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Die Foodprobe: Ich habe versucht, Cola selbst zu machen - die Reaktion meiner Freunde war ernüchternd

Cola selber machen? Kein Problem: Dauert drei Stunden und kostet 30 Euro für 40 Liter. Nur mit den Erfolgsaussichten ist das so eine Sache. Aber den Versuch war's wert.

Von Ferdinand Dyck

Cola

Cola wurde im Jahr 1886 von einem Amerikaner namens John Stith Pemberton erfunden

Wer der King ist, entscheidet die Perspektive. Ich zum Beispiel schaue jedes Bundesliga, verstehe aber nichts von Fußballtaktik. Wenn ein Kumpel in der Kneipe ruft: "Mann, die müssen aufrücken!", denke ich mehrere Minuten darüber nach. Ich verehre seinen Sachverstand. Meine Inkompetenz macht ihn für mich zum Fußballgott.

Ich hingegen kann kochen. Dafür bewundern mich meine Freunde. Sie fragen mich beim Zwiebelschneiden fünfmal, ob die Würfel die richtige Größe haben. Egal, was ich ihnen vorsetze, sie loben mich. Das war immer so. Dann habe ich Cola gekocht.

Cola: Das Rezept ist ein großes Geheimnis

Cola erfand im Jahr 1886 ein Amerikaner namens John Stith Pemberton. Er verarbeitete das Pulver der koffeinhaltigen "Kolanuss" – das ist der Samen des afrikanischen Kolabaums – mit Koka-Blättern, verschiedenen Gewürzen und Zucker zu Sirup, verdünnte den mit Sprudelwasser und verkaufte das Ergebnis als "Coca-Cola". Aus dem Rezept, das längst kein "Coca" mehr enthält, wird heute ein großes Geheimnis gemacht. Was daran liegen mag, dass viele Zutaten mit der Zeit durch billige Substitute ersetzt wurden; die großen Hersteller arbeiten zum Beispiel heute mit günstigem Koffein, das bei der Herstellung von entkoffeiniertem Kaffee übrig bleibt.

Ich lächle müde und bestelle mir für 15 Euro ein Kilo Kolanusspulver. Ein komisches, braunes Zeug, es schmeckt hölzern und muffig, macht aber wach. Aus mehreren Cola-Rezepten stelle ich mir ein Best-of zusammen: Zitronen, Limetten, Zimtstangen, Vanilleschoten, Lavendelblüten, Sternanis, Piment, Ingwer und Zitronensäure. Ich koche alles in Wasser auf, siebe es, gebe Zucker hinzu und filtere den Sirup durch ein Küchenhandtuch. Das Ergebnis schimmert hellbraun (schwarz ist Supermarkt-Cola nur, weil sie mit Zuckercouleur gefärbt wird) und riecht nach Cola. Ich lasse eine Freundin testen. Dann spüle ich, scheinbar in Gedanken, die klebrigen Töpfe und warte auf ihr "Mhhh suuuper!". Weil es immer kommt.

Diesmal nicht. Nicht in der Küche. Nicht in den Wochen danach. Ich setze den Sirup meiner Mutter vor. Sie liebt mich, das weiß ich, doch als sie meine Cola probiert, wechselt sie das Thema. Ich schleppe vier Liter auf das jährliche Treffen mit Kollegen. Selbst die Antialkoholiker rühren das Zeug nicht an.

Mit Charakter, in Handarbeit, voller Liebe

Klar, meine Cola schmeckt nicht wie die aus dem Supermarkt. Die Zimt- und Lavendelaromen sind intensiver, dafür habe ich weniger Zucker verwendet. Aber das ist doch verdammt noch mal die Idee: selbst gemacht, mit Charakter, in Handarbeit, voller Liebe!

Die Enttäuschung, die meine Cola den Menschen in die Augen treibt, ist mir neu. Ein Rätsel. Dann verstehe ich: Die anderen sind rein perspektivisch gesehen kulinarische Idioten. Ich trinke meine Cola gerne. Obwohl ich Cola eigentlich nicht mag.

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