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TV-Tipp 12.6.: "We Need to Talk About Kevin": Der Teufel heißt Kevin

Sie hegen gerade einen Kinderwunsch? Dann schauen Sie sich diesen Film besser nicht an. "We Need to Talk About Kevin" ist der ultimative Horrorfilm für werdende Mütter. Unser TV-Tipp des Tages.

Mütterlicher Instinkt? Eva (Tilda Swinton) ahnt schon vor der Geburt ihres Sohnes, dass mit Kevin etwas nicht stimmt. Vater Franklin (John C. Reilly) dagegen ist begeistert von seinem ersten Kind.

Mütterlicher Instinkt? Eva (Tilda Swinton) ahnt schon vor der Geburt ihres Sohnes, dass mit Kevin etwas nicht stimmt. Vater Franklin (John C. Reilly) dagegen ist begeistert von seinem ersten Kind.

"We Need to Talk About Kevin"
23.45 Uhr, Arte
In dem Film "Alien" wartet das Böse nicht darauf, geboren zu werden. Es bahnt sich seinen Weg ins Leben mitten durch die menschliche Brust. Kevin kommt auf natürliche Weise zur Welt. Weil es viel zu einfach wäre, wenn seine Mutter Eva (großartig ausgezehrt: Tilda Swinton) schon jetzt, bei seiner Geburt, sterben würde. Kevin ist auf die Welt gekommen, um Eva zu foltern. Als Baby schreit er, weil es ihm Spaß macht, Mama weh zu tun. Wie Kevin sie anstiert, wie er mit ihr seine Psychospielchen treibt, das erinnert an den teuflischen Damien aus dem Horrorklassiker "Das Omen", das ist der Junge, zu dem "Rosemaries Baby" heranwachsen wird.

Mit "We Need to Talk About Kevin" geht die schottische Regisseurin Lynne Ramsay einen spannenden, weil kontroversen Weg: Man glaubt, man würde ein Sozialdrama einschalten, dabei befinden wir uns mitten in einem Horrorfilm, mitten in einer Abhandlung über das Böse. Vom ersten Moment an, in dem wir dem jungen Kevin begegnen, seinen Blick aushalten müssen, ahnen wir, dass wir direkt in die Seele des Teufels blicken.

Ja, es gibt Szenen, in denen Kevin, der als Jugendlicher Pfeil und Bogen in die Hand nehmen und erst Vater und Schwester und dann seine halbe Schulklasse hinrichten wird, Ballerspiele spielt und Bogenschießen lernt. Aber diese kurzen Momente sind falsche Fährten, Spott ins Gesicht all derjenigen, die glauben, das Böse sei so einfach zu erklären.

Selbst die Tatsache, dass Eva als Mutter offensichtlich überfordert ist, lässt Ramsay nicht als Erklärung für Kevins Verhalten durchgehen. Die Mutter besaß nie eine Chance. "Mami war glücklich, bevor der kleine Kevin da war, weißt du das?" wirft sie ihm als Kleinkind an den Kopf. Ein Satz, bei dem normalerweise nicht nur Eltern die Hutschnur hochgehen würde. Doch in diesem Fall fühlen wir mit Eva. Weil wir wissen: Am besten wäre Kevin wirklich nie geboren worden.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Am Himmel der Tag"
22.45 Uhr, ARD

DRAMA Nach dem ersten Schrecken begreift Lara (Aylin Tezel) ihre ungewollte Schwangerschaft als Chance, dem Leben mehr Sinn zu geben. Das erweist sich als trügerisch... Nüchtern erzählt, extrem berührend. Tezel wurde in der Rolle als beste Nachwuchsschauspielerin geehrt. (bis 0.15)

"8 Frauen"
20.15 Uhr, 3Sat

KRIMIKOMÖDIE in feinster Agatha-Christie-Manier. Fanny Ardant, Isabelle Huppert, Catherine Deneuve und fünf weitere Kinodiven aus der französischen Oberliga trällern sich durch einen Mordfall. - Was sind schon 22 Männer auf dem Fußballplatz gegen 8 Frauen unter Verdacht? (bis 22.00)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo