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Vermasseltes Exklusiv-Interview "Schrecklicher Fehler": TV-Reporter erklärt, warum er Adeles Album nicht kannte

Adele hat gerade mit "30" ihr viertes Studioalbum herausgebracht
Adele hat gerade mit "30" ihr viertes Studioalbum herausgebracht
© Simon Emmett / DPA
Weil er ihr neues Album nicht kannte, ist ein exklusives Adele-Interview des australischen TV-Reporters Matt Doran gescheitert. Nun hat Doran sich zu dem Vorfall geäußert – und erklärt, wie es zu der Panne kam.

Es hätte das Highlight seiner journalistischen Karriere werden sollen – und wurde sein größtes Desaster. Der australische TV-Reporter Matt Doran machte in dieser Woche mit einem missratenen Adele-Interview international Schlagzeilen. Weil er das neue Album der Sängerin nicht kannte, soll Adele das Exklusiv-Interview abgebrochen haben – so war zu lesen – und jegliche Ausstrahlung des Materials untersagt haben.

Dabei war Doran samt TV-Team eigens nach London geflogen, um für den Sender Channel 7 das einzige australische Vorab-Interview mit dem Megastar zu führen. Eine Chance, die sonst nur Größen wie Oprah Winfrey bekommen und für die sein Sender sehr viel Geld bezahlt hatte. Wie konnte das dermaßen schief gehen?

Diese Frage hat Doran nun im australischen Fernsehen persönlich beantwortet. In einem zweieinhalbminütigen Statement erklärt er vor laufender Kamera, wie es zu der Panne kam und entschuldigt sich bei Adele und allen Fans und Zuschauern. Er habe einen "schrecklichen Fehler" gemacht und Adele "beleidigt". "Diese Geschichte hat eine Flut von Beschimpfungen und Spott aus der ganzen Welt ausgelöst, und wenn ich ehrlich bin, verdiene ich den Großteil dieser Beschimpfungen und stehe voll und ganz für den Fehler ein." 

Verhängnisvolle Email-Panne

Allerdings, so erklärt Doran weiter, habe er Adeles neues Album "30" nicht aus Ignoranz oder Desinteresse nicht vorab angehört, sondern infolge einer Panne. "Ich habe den schrecklichen Fehler gemacht, anzunehmen, dass wir kein Vorab-Exemplar des Albums bekommen würden, weil unser Interview vor der Veröffentlichung ausgestrahlt wurde und Adeles Album das bestgehütete Geheimnis der Branche war."

Tatsächlich hatte Adeles Plattenfirma Sony Doran das Album dann doch vorab zugänglich gemacht – was Doran aber übersehen hatte. "Am Tag, nachdem wir in London gelandet waren, kam eine E-Mail von Sony, in der Adele zwar nicht erwähnt wurde, die aber einen Link zu ihrem Album enthielt", berichtet Doran. Die Mail hatte er schlicht überlesen. "Die echte, unumstößliche Wahrheit ist, dass ich sie verpasst habe. Mit einem absurd großen Abstand die wichtigste E-Mail, die ich je in meinem Leben verpasst habe." 

Emotionales Gespräch

Unabhängig davon, betont der sichtlich geknickte TV-Moderator, habe Adele das Interview nicht vorzeitig abgebrochen, wie zunächst berichtet worden war. Das Interview habe 29 Minuten gedauert und damit länger als ursprünglich geplant. Obwohl er das Album nicht vorab angehört hatte, sei es in der Hälfte der Interviewzeit voll und ganz um Adeles neue Musik gegangen.

Auf Adeles vierten Studioalbum "30", das am 19. November veröffentlicht wurde und schon jetzt zu den meistverkauften des Jahres zählt, verarbeitet die britische Sängerin unter anderem die Scheidung von ihrem Mann und Vater ihres Sohnes. Es hätte daher ein Interview voll emotionalem Tiefgang werden können und wohl auch sollen. 

Adele blickt über die Schulter in die Kamera.
Simon Emmett/Columbia Records/PA Media/dpa

"Ich dachte, es wäre zu kurz gegriffen, wenn man es einfach als etwas beschreibt, das von Scheidung handelt, dass es um Ermächtigung geht und die Menschen dazu inspirieren würde, den Mut aufzubringen, ihr Leben in eine neue Richtung zu lenken", gibt Doran Einblicke in das Gespräch, dessen Ausstrahlung Sony verboten hat. Die beiden hätten darüber gesprochen, wie das Album die Beziehung zwischen Adele und ihrem kürzlich verstorbenen Vater gekittet hätte. "Wir sprachen über das Paradox, die berühmteste Künstlerin der Welt zu sein, aber den Ruhm zu hassen, wir sprachen auch ausführlich über das Konzept der reinen Kunst, die Majestät von Adeles Stimme und darüber, wie es sein muss, diesen Klang aus dem eigenen Mund zu hören." Adele sei tiefsinnig, lustig und offen gewesen.

"Aber all das spielt keine Rolle, weil ich Adele beleidigt habe, weil ich den Link zum Album nicht gefunden habe, wie auch immer ich das zu rechtfertigen versuche", sagte Doran. "Zu Adele sage ich: Ich habe dich nie wissentlich nicht respektiert, indem ich mir deine Arbeit absichtlich nicht angehört habe. Es tut mir sehr leid."

bak

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