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stern-stimme Marie v.d. Benken: GNTM-Philosophie à la Christina: "Mein großer Vorteil bin ich selbst"

Rosenkrieg, Christinas Figur-Fiasko, Top-Designer wie Gaultier und Lidl und der Fauxpas des Jahres durch Günther Klums Agentur "ONEeins fab". Das Halbfinale bei "Germany's Next Topmodel".

Von Marie von den Benken

Halbfinale bei GNTM

Heidi inmitten ihrer Top 5 - am Ende musste eine Kandidatin gehen. Und es war nicht Christina, so viel sei verraten.

Während die Fanbase noch hadert, weil GNTM ohne Klaudia mit K wie TV mit L wie Langeweile ist, machen sich die verbliebenen Kandidatinnen ungerührt fit fürs Halbfinale. Noch bevor fünf Minuten rum sind, hat Christina sich auf ihrer ohnehin recht ramponierten Sympathie-Skala bereits von einem "Sandro Wagner vs. Jogi Löw" zu einem ausgewachsenen Kim Jong-Un hochgearbeitet:

  • "Klar ist Jennifer hübsch, da guckt man schon hin, aber bei mir guckt man länger hin!"
  • "Mein großer Vorteil bin ich selbst"
  • "Ich habe mich hier doch nicht als Teamplayer beworben!"

Wenn es mit dem Titel nicht klappt, kann sie in jedem Fall auf Youtube Karriere machen und mit Tutorials wie "Deutschlandweit unbeliebt in unter zehn Minuten" Follower-Millionärin werden. Als Schauspielerin wird es nämlich nicht klappen. Im Trailer für Epilierer klingt sie im Werbeblock etwa so wie Boris Becker, wenn er spontan ein Gedicht von Rilke aufsagen soll. Aus dem Kopf. Betrunken. Auf serbokroatisch.

Sehen Sie im Video: "Arrogante GNTM-Kandidatin? So fies lästert Twitter über Finalistin Christina"

GNTM: Twitter hasst Kandidatin Christina


Wüste Posen

Nach den Fremdschäm-Festspielen geht es dann in die Mojave-Wüste. Dort hat "Harper's Bazaar" das Set fürs Covershooting aufgebaut. Traditionell produziert der Titelblatt-Partner Fotos aller Halbfinalistinnen auf Vorrat. Vier Bilder werden weggeschmissen, eines schafft es auf das Cover. Julianna ist sogar jetzt schon zufrieden. Mit Toni und Jennifer steht sie etwas abseits, beobachtet Pias Shooting und philosophiert: "Wir können stolz sein, wir haben 45 Mädels ausgestochen!" Als wären die bislang auf der Strecke gebliebenen Ex-Kandidatinnen Weihnachtsplätzchen. Obwohl, ausgestochen? Im Fall von Christina wohl eher abgestochen. Die berichtet von ihrem Shooting: "Der Fotograf hat mein Gesicht geliebt" und "Ich würde sagen, ich bin die Beste!" Alles wie immer also.

Lidl ist das neue Chanel

Bevor die Mädchen für das Finale bekannt gegeben werden, möchte Heidi die Top 5 belohnen. Auf eine Art, wie es sich jede junge Frau nur wünschen kann: Alle bekommen einen Karton voller Klamotten aus der Heidi-Klum-Kollektion für das Discounter-Designhaus Lidl. Für diese Momente ist die Einblendung "Unterstützt durch Produktplatzierung" erfunden worden. Und natürlich für die völlig menschliche Reaktion der Mädchen, im Angesicht der 500 Kleidungsstücke für je 2,40 Euro kreischend auszurasten, als hätte Bergisch Gladbachs berühmteste Plusquamperfekt-Expertin ihnen gerade einen Scheck über 15 Millionen Dollar und den Weltfrieden versprochen.

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Im IZAKAYA Hamburg treffe ich unter der Woche übrigens zufällig Turid Reinicke, die Chefredakteurin der Deutschen "Nylon". Sie hat vor einigen Wochen bei GNTM ein Karaoke-Casting veranstaltet, um ein Mädchen für ihr "Nylon"-Cover zu finden. Covergirl durch Karaoke. In der nächsten Staffel veranstaltet "Nylon" dann einen Kochkurs, um die beste Sängerin zu finden. Natürlich nutze ich die Chance und entlocke Turid ihren Gewinner-Tipp: Sie setzt auf Toni.

Aber egal, welches Mädchen es am Ende auf das Cover der "Harper's Bazaar" schafft, Lena Gercke hat ihr einiges voraus. Die Siegerin der Premieren-Staffel 2006 blickt auf zwölf Jahre Erfahrung, einen Fußball-Nationalspieler sowie eine Karriere als Model, Designerin und Moderatorin zurück – und den Knebelvertrag mit Günther Klum ist sie auch schon lange los. Dahin müssen Toni, Julianna, Christina, Pia und Jennifer erst noch kommen. Eigentlich wollte ich Lena ebenfalls nach ihrer Favoritin für das Finale fragen. Ich habe sie diese Woche dafür extra bei der Präsentation ihrer Bikini-Kollektion "LeGer" für AboutYou besucht. Dann war sie aber größer und hübscher als ich und da hatte ich dann auch keine Lust mehr.

Vici vs. ProSieben

Apropos lustlos. Ex-Kandidatin Victoria, dieses Jahr immerhin Elfte der Staffel und Gründungsmitglied der legendären Gucci Gang, hat keinen Bock mehr auf GNTM. Der Sonnenschein aus Wien zettelt unter der Woche einen Rosenkrieg mit ProSieben an. Den Fashion-Ikonen von "T-Online" verrät sie: "Ich habe keine Lust, mich so dermaßen zu verkaufen, wie sie es geplant hatten." Bei GNTM mitmachen und sich dann wundern, als Produkt vermarktet zu werden. Genau mein Humor. Als nächstes meldet sich dann Marie Wegener und beschwert sich, weil sie nach dem DSDS-Sieg jetzt dauernd singen muss.

ProSieben lässt das Ganze allerdings nicht so einfach auf sich sitzen. Die Shitstorm-Magneten aus Unterföhring kontern mit der Feststellung, "die Zusammenarbeit war nicht so professionell, als dass wir Victoria zum Finale einladen können". So uneinig, wer jetzt eigentlich mit wem Schluss gemacht hat, waren zuletzt nur Helena Fürst und Ennesto Monté. Helena wer? Ennesto? Genau. Gegen das "Sommerhaus der Stars"-Promi-Fallobst ist sogar Victoria Kate Moss.

Wie ich Victoria kenne, wird sie diese Retourkutsche von ProSieben souverän retournieren. Vermutlich lässt sie sich gerade in einem Londoner Hotel mit GNTM-Trikot und dem Aufdruck "Klum" neben Recep Erdoğan ablichten, signiert mit "Für meinen Modelvater". Victoria Pavlas – der Mesut Özil von GNTM. Obwohl, Özil darf ja nach Russland, während Pavlas es nicht mal bis Düsseldorf schafft.

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Size Zero Eklat

Zum Halbfinal-Walk treten die Mädchen dann in Jean-Paul Gaultier Haute-Couture-Kostümen an. Backstage nimmt direkt ein lupenreines Size-Drama seinen Lauf. Christinas Hintern ist zu groß für das vorgesehene Kleid. Also soll sie mit Julianna das Outfit tauschen. Die ist nicht begeistert. Hat sie sich doch "in mein Kleid verliebt". Schnell ist sie aus dem Schneider. Das Schicksal meint es nicht gut mit der selbsternannten Top-Favoritin: Christina passt das Kleid von Julianna ebenfalls nicht. Willkommen in der Model-Realität. Haute-Couture-Kleider und Samples sind in Größe 32 und 34. Wer nicht reinpasst, kann wichtige Catwalks vergessen. Das muss man nicht gut finden. Aber so wollen es die großen Designer. Noch (Achtung!) dicker kommt es beim Elimination-Walk. Christina stolpert. "Einige Holpler", konstatiert Klum nüchtern. Ausgerechnet.

Christina ist sich weiterhin sicher, ein Model zu sein, das es "kein zweites Mal gibt". Fast ist man geneigt zu sagen: Zum Glück! Kaum vorstellbar, dass im Finale ein Pfeifkonzert bei ihr ausbleibt. Im TV wird man davon allerdings nicht so viel mitbekommen. ProSieben zeigt die Show wieder nur quasi-live, mit einer halben Stunde Versatz. Zeit genug, um Flitzer, Busenblitzer oder Blackouts von Heidi Klum rauszuschneiden. Oder halt einen Orkan aus Buh-Rufen.

It's a Family Affair

Um es noch emotionaler zu machen, zieht ProSieben für die Verkündung der Finalistinnen erstmals die Familien der Mädchen hinzu. Tränenmeer vorprogrammiert. Als erstes wird Tonis Familie zugeschaltet. Sie zieht ins Finale ein. Nach ihr hört auch Pia die gute Nachricht. Und auch Christina bekommt das Ticket. Am Ende heißt es Jennifer gegen Julianna. Julianna darf nach Düsseldorf, Jennifer scheidet aus.

Die Vollprofis bei Günther Klums GNTM-Agentur "ONEeins fab" geben das übrigens schon um kurz nach 21 Uhr, also etwa 1,5 Stunden vor der offiziellen Verkündung bekannt. Der monatelang aufgebaute Spannungsbogen verpufft wie die WM-Hoffnungen von Mario Götze. Ich möchte nicht Günther Klum sein, wenn morgen der Vorstands-Vorsitzende von ProSieben anruft und nachfragt, ob er seine Mitarbeiter nach dem Kriterium auswählt, wer am häufigsten vor Türrahmen gelaufen ist.

Eine Woche also, bis wir wissen, wer "Germany's Next Topmodel" wird. Die Macher der "Harper's Bazaar" beten bereits seit Wochen, es möge nicht Christina sein. Mit ihr auf dem Cover sind Erfolgszahlen etwa auf dem Level einer Sat.1 Sendung mit Carsten Maschmeyer zu erwarten. Also so etwa 120 Menschen. Die 100 Exemplare, die Christina selber kaufen würde, einberechnet. Spannung ist also bis zum Finale garantiert!

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie


Sehen Sie im Video: "Warum der Topmodel-Titel eher Fluch als Karriere-Turbo ist" 

Germany's Next Topmodel