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Kommentar: Mädels, esst was!

Dünn, dünner, Supermodel - um diese Formel zu brechen, haben sich deutsche Modemacher jetzt verpflichtet, keine Magermodels über die Laufstege zu schicken. Ein richtiger Schritt, meint stern.de-Redakteur Gerd Blank. Konfektionsgröße Null, der modische Traum vieler Designer, empfindet er als optischen Albtraum.

Frauen sind toll und ohne sie wäre die Welt nicht nur halb so schön, es würde die Welt nicht mehr geben. Selbst wenn wir Männer in der Lage wären, durch Selbstbefruchtung Söhne auf die Welt zu setzen, hätten wir uns schon längst die Köpfe eingeschlagen oder würden noch immer in Höhlen hausen. Nur weil es Frauen gibt, haben wir Männer gelernt nett zu sein und Liebeslieder zu schreiben. Es gibt nichts Schöneres, als eine Frau anzuschauen, die sich wohl fühlt und glücklich ist, die mit leuchtenden Augen auf dem Laufsteg der Welt durchs Leben geht.

Doch sobald ich einen Blick auf die Laufstege der großen Modeschauen werfe, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mir gerne Frauen anschaue. Oder besser: Ob ich da überhaupt Frauen sehe. Es scheinen ganz neue Wesen zu sein, die die mal mehr und mal weniger gelungenen Kleidungsstücke an ihren knochigen Körpern tragen. Wie halten die Stoffe bloß? Ein Dekolleté ist nicht vorhanden. Bei diesen Superdünn-Models wirkt dieser Schaukelgang, den Heidi Klum den Laufstegaspirantinnen ja bereits in drei Staffeln ihrer Selbstvermarktungsserie beigebracht hat, ein wenig animalisch. Der ausgemergelte Kopf auf dem dünnen Hals, wallende Kleider und ein Gang, der Hüftschwung-Meister Elvis Presley vor Neid erblassen ließe - es ist, als ob eine Katze auf der Pirsch ist. Nicht umsonst heißen diese paar Meter wohl auch Catwalk.

In Domina Klums Model-Knast haben wir gelernt, wie hart das Business ist und was man alles lernen muss, um ganz oben mitzulaufen. Und was man am besten schnell vergisst - nämlich den gesunden Menschenverstand. Wer nach dem Motto dünn, dünner, Model lebt, hat den Schuss nicht gehört. Diese Mädels ruinieren ihren Körper, weil Modeschöpfer, die sich - rein sexuell - überhaupt nicht für Frauen interessieren, sie in viel zu kleine Leibchen zwängen. Glauben die wirklich, dass das hübsch ist? Natürlich, es werden Träume verkauft, auf mich wirken die Gestalten aber eher wie meine schlimmsten Albträume.

Ich stelle mir dann vor, wie um mich herum nur noch Watte essende Frauen herumlaufen, die sich schon den Finger in den Hals stecken, wenn sie versehentlich eine Fliege verschluckt haben. Ganz schlimm wird der Traum, wenn ich mir einen gemeinsamen Urlaub vorstelle und den Hungerhaken im Bikini vor mir sehe. Oder Abends beim romantischen Dinner, wenn auf ihrem Teller ein halbes Salatblatt liegt.

Bitte, liebe Mädels, versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht, dass Ihr wie bei "Supersize me" nur noch das XL-Burger-Menu esst. Aber wenn ihr Eure Fingernägel an den Rippen feilen könnt, habt Ihr es eindeutig übertrieben. Das ist nicht sexy - und falls Euch dieses Etikett nicht interessieren sollte - das ist auch nicht gesund. Also Ihr jungen Dinger, esst lieber einmal etwas, macht Euer Abitur nach und lernt etwas Anständiges. Wie wäre es mit Modedesign? Dann könntet Ihr doch mal versuchen uns Männer in Klamotten zu stecken, die fünf Nummern zu klein sind. Sähe das nicht unglaublich... beknackt aus? Na also.