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Was macht eigentlich...: ...Spencer Elden?

Der heute 14-Jährige ist das vielleicht bekannteste Covermodel der Musikindustrie: das plantschende Baby von Nirvanas "Nevermind".

Wie landeten Sie eigentlich auf dem legendären Albumcover "Nevermind" von Nirvana?

Reiner Zufall. Ein Freund meines Vaters, der Fotograf Kirk Weddle, ist Spezialist für Unterwasseraufnahmen. Kirk bekam von der Plattenfirma den Auftrag, für das Plattencover ein Baby unter Wasser abzulichten. Da fragte er halt meinen Dad, ob ich als Model fungieren könnte.

War das Shooting kompliziert?

Die Aufnahmen entstanden im Freibad von Pasadena. Mein Dad hat mir zunächst kräftig ins Gesicht gepustet, das löst bei Babys einen Reflex aus, der bewirkt, dass sie nicht mehr schlucken; danach haben sie mich ins Wasser geworfen. Der Fotograf arbeitete mit einer Spezialkamera, die 18 Aufnahmen pro Sekunde produziert. Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Wäre es allerdings nach Nirvana-Sänger Kurt Cobain gegangen, hätte das Motiv ganz anders ausgesehen.

Wie denn?

Er wollte eine Frau zeigen, die unter Wasser ein Baby zur Welt bringt. Das hat die Plattenfirma jedoch nicht genehmigt.

Hatten Ihre Eltern keine Bedenken, Sie einfach so ins Wasser zu werfen?

Nein, meine Mutter war mal Schwimmlehrerin, sie wusste, dass nichts passieren kann. Ihre Sorge war mehr, wie die Leute auf das Foto reagieren würden. Schließlich bin ich darauf splitternackt zu sehen.

Na und?

In Amerika ist die Abbildung eines nackten Geschlechtsteils ein Problem, auch wenn es nur das eines Babys ist. Es gab böse Kontroversen deshalb, in manchen Plattenläden wurden Aufkleber über meinem Penis angebracht. Dennoch: Ich war der erste männliche Nackte auf einem Plattencover. Das haben selbst die Rolling Stones und David Bowie nicht geschafft, die wurden von ihren Plattenfirmen zurückgepfiffen, als sie mal Nackte auf ihren Covern zeigen wollten.

Haben Sie die Mitglieder von "Nirvana" persönlich getroffen?

Nein. Kirk Weddle hat auf Wunsch meiner Eltern nie meine Identität preisgegeben. Cobain hat mir dann durch Weddle mal einen Teddy geschickt. Es ist tragisch, wie er gestorben ist. Cobain hatte wohl mentale Probleme, warum sonst jagt man sich selbst eine Kugel durch den Kopf? Ich bin jedenfalls nie ein Nirvana-Fan geworden, stehe mehr auf Underground-Bands wie The White Stripes oder The Killers.

Das Album wurde weltweit zum Megaseller. Haben Sie auch finanziell davon profitiert?

Ich habe kein Geld damit verdient, mal abgesehen von der 150-Dollar-Modelgebühr. Dicke Kohle haben sich andere eingesteckt, vor allem die fetten Erlöse aus dem Verkauf von T-Shirts, Postern, Anhängern, Tassen und was weiß ich noch alles. Aber das ist okay, ich will gar nicht Teil dieser Geldmaschinerie werden; nach der Schule möchte ich auch lieber was Kreatives abseits vom Showbiz machen. Heute finde ich es halt einfach nur lustig, wenn ich Leuten, die mir mit dem "Nevermind"-Foto auf dem Shirt entgegenkommen, sagen kann: "Hey, das auf deinem Bauch bin ich."

Was sagen Ihre Schulkollegen und Lehrer?

Das ist kein Thema mehr. Die meisten haben mir anfangs auch nicht geglaubt. Erst als ich ihnen meine gerahmte Platinplatte gezeigt habe, die ich bekam, als Nirvana nach drei Monaten drei Millionen "Nevermind"-Alben verkauft hatte, hat sich das geändert. Übrigens, ich bin der Jüngste, der je eine Platinauszeichnung in der Musikindustrie bekommen hat. Die Scheibe hängt in meinem Zimmer - wirklich klasse, um Mädchen zu beeindrucken.

Interview: Andreas Renner

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