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TV-Tipp 3.6: "Sideways": Der ultimative Film für Weinliebhaber

Frisch, herb und mit elegantem Abgang: "Sideways" ist eine Liebeserklärung an den Wein und die Männerfreundschaft. Unser TV-Tipp des Tages.

Kenner und Kostverächter - nur wer ist wer? Der geschiedene Englischlehrer und Weinliebhaber Miles (Paul Giamatti, l.) lässt sich zu einem Roadtrip mit seinem Kumpel Jack (Thomas Haden Church) überreden

Kenner und Kostverächter - nur wer ist wer? Der geschiedene Englischlehrer und Weinliebhaber Miles (Paul Giamatti, l.) lässt sich zu einem Roadtrip mit seinem Kumpel Jack (Thomas Haden Church) überreden

"Sideways"
22.15 Uhr, SuperRTL
ROADMOVIE Irgendwann, mitten während der Vorstellung von "Sideways", machte es hinter uns plötzlich "Pling". Nicht dieses laute, grobe Geräusch, wenn zwei Bierflaschen aneinander krachen, sondern ein filigranerer Ton, der nach dem Zusammenprall dünnwandiger Gläser noch diesen einen Moment nachhallt. Ein Grüppchen Damen und Herren in Abendgarderobe hatte getan, was auch wir hätten tun sollen: Sie hatten Wein in die Vorstellung geschmuggelt - und labten sich nun stilecht an dem köstlichen Tropfen.

Sicher, man kann "Sideways" auch ohne Wein genießen, der Film ist eine großartige Komödie über Freundschaft, Liebe und die Liebe zum Rebstock. Aber das wäre in etwa so, als schaute man Rühmanns "Feuerzangenbowle" sturznüchtern. Schließlich wird auf der Leinwand pausenlos dem Gotte Bacchus gehuldigt. Kaum eine Szene, in der kein Glas erhoben, kein Bouquet erschnüffelt, nicht getrunken wird.

Besser gesagt: Der vom Leben verängstigte Weinliebhaber Miles (Paul Giamatti) trinkt, sein Freund Jack säuft. Selten passte das Wort grobschlächtig so gut zu einer Figur, wie sie Thomas Haden Church hier verkörpert. Und so unterschiedlich, wie die ehemaligen Studienfreunde geraten sind, so unterschiedlich gestalten sich ihre Vorstellungen von jenem einwöchigen Roadtrip, der die beiden durch Weinanbaugebiete Kaliforniens führt. Der eine hofft auf eine kontemplative Genussreise, der andere will vor seiner Hochzeit noch einmal richtig einen draufmachen.

In anderen Händen hätte dieses Setting in billigem Buddymovie-Klamauk enden können. Stattdessen nutzt Regisseur und Drehbuchschreiber Alexander Payne die Reise der beiden Freunde, um der Kultiviertheit einerseits zu huldigen und andererseits davor zu warnen, mit Kultiviertheit die eigene Angst vor dem Leben zu überspielen. So ist "Sideways" vor allem ein flammendes Plädoyer dafür, das Leben zu genießen. Und darauf erheben wir nun unsere Gläser. Zum Wohl!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Full Metal Village"
20.15 Uhr, ZDF Kultur

DOKUMENTARFILM Anfang August werden sie wieder kommen. Zehntausende Metal-Fans feiern im kleinen Wacken ihr Open-Air. Sung-Hyung Cho porträtiert die Dorfbewohner, die den Irrsinn mit Herz und Schnauze kommentieren. - Im Anschluss läuft eine weitere Doku der Regisseurin. (bis 21.45)

"Ong-Bak: Wächter des Tempels"
22.05 Uhr, Pro Sieben Maxx

MARTIAL ARTS mit Szenen, die auch Kampfkunstverächter mögen. Zu Beginn etwa klettern 20 mit Lehm beschmierte Männer schweigend in einem Baum herum und suchen eine gestohlene Trophäe. Ting (Tony Jaa) verprügelt bald halb Bangkok, um das Ding zurückzuholen. (bis 0.05)

"Die Bio-Illusion"
20.15 Uhr, Arte

DOKU Mitte der 80er wurden Bio-Konsumenten von vielen als Spinner belächelt. Mittlerweile bevorzugt, wer es sich leisten kann, Nahrungsmittel ohne Gift und Hormone. Die Nachfrage ist riesig, die Supermarktregale entsprechend gut gefüllt. Aber: Kann Massenware wirklich ökologisch hergestellt sein? Wer kontrolliert das? Wie bio sind Importe, die durch die halbe Welt gekarrt werden, bevor sie bei uns landen? Und wohin fließen die EU-Milliarden, die die Umstellung auf ökologischen Landbau fördern sollen? Christian Jentzsch hat mehrere Monate recherchiert. Er entdeckte eine sprunghaft gewachsene Branche, in deren Kreisen man inzwischen sehr gut versteht, seine Interessen zu schützen. (bis 21.45)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo