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Japan: Drama um Kronprinzessin Masako

Der japanische Kronprinz Naruhito wird sich in Kürze öffentlich zur Krankheit seiner Frau Kronprinzessin Masako äußern. Sie sei "völlig erschöpft" vom Bemühen, sich der kaiserlichen Familie anzupassen.

Im Drama um die erkrankte japanische Kronprinzessin Masako will ihr Ehemann, Kronprinz Naruhito, in Kürze eine weitere öffentliche Stellungnahme abgeben. Anfang nächster Woche werde der Kronprinz sich zu seinen Aufsehen erregenden Bemerkungen während einer kürzlichen Pressekonferenz äußern, ließ der Oberhofmarschall des Kronprinzenpaares, Hideki Hayashida, wissen. Kronprinz Naruhito hatte in ungewöhnlicher Offenheit erklärt: "Es ist wahr, dass es Bestrebungen gab, Masakos Karriere und Persönlichkeit zu negieren". Seine Gattin sei "völlig erschöpft" vom Bemühen, sich in den vergangenen zehn Jahren der kaiserlichen Familie anzupassen.

Seither wird in der japanischen Öffentlichkeit darüber spekuliert, was Kronprinz Naruhito mit dem Hinweis auf "Bestrebungen" am Hofe genau meinte. Der Kronprinz habe entschieden, der Öffentlichkeit eine Erklärung mit seinen eigenen Worten zu geben, sagte Zeremonienmeister Hayashida. Kronprinzessin Masako hat seit Dezember, als sie an einer Gürtelrose erkrankte, keine offiziellen Verpflichtungen mehr wahrgenommen. Ende März dann brach sie mit den höfischen Traditionen und flüchtete in das Landhaus ihrer bürgerlichen Familie. Spätestens da war Beobachtern klar, dass es sich um mehr als ein vorübergehendes seelisches Tief handelte. Kronprinz Naruhito hatte es nun erstmals ausgesprochen, ohne aber die Verantwortlichen direkt zu benennen.

Masako fügte sich in ihre Traditionsrolle

Seit Naruhitos Rückkehr von seiner Europa-Reise am 24. Mai, auf die er sich allein hatte begeben müssen, habe er mit dem Kronprinzen mehrere Möglichkeiten für eine Erläuterung einschließlich einer weiteren Pressekonferenz besprochen, sagte Oberhofmarschall Hayashida. Schließlich habe man die Form einer direkten Stellungnahme gewählt. Der Kronprinz hatte schon zuvor zu seinem Geburtstag ungewöhnlich deutlich das Leiden seiner 40-jährigen Frau angesprochen. Als Masako heiratete, hatten viele im In- und Ausland erwartet, dass sie die verkrusteten und rigiden Strukturen der ältesten Monarchie aufbricht. Doch die früher so strahlende, selbstbewusste Karriere-Diplomatin fügte sich in ihre Traditionsrolle.

Jahrelang wurde Masako abgeschottet und unter Druck gesetzt, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Die kaiserliche Erbfolge lässt nur Männer auf dem Chrysanthementhron zu. Im Dezember 2001 bekam Masako dann ihr erstes Kind: Prinzessin Aiko. Anfangs schien Masako etwas aufzublühen. Doch dann sah man die Kronprinzessin immer weniger.

DPA / DPA