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TV-Tipp 27.6.: "Die durch die Hölle gehen": Wie der Krieg unsere Seelen zerstört

Einmal Hölle und zurück. Doch wohin, wenn uns der Krieg nicht mehr loslässt? Michael Cimino hält ein flammendes Plädoyer für den Frieden, das nur schwer auszuhalten ist. Unser TV-Tipp des Tages.

Michael Vronsky (Robert De Niro, l.) will seinen Freund Steven Pushkov (John Savage) nicht in Vietnam zurücklassen

Michael Vronsky (Robert De Niro, l.) will seinen Freund Steven Pushkov (John Savage) nicht in Vietnam zurücklassen

"Die durch die Hölle gehen "
22.15 Uhr, Servus TV
ANTIKRIEGSEPOS Nie wieder Krieg! Nach jedem Gemetzel hallt dieser Aufruf aufs Neue durch die Reihen der Überlebenden. Und dann verblassen sie wieder, die (kollektiven) Erinnerungen an die grausamen Erlebnisse, an das Morden und Hungern und Foltern und Vergewaltigen. Wer zeit seines Lebens im Frieden gelebt hat, dem fällt es schwer sich vorzustellen, dass die eigenen Nachbarn und Freunde zu derartigen Gräueln fähig sind. Und wer sich die schlimmen Konsequenzen nicht mehr auszumalen vermag, der läuft leichter in Gefahr, all jenen ein Ohr zuviel zu leihen, die den fatalen Gedanken des Wir-gegen-die-Anderen predigen.

Nun kann man wirklich nicht sagen, dass im Schulunterricht mit Informationen über den Krieg gegeizt wird. Doch nur selten vermögen die nackten Zahlen und Informationen allein, uns die Schrecken des Krieges nachfühlen zu lassen. Hier springen Filme wie "Die durch die Hölle gingen" (im Original weniger martialisch: "The Deer Hunter") in die Bresche.

In drei Teilen zeigt das Epos Vorher, Mittendrin und Nachwirkungen des Vietnamkriegs auf eine Gruppe junger Amerikaner. Eine Stunde lang folgen wir dem Alltag von Mike Vronsky (Robert De Niro), Nick Chevotarevich (Christopher Walken) und Steven Pushkov (John Savage), gehen mit ihnen auf die Jagd, hängen mit ihnen in der Bar ab, werden zu einer Hochzeit eingeladen. Cut. Und plötzlich stehen wir im vietnamesischen Dschungel, werden Zeuge, wie eine Frau samt Kind von einem Vietcong-Soldaten niedergeschossen wird und wie ein schockierter Mike den Mörder mit seinem Flammenwerfer hinrichtet.

"The Deer Hunter" ermöglicht es einem Publikum, das nur den Frieden kennt, für einen Moment in die Hölle des Krieges hinabzusteigen. Mit Unterhaltung, gar mit filmischem Sensationstourismus, hat das nichts zu tun. Ein guter Antikriegsfilm will, ja, muss schockieren und uns in unseren Grundfesten erschüttern. Weil seine Schöpfer letztens Endes nur ein Ziel verfolgen. Sie wollen, dass das Publikum die Kinosäle mit diesem einem Gedanken im Kopf verlässt: Nie wieder Krieg!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Hot Fuzz"
22.05 Uhr, RTL 2


PERSIFLAGE Superbulle Angel (Simon Pegg) wird aus London weggelobt. Im Provinznest Sandford gibt’s kein Verbrechen – bis Angel aufkreuzt. Die Brit-Komödie persifliert hemmungslos Action- und Buddyfilme der letzten 30 Jahre. Danach: "Shaun of the Dead" vom gleichen Team. (bis 0.25)

"Mit dem Rucksack durch Europa"
0.40 Uhr, RBB

DOKU Anfang der 70er etabliert das Interrail-Ticket eine neue Form des Reisens: "4 Wochen durch Europa für 290 Mark für alle bis 21" - so der Slogan der Bahn. Zugbegleiter Ulrich Ante erinnert sich an schlafende Menschen in der Gepäckablage und Tonnen von Rucksäcken im Gang. (bis 1.25)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo