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Jenny Gucci über ihre Familie: Eine Story wie im Denver-Clan

In ihrem Buch "Der Gucci Krieg. Mode, Männer und ein Mord" rechnet Jenny Gucci, Ex-Frau des früheren Chefdesigners Paolo Gucci, mit dem Florentiner Mode-Clan ab. Dazu plaudert sie saftige Details über Affären und Intrigen aus.

Von Martina Ochs

Sie glaubte, das große Los gezogen zu haben. Als die 29-jährige Engländerin Jenny Puddefoot 1976 dem charmanten Italiener Paolo, Enkel des legendären Firmengründers Guccio Gucci, begegnete, fühlte sie sich wie im Märchen. Schmuck, Reisen, Kleider en masse legte ihr der Designer zu Füßen. Bald war Jenny fest in den Clan integriert. Doch der wandte sich komplett gegen sie, als ihr Ehemann sie und die gemeinsame Tochter Gemma nach 14 Jahren Ehe möglichst günstig loswerden wollte, indem er sich für bankrott erklären ließ. Heute spricht niemand aus der Familie mehr mit ihr, was sie "keineswegs bedauert".

In Ihrem Buch "Der Gucci Krieg" vergleichen Sie die Familie mit dem Denver-Clan. Wer war der intriganteste Gucci?

Ohne Zweifel mein Schwiegervater Aldo. Er war unberechenbar und launenhaft, dabei sehr clever.

Ihren Mann Paolo nannte er einen Dummkopf. Hatte er recht damit?


Wahrscheinlich schon. Zumindest machte Paolo dumme Dinge. Das Schlimmste war, dass er unsere Pferde verhungern ließ, um zu zeigen, dass er kein Geld mehr hat. Und dass er unsere Tochter nach der Scheidung vollkommen vernachlässigt hat.

Sie schildern die Guccis als einen Clan von Durchgeknallten. In welchem Moment dachten Sie, dass die Familie tatsächlich verrückt ist? Bei den Meetings, zu denen sich immer alle trafen. Kaum ging es los, schrien sie sich an und warfen sich Gegenstände an den Kopf. Einmal kam mein Ex-Mann mit einer blutenden Wunde aus dem Raum. Mir ist schleierhaft, wie Erwachsene sich so aufführen können.

Waren Sie überrascht, als bekannt wurde, dass der Mord an Paolos Cousin Maurizio Gucci von dessen Ex-Frau in Auftrag gegeben wurde?


Überrascht war ich nicht, aber schockiert. Die Guccis sind alle sehr temperamentvoll, man wusste nie, was passieren würde.

Das haben auch Sie zu spüren bekommen - nach der Scheidung zahlte Ihr Ex-Mann keinen Cent für Sie und Ihre Tochter.
Das stimmt. Er wollte mich verhungern lassen. Ich musste Schmuck und Bilder verkaufen, um mir Lebensmittel und das Schulgeld für Gemma leisten zu können.

Tragen Sie heute noch Gucci?


Oh ja. Ich besitze drei wunderbare Vintage-Taschen und zwei Paar Schuhe. Die Kleider kann ich leider nicht mehr anziehen, sie sind für Size Zero gedacht.

Können Sie sich vorstellen, noch einmal zu heiraten?


Nein, danke. Ich schätze meinen Frieden und meine Ruhe.

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