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TV-Tipps des Tages für den 27.3.: Der Preis der Freiheit

Jan Palach war 20 Jahre alt, als er sich auf dem Prager Wenzelsplatz aus Protest verbrannte. Die dreiteilige Miniserie "Burning Bush" erinnert an diesen Aufschrei der Freiheit. Unser heutiger TV-Tipp.

Unglaubliche Tat im Namen der Freiheit: Der Geschichtsstudent Jan Palach (Lukás Cernoch) verbrennt sich auf dem Prager Wenzelsplatz.

Unglaubliche Tat im Namen der Freiheit: Der Geschichtsstudent Jan Palach (Lukás Cernoch) verbrennt sich auf dem Prager Wenzelsplatz.

"Burning Bush - Die Helden von Prag"
20.15 Uhr, Arte
Freiheit ist so normal für mich, dass ich nur noch selten darüber nachdenke: Ich bin in einem Land aufgewachsen, dass Unfreiheit, zumindest politische, nicht kannte. Ich durfte und darf sagen, was ich will, schreiben, was ich will, diskutieren, worüber ich will. Ja, es mag Einschränkungen geben - Geldmangel, kulturelle Tabus, Dienstanweisungen usw. - aber grundsätzlich fühle ich mich frei.

Manchmal allerdings frage ich mich, wie viel mir diese Freiheit überhaupt wert ist. Würde ich, wenn sich die Schatten der Diktatur auf unsere Gesellschaft legt, für meine Freiheit, die für mich vorher so normal war wie die Luft zum Atmen, kämpfen? Oder würde ich mich in die hinterste Ecke meiner Wohnung verkriechen, mich ins Private zurückziehen und vor der Situation kapitulieren?

Jan Palach hat gekämpft - auf eine Art, die in ihrer Verzweiflung und Endgültigkeit für mich heute unvorstellbar scheint: Am 16. Januar 1969 betrat der 20-jährige Geschichtsstudent den Prager Wenzelsplatz, öffnete einen Kanister mit Benzin, übergoss sich mit der stechend riechenden Flüssigkeit, entzündete ein Streichholz und setzte sich in Flammen.

Wenige Monate zuvor war der Prager Frühling, der Versuch der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" umzusetzen, von der Sowjetunion militärisch niedergeschlagen worden. Ein Schleier der Hoffnungslosigkeit hatte sich über das besetzte Land gelegt. Jan Palach sah nur noch diesen einen, extremen Weg, um die Öffentlichkeit wach zu rütteln.

Der junge Mann wurde zu einem modernen Märtyrer, einem Symbol des Widerstands gegen die Besatzung, gegen die Unfreiheit. Eine spannende Persönlichkeit - doch die dreiteilige Miniserie "Burning Bush" tappt nicht in die Falle, ein reines Biopic über das Leben Palachs zu erzählen. Es ist sein Erbe, das, was seine Tat in den Köpfen der Menschen hinterlassen hat, was die polnische Regisseurin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") interessiert. Holland, eine Zeitgenössin Palachs, studierte damals an der Prager Filmhochschule und war selbst in der Studentenbewegung aktiv.

Ihrer Serie gelingt es, die beklemmende Stimmung in einem Land einzufangen, das sich in einem gewaltigen Kraftakt aufgebäumt hat, um frei zu sein - und dessen Hoffnungen brutal niedergeschlagen wurde. Dass die Ausstattung sich dabei auf Kinoniveau bewegt und historisch korrekt die damalige Zeit nachspielt, ist nur das Tüpfelchen auf dem I dieser spannenden HBO-Europe-Produktion. Endlich einmal hält Historienfernsehen, was es viel zu oft nur verspricht: Geschichte tatsächlich spürbar zu machen. Nimm das, Guido Knopp!

PS: Teil 1 und 2 laufen heute direkt hintereinander, Teil 3 ist ab Freitag, ebenfalls um 20.15 Uhr zu sehen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Das Schwiegermonster"
20.15 Uhr, Vox
KOMÖDIE Viola (Jane Fonda), TV-Moderatorin im Zwangsruhestand, ist entsetzt, als ihr einziger Sohn die keinesfalls standesgemäße Hundesitterin Charlie (Jennifer Lopez) heiraten will. Und so zettelt sie mitten im Hochzeitscountdown einen Zickenkrieg an, in dessen Verlauf garstige Geschenke, allergieauslösende Nüsse und ein spuckehässliches Brautjungfernkleid zum Einsatz kommen. Allein die Szene, in der sich J.Lo mit den Worten "Verdammt, ich habe zwei Hintern" in ein Cocktailkleid quetscht, war gehässigen Zeitgenossen 2005 die Kinokarte wert. Den Rest erledigt eine herrlich selbstironische Jane Fonda, die nach fünfzehn Jahren ein beeindruckendes Comeback hinlegte. (bis 22.10)

"Holy Lola"
22.25 Uhr, 3Sat

DRAMA um ein Ehepaar aus der französischen Provinz, das ein kambodschanisches Kind adoptieren will und sich schier unüberwindlichen Hindernissen gegenübersieht. Regisseur Bertrand Tavernier erspart dem Zuschauer kein Detail der Odyssee, bleibt aber erstaunlich kühl. (bis 0.30)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo