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"Promi Big Brother" ​​​​​​​Zwei Fingerbreit weg vom Sex-Skandal – Werner bekommt sein Gnadenbrot

Wer soll raus - die Frage quält
Wer soll raus - die Frage quält
© Promi Big Brother / Sat1 / PR
Stundenlanges Nominierungsaussitzen, Verständigungsschwierigkeiten wie auf einer Pressekonferenz im Weißenhaus, dazu Lieder über Kartoffelsalat, ungewollte Erektionen und Fressattacken – im Märchenland von "Promi Big Brother" geht es drunter und drüber.
Ingo Scheel

"Bisschen was für unten rum, sehr viel fürs Herz", das verspricht Marlene, das Marlenchen Lufen gleich zu Beginn. Och, denkt man sich, untenrum, da geht’s wohl um Schuhe, aber nichts da, es geht um das andere Untenrum, mehr so das Mittige, na, Sie wissen schon. Aber bevor sich da diverse Schleusen öffnen, geht es erstmal um obenrum, sprich ums Köpfchen und dass das bei vielen Insassen nicht einmal reicht, um bei Penny Nudeln zu kaufen oder sich einen Namen zu merken, mag zunächst überraschen, bietet aber dann ja doch den üblichen USP dieses Formats.

Zugegeben, auf die Uhr schauen sollte man während des einstündigen Nominierungsrituals eher nicht, aber wenn man sich erst einmal drauf eingelassen hat, stellt sich meditativ gefärbte Kurzweil ein. Wie besorgt allein weite Teile des PBB-Trupps auf beiden Seiten des Zaunes um Werner Hansch sind: zu alt, nicht passend fürs Format, fühlt sich zuhause wohler, hat Schwierigkeiten dabei, bestimmte Sachen zu machen. Leute, möchte man Kathy oder Katy oder Kessy Bim-Bäm-BumBum zurufen, ihr seid alle in dieser Bude, weil ihr BE-STIMM-TE SA-CHEN NICHT SO GUT KÖNNT. Angekommen? Nudeln kaufen, das richtige Haarteil aussuchen, sich drei, vier Namen merken, mit Verstand besaufen, den Terminus "beidiger Einwillung" nicht nur erfinden, sondern auch erklären oder die Plastikbrüste richtig umschnallen – das läuft, seien wir ehrlich – nicht ganz rund.

Jeder hat bei "Promi Big Brother" Schwierigkeiten

Doch nicht nur Werner wird nominiert, dass einem der Schnurrbart kraus wird, auch Armin könnte ruhig gehen. Armin, fragt der Große Bruder bei Kathy Kelly nach. Genau, Armin, sagt die Klansfrau, bis nach einigem Ping-Pong dann doch klar wird, dass sie Ramin meint. Ramin, Armin, Kamin, das sollte man alles nicht so eng sehen. Werner selbst nominiert erst Adela, weil er "ihre Beziehung zu Mischa für eine unsichere Sache hält". In der Tat, wie Mischa am Ende der Sendung so dasteht, mit den umgeschnallten Brüsten über dem Muskelshirt, nach sicherem Hafen sieht das eher nicht aus. Und dann nominiert der weise Werner auch noch den Kleinen, wie er ihn nennt, den Udo. Denn der hat – auch nichts Neues, wenn man bis hierhin genau mitgelesen hat – "ein bisschen Schwierigkeiten". Der also auch. Und wie.

Sexismus alter Schule 

Zunächst verfängt er sich in einem Sexismus-Skandal alter Schule. Während Mischa so am Gesäß der dösenden Adela herumbastelt – was er wohl darf –, gibt der daneben darbende Udo mit degoutanter Zweifinger-Geste zu verstehen, dass man da doch auch mal etwas tiefer forschen könnte – was der "Kleine" wohl eher nicht darf. Da hatte das Udomännchen aber die Rechnung ohne Adela gemacht. Die nämlich hat einen Schlaf wie ein Pferd: immer mit einem offenen Ohr nach hinten gerichtet. Als Folge durfte Udo sich einiges anhören von der beim Nickerchen so wüst Geballhornten. Udo selbst wiederum musste im Anschluss mächtig Dampf ablassen, wetterte gegen "die Hühner", die sich doch nicht wundern sollten, wenn sie schon "ihre Pflaume in die Kamera halten", dass Mann da auch einfach gern mal rangehen würde. Rustikales Rollenverständnis aus dem Pleistozän, oder um es mit Sascha zu sagen: Man könnte sich vielleicht die Trommelfelle durchstechen, dann müsste man sich den ganzen Nonsens nicht mehr anhören.

Schade nur, dass man so auch einiges verpassen würde: den "Märchenvision Song Contest" zum Beispiel, bei dem Ikke gegen Sascha antrat. Letzterer mit einem Village-People-Medley im güldenen Jackett, Herr Hüftgold mit einem Lied über Kartoffelsalat und Körbchengröße D, mit Perücke und rotem Trainingsanzug, als würde die Besatzung eines Bierbikes am Ballermann die "Royal Tenenbaums" nachspielen. Irre. Völlig irre. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun: Sascha hat gewonnen.

Promi Big Brother

Verstörende Fressattacke

Der Rest vom Schützenfest im Schnelldurchlauf: Emmys Sexsucht brach sich beim Udo-Anrubbeln derart Bahn, dass der nicht nur priapistisch gebeutelt in den Schlafsack kroch, sondern die erotisch Erhitzte auch gleich noch ein paar Freudentropfen an dessen frisch gestärkten Bermuda-Shorts applizierte. Beinah ebenso verstörend Adelas Essverhalten beim Wechsel ins Schloss, die verstörendste Fressattacke seit der Restaurantszene in "Der Sinn des Lebens". Ein Glück, dass Pfefferminzplätzchen anscheinend aus waren.

Das Spiel "Hans und die Bohnenranke" schließlich musste wegen Schlechtwetter geschoben werden und wenn die Tochter von Willi Herren das Wort "Promi Big Brother" ausspricht, klingt das fast so schön wie von Verona Feldbusch. Während Alessia, so der Name des frühgereiften Herren-Nachwuchs, sich über den Einzug in den Container freuen durfte, hieß es für Jasmin Tawil: Das war es. Fortsetzung folgt schon am Samstagabend. Vielleicht erfahren wir dann endlich noch etwas mehr über Katy Bähms sensationelle Karriere an der Make-up-Akademie.


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