In 24 Filmen in neun Jahren hat der "Anwalt ohne Lizenz", Thomas Borchert (Christian Kohlund), seit 2016 unterschiedlichste Fälle aufgeklärt. Das Erste wiederholt am Donnerstagabend den 22. Film "Zürich-Krimi: Borchert und der Schuss ins Herz" von 2024. Borchert und seine Kollegin Dominique (Ina Paule Klink) bekommen es mit dem netten Familienvater Hans Gessler (Stephan Kampwirth) zu tun. Der kümmert sich rührend um seine Teenie-Tochter Zoe (Carla Hüttermann), doch im Hintergrund lauert eine Familientragödie. Die hatte damit zu tun, dass Gessler einer der größten Schweizer Hersteller für Schusswaffen ist. Der Mann hat also Feinde. Vor allem dann, wenn in Zürich gerade eine Ausschreibung läuft, weil die Polizei neue Schießeisen bekommen soll. Mehrere Firmen ringen um den Deal – und just in der Entscheidungsphase dringen Unbekannte in Gesslers Haus ein.
Zoe, die allein daheim ist, kann sich gerade noch in einen Panic Room retten. Ihr Freund Daniel (Jonathan Lade) jedoch – pikanterweise ein kritischer Aktivist und Hacker – wird in jener Nacht schwer verletzt. Wenig später liegt Hans Gesslers Personenschützer Lösch (Anton Rubtsov) erschlagen in einer Hacker-Lounge. Weil die Polizei in Person von Dominiques On-Off-Lover Hauptmann Marco Furrer (Pierre Kiwitt) mal wieder wenig gebacken kriegt, tauchen die Anwälte in die Zürcher Waffenproduzenten-Welt ein, wo industrieüblich mit harten Bandagen um Aufträge gekämpft wird.
Doch geht man bereits über Leichen, um die Waffen erst produzieren zu können? Borchert gibt sich in einer Szene mit einem Konkurrenten Gesslers, dem Waffenhersteller Robert Jürg (Nils Nelleßen), als windiger Geselle aus, der dem Industriellen "Probleme aus dem Weg schaffen" möchte. Das Gespräch findet am Schießstand statt – und auch Humanist Borchert trifft dabei ins Schwarze.
Humanist Borchert ist ein unerwartet guter Schütze
Es ist eine der grimmig-lustigen Szenen, als Borchert, heimgekehrt in die Kanzlei, seine Top-Ergebnisse auf der Zehnringe-Scheibe seines Undercover-Einsatzes in der Schießhalle präsentiert. Der humanistische Anwalt, in der Regel mit sanften Waffen wie Gehirnschmalz und Hartnäckigkeit für die Schwachen dieser Welt unterwegs, weiß offenbar so gut mit dem Schießgerät umzugehen, dass der "Schakal" aus dem mittlerweile als Serie wiederbelebten Kultfilm sicher stolz auf den betagten Anwalt wäre. Überhaupt findet sich in "Borchert und der Schuss ins Herz" wieder etwas mehr Krimi-Leichtigkeit ein.
Altstar Christian Kohlund, der schon von 1985 bis 1989 den Frauenschwarm Professor Vollmers in "Die Schwarzwaldklinik" spielte, ermittelt als Borchert zwar unter unsympathischen Gesellen, doch es gibt auch erstaunlich viele gute Menschen und jede Menge Hoffnung in diesem Krimi. Vater Hans Gessler meint es gut mit seiner Tochter, ebenso wie sie mit der Welt und ihrem idealistischen Hacker-Freund Daniel. Und die bösen Waffen-Händler? Die sind so fies, dass man sie irgendwie nicht richtig ernst nehmen kann.
Ohnehin weiß man längst: Borchert und Dominique werden am Ende der Folge bei einem Glas Wein oder einem Barista-Kaffee vor Borcherts Wohnwagen oder einer anderen malerischen Zürich-Kulisse sitzen und darauf anstoßen, dass die böse Welt – zumindest in diesem konkreten Fall – mal wieder gerettet wurde.
Zwei neue "Zürich-Krimis" wurden im vergangenen Herbst gedreht, die Termine für die Ausstrahlung stehen noch nicht fest.
Der Zürich-Krimi: Borchert und der Schuss ins Herz – Do. 04.06. – ARD: 20.15 Uhr