusern immer wieder auf die sterblichen Überreste von Vermissten stoßen – selbst in der Nähe eines WM-Stadions. Einer dieser Suchenden ist Raúl Servin, der seit sechs Jahren nach seinem entführten Sohn Ausschau hält. Dass unter derlei Umständen eine WM stattfindet, hält der betroffene Vater für unvorstellbar.

Nicht zuletzt, weil die Gewalt auch in die Stadien selbst getragen werden könnte: Nicht selten schüchtern die Kartelle Fans, Spieler und Unparteiische ein, wie unter anderem der Fall von Schiedsrichterin Katia Itzel Garcia zeigt. Sie wurde nach einem Spiel des League Cups 2025 massiv bedroht.

Kann hier, wo Menschen verschwinden und ermordet werden, wo skrupellose Drogenbosse bei Bedarf für Chaos sorgen und Gewalt an der Tagesordnung scheint, ein sicheres Fußballfest stattfinden? Die Hoffnung ist groß, der Zweifel daran allerdings ebenso.

(Das Eröffnungsspiel der WM 2026 steigt am Donnerstag, 11. Juni. Co-Gastgeber Mexiko trifft in der Gruppe A auf Südafrika. Anstoß ist um 21 Uhr (13 Uhr Ortszeit). Das ZDF überträgt.

Mexiko: WM im Schatten der Kartelle – Fr. 05.06. – ARD: 23.00 Uhr

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