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Was macht eigentlich...: ...Hans Blum?

Der erfolgreiche Schlagerkomponist, Texter und Produzent landete 1977 auch als Sänger "Henry Valentino" einen Ohrwurm: "Im Wagen vor mir..."

Herr Blum, nach so langer Zeit können Sie es verraten: Lief damals etwas mit der jungen Dame? Haben Sie sie wiedergesehen?

Welche junge Dame?

"Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen. Sie fährt allein, und sie scheint hübsch zu sein ..."

Die Wirklichkeit ist oft weniger romantisch als der deutsche Schlager. Es muss 1976 gewesen sein. Ich stehe im Stau, vor mir eine Ente, darin ein verdammt attraktives Geschöpf, soweit ich das von hinten sehen kann. Ich ziehe rüber auf die linke Spur, lächle in die Ente hinein - und am Steuer sitzt ein großer Mann mit wallendem Haar. Sie werden verstehen, dass ich kein Interesse an näherem Kontakt hatte.

Immerhin: Inspiriert durch diese Begegnung, haben Sie der Welt einen der eingängigsten Refrains geschenkt…

…ratamratamlarataratam. Ursprünglich hatte ich den ganz anders geplant, als swingige Einlage: dipdidudeldadeldapap. Meine Frau hat dann gemeint, das sei zu kompliziert, ich solle es doch mit ratamratamlarataratam versuchen. Was soll ich sagen? Sie hatte Recht.

Sie feiern im Mai Ihren 77. Geburtstag. Treten Sie immer noch als Sänger auf?

Ich reiße mich nicht drum, ich habe keinen Manager, kein Faxgerät, kein Internet. Aber es kommen immer noch Anfragen. Heute hat die ARD angerufen und mich für "Deutschlands größte Hits" engagiert, die Jörg Pilawa im Juni moderieren wird. Und Sat 1 hat mich eingeladen zu Hugo Egon Balders "Die Hit Giganten". Ich mit meinen 1,68 - ein Gigant!

Und wieder singen Sie Ihr Lied vom schönen Mädchen. Dabei haben Sie so viel mehr komponiert: "Siebenmeilenstiefel" für Graham Bonney, "Beiß nicht gleich in jeden Apfel" für Wencke Myhre. Und "Zigeunerjunge", mit dem Alexandra zum Star wurde.

Das war ein Glücksfall. Eine Zigeunerin klingelte an unserer Tür. Sie hausierte mit Teppichen und hatte einen dicken Bauch, das Kind muss bald darauf zur Welt gekommen sein. Ich habe dann das Lied geschrieben. Als Alexandra mich wenig später besuchte, lag das Notenblatt auf dem Flügel. Sie bat mich, ihr das Lied vorzuspielen. Es gefiel ihr so gut, dass sie ihre Gitarre auspackte, mitsang und sagte, davon möchte sie eine Platte aufnehmen.

Worauf kommt es an beim Komponieren?

Man braucht einen Einfall. Eine Melodie, die in den Ohren der Menschen hängen bleibt, ohne kitschig zu sein. Ich bereite gerade meine nächste Platte vor. Da denke ich nicht ständig: Du musst jetzt einen Hit schreiben. Ich gehe mit dem Bauch ran. Das Lied muss mir selbst gefallen.

Sie waren als Komponist viermal beim Grand Prix vertreten, zuletzt 1986 mit Ingrid Peters und "Über die Brücke geh'n". Öfter dabei war nur Ralph Siegel. Haben Sie dieses Jahr die Vorausscheidung gesehen?

Mir wurde ganz schwindelig: Laser, Pyrotechnik, schnelle bunte Bilder - das alles hat die Musik völlig überlagert. Bei mir ist keine einzige Melodie hängen geblieben.

Und jetzt der Skandal um Gracia: Ihr Manager soll durch Massenkäufe die Charts manipuliert haben, damit sie an der Vorausscheidung teilnehmen kann.

Dass bei den Charts geschummelt wird, wurde schon immer kolportiert. Ich kann nur sagen: Meine Platten haben sich auch ohne Tricks ganz gut verkauft.

Welche jungen Bands gefallen Ihnen? Wir sind Helden? Silbermond? Juli?

Vom Namen her gefällt mir Fettes Brot am besten. Da muss ich immer an die Zeit kurz nach dem Krieg denken: Was haben wir uns damals gefreut über eine Stulle mit ordentlich Schmalz!

Alexander Kühn / print