Die britische Polizei untersucht offenbar einen weiteren Vorwurf gegen Andrew Mountbatten-Windsor. Der jüngere Bruder von König Charles, der wegen seiner Verbindungen zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seinen Prinzentitel verlor, soll sich im Jahr 2002 während des berühmten Pferderennens in Ascot einer Frau gegenüber unangebracht verhalten haben. Das berichtet die „Sunday Times“.
Kriminalbeamte der Thames Valley Police nehmen das mutmaßliche Fehlverhalten demnach im Zuge einer breiteren Untersuchung unter die Lupe. Andrew wird Amtsmissbrauch vorgeworfen, eine Klage wurde noch nicht erhoben. Er soll womöglich in seiner einstigen Funktion als Handelsbeauftragter vertrauliche Regierungsdokumente an Epstein weitergereicht haben. Der ehemalige Prinz war deshalb im Februar auch vorübergehend festgenommen worden.
Der Fall Andrew: Die Polizei befragt Zeugen
Es sind keine genaueren Details über das mutmaßliche Vergehen bekannt. Zudem ist unklar, ob die Frau sich bereits damals bei der Polizei gemeldet hat oder erst in jüngerer Vergangenheit. Die Beamten seien dem Bericht zufolge dabei, Schlüsselzeugen über Andrews Zeit als britischer Handelsgesandter zu befragen. Dazu gehören offenbar auch Vertreter des britischen Königshauses.
Daneben sollen die Beamten Einsicht in Unterlagen von Scotland Yard bezüglich Virginia Giuffre haben. Diese hatte 2019 öffentlich gemacht, dass sie als Minderjährige durch Epstein an Andrew vermittelt und von diesem mehrfach sexuell missbraucht worden sein soll. 2021 reichte sie eine Zivilklage in New York gegen Andrew ein, die 2022 mit einem außergerichtlichen Vergleich in kolportierter Millionenhöhe endete. Er bestreitet die Anschuldigungen.
Das Gesetz müsse seinen Lauf nehmen, sagt König Charles
Beamte der Thames Valley Police sollen mitgeteilt haben, dass die Ermittlungen ein breiteres Spektrum an möglichen Straftaten umfassen als bisher angenommen. Dazu gehören sexuelles Fehlverhalten, Korruption und Betrug. All dies könnte demnach zum Vorwurf des Amtsmissbrauchs, dem sich Andrew ausgesetzt sieht, hinzugerechnet werden. Er war am 19. Februar, seinem 66. Geburtstag, für mehrere Stunden festgenommen worden. Währenddessen hatte die Polizei Durchsuchungen in Norfolk und Berkshire durchgeführt.
„Ich habe mit tiefster Besorgnis die Nachricht über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht des Amtsmissbrauchs erfahren“, sagte König Charles nach Andrews Festnahme in einer Stellungnahme. Er betonte, dass das Gesetz seinen Lauf nehmen müsse und die Krone den Ermittlern ihre volle Kooperation zusichere.