Béla Tarr Berühmter Filmemacher ist tot

Der ungarische Regisseur gilt als Wegbereiter des "Slow Cinema".
Der ungarische Regisseur gilt als Wegbereiter des "Slow Cinema".
© imago/Future Image / Sebastian Gabsch
Der ungarische Filmemacher Béla Tarr ist tot. Der Kult-Regisseur starb im Alter von 70 Jahren nach langer Krankheit.

Der ungarische Filmregisseur Béla Tarr (1955-2026) ist tot. Die Europäische Filmakademie bestätigte internationalen Medienberichten zufolge die traurige Nachricht. Demnach starb der Filmemacher am Dienstagmorgen "nach langer, schwerer Krankheit" im Alter von 70 Jahren.

"Die Filmakademie trauert um einen herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen zutiefst respektiert, sondern auch vom Publikum weltweit gefeiert wurde", heißt es in einem Statement. Seine Familie bitte um Verständnis und wolle in der Zeit der Trauer keine Stellungnahme abgeben.

Der Meister des "Slow Cinema"

Béla Tarr verewigte sich 1994 mit seinem sieben Stunden langen Werk "Satanstango" in der Filmgeschichte. Das schwarz-weiße Epos, das vom Zerfall des Kommunismus in Osteuropa erzählt, gilt bis heute als Paradebeispiel des sogenannten "Slow Cinema". Tarrs Handschrift: minimaler Dialog, dichte Atmosphäre und extrem lange, ungeschnittene Einstellungen. Auch in "Verdammnis" (1988) zeigte sich dieser Stil.

Das Drehbuch zu "Satanstango" schrieb Tarr gemeinsam mit dem späteren Literaturnobelpreisträger László Krasznahorka (72), dessen gleichnamiger Roman als Vorlage diente. Diese Zusammenarbeit sollte Tarrs gesamtes Spätwerk prägen. Alle folgenden Filme realisierte er mit Krasznahorkai, darunter "Die Werckmeisterschen Harmonien" (2000).

Mit "Das Turiner Pferd" verabschiedete sich Tarr 2011 vom Filmemachen. Das düstere Drama über einen Kutscher und seine Tochter gewann den Silbernen Bären der Berlinale. Statt sich zur Ruhe zu setzen, widmete sich Tarr der nächsten Generation. Er rief die Filmschule "film.factory" ins Leben, an der unter anderem Tilda Swinton und Juliette Binoche als Gastdozenten auftraten.

Béla Tarr hinterlässt seine Ehefrau Ágnes Hranitzky (80), die bei Filmen wie "Die Werckmeisterschen Harmonien" und "Das Turiner Pferd" als Co-Regisseurin mitwirkte.

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