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Spitzenpolitiker im Kulturcheck (3): Karl-Theodor, der Bildungsvielfraß

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein wahrer Kulturnimmersatt: Sein Spektrum reicht von AC/DC bis Wagner. Und seine Frau hat er auf der Love Parade kennengelernt. Der dritte Teil der Reihe "Spitzenpolitiker im Kulturcheck".

Kulturgeschichte
Papa Enoch, ein eigenwilliger Dirigent, bestand auf Klavierunterricht für K-T. Der allein erziehende Vater schleppte seine beiden Jungs auf Tourneen rund um die Welt. Und erzog sie nach dem inoffiziellen Familienmotto: Contenance statt Larmoyanz. Doch, doch - DAS ist auch Kultur. Gerade das.

Kulturbeutel


Musik:

Der Pianist K-T pendelt zwischen Boogie-Woogie, Mozart und Kuschelrock. Der Zuhörer K-T geht ins AC/DC-Konzert und jault dauernd, dass er es nicht ins Springsteen-Konzert geschafft hat. Strawinsky: auch gut. Und, logisch, Bach.

Kino:

De Niro und Pacino. "Der Pate" und "Angel Heart", schwarze Kassen und schwarze Magie. Wie sagt man noch in Bayern? "Passt scho'." Dritter im Bunde, schon überraschender: Franz Xaver Kroetz.

Buch:

Der Vorleser K-T wählt für seinen Auftritt in der Veranstaltungsreihe "Politiker erzählen Märchen" (gibt's wirklich, heißt wirklich so!) doppelsinnig "Hans im Glück". Der Leser K-T pendelt zwischen den Herren Dostojewski, Hemingway, Pynchon und Philip Roth - nur die Besten sind gut genug. Und, logisch, Goethe.

Kunst:

Der Galerien-Besucher K-T würde gerne ein Gerhard-Richter-Werk mitgehen lassen.

Sonstiges:

Der Verführer K-T weiß, dass Kultur auch Nutzwert haben kann. Seine Frau hat er auf der Love Parade 1995 kennengelernt - und dann gefragt, ob die "Techno-Nudel" auch mal zur Klassik mitkommen wolle. Verdis Requiem, von Papa Enoch dirigiert, hat sie, logisch, gerührt.

Sympathisanten


Viele, denen die CSU an sich suspekt ist, verehren K-T. Noch klammheimlich. Wenn es einen Monumental-Spot bräuchte, könnte der Cousin mit einem Heldenfilm aufwarten. Der Cousin heißt Florian Henckel von Donnersmarck, auch so ein Kulturkraftmeier.

Die Kulturpanne


Die peinliche Angeberei, er würde im Sommer Platons "Der Staat" lesen - im Original! Und, logisch, die Frisur.

Fazit


Ein Bildungsvielfraß. Kulturnimmersatt. Adel verpflichtet.

Agnes Fazekas, Helge Hopp, Hannes Roß, Matthias Schmidt, Bernd Teichmann

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