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Meinung

Erst angezickt, dann abserviert: Der "Bachelor" als Bauernopfer: So offensichtlich war die Show noch nie gescriptet

Eine Folge, drei Verlierer: Gegen Ende der aktuellen "Bachelor"-Episode wurde es ziemlich peinlich für Andrej, für die auf Krawall gebürstete Kandidatin Isabell – und für den Zuschauer, der selten so dreist für dumm verkauft wurde.

Der Bachelor-Kandidatinnen

Fernsehformate wie "Der Bachelor" haben ein großes Problem: Ständig muss sich der trash-affine Fan fragen, wie fake die ganze Veranstaltung eigentlich ist. Wie viele Finger die Produzenten im Spiel haben, wie viele Situationen und Eskalationen manipuliert sind und welche Emotionen vorher haarklein ins Drehbuch geschrieben wurden.

Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass nicht alles, vielleicht sogar nicht viel, vielleicht auch gar nichts dem Zufall überlassen wird. Aber so offensichtlich wie in der aktuellen "Bachelor"-Folge hat RTL wahrscheinlich noch nie in die Dramaturgie eingegriffen. Zumindest sind wir in der Redaktion fest davon überzeugt. 

"Der Bachelor": Zoff in der "Nacht der Rosen"

Grund: Das Streitgespräch zwischen Bachelor Andrej und Kandidatin Isabell in der "Nacht der Rosen" – und die Folgen. Isabell stellt Andrej zur Rede, weil dieser für ihren Geschmack zu eng mit Kandidatin Steffi getanzt hat: "Ich dachte, das hier heißt 'Bachelor sucht eine Frau', nicht 'Bachelor sucht einen Bauer'", lautet dazu ihre so uncharmante wie grammatikalisch ungenaue Beobachtung, die Andrejs Gesicht in ein relativ fassungsloses Feld verwandelt.

Der Bachelor

"Bachelor sucht Bauer(n)"? Bei Rosenkavalier Andrej und Kandidatin Isabell herrscht Diskussionsbedarf

Aber Andrej wäre nicht der "Ehrenmann", als den unsere Kollegin Wiebke Tomescheit ihn in ihrer TV-Kritik so treffend bezeichnet, würde er sich nicht ruckzuck wieder fangen und Isabell kräftig Kontra geben. Ob sie nicht gerade noch auf der Tanzfläche der Villa getwerkt habe, kontert er die Kandidatin, und ob es nicht ziemlich "anbietend" sei, wenn man vor laufenden Fernsehkameras den Hintern schüttele.

Alles Quatsch, vermittelt Isabells Reaktion auf den Vorwurf, schließlich sei Twerken in den USA ein Sport, und von einem persönlichen Angriff auf Steffi will sie auch nichts wissen: "Ich hab sie nicht krass beleidigt, ich hab ja nicht gesagt, dass sie tanzt wie eine Schlampe!"

So weit, so albern alles. Trotzdem macht Andrejs angewiderte Reaktion Eindruck bei uns. Er scheint so gar keine Lust auf Isabells Attitüde zu haben, macht ihr das auch ziemlich deutlich, und spätestens in dem Moment, als sie ihm zu verstehen gibt, dass er so gar nicht ihr Typ sei, scheint alles klar zwischen den Beiden. Welcher Dame, wenn nicht Isabell, wird Andrej an diesem Abend keine Rose geben?

Aber dann kommt alles ganz anders, allerdings selbst für "Bachelor"-Verhältnisse ein bisschen ZU anders: Seine allerletzte Rose behält Andrej sich tatsächlich für die Frau auf, die er kurz zuvor noch angeguckt hat wie eine Krankheit. "Ehrlich gesagt, erlebe ich es nicht so oft, dass mir eine Frau ihre Meinung direkt ins Gesicht sagt", faselt er dazu. "Ich bin gespannt, ob das nur ein emotionaler Ausritt war oder du dich mir gegenüber noch von einer anderen Seite präsentieren kannst."

Eine Abfuhr aus dem Drehbuch

Die grenzdebile Begründung reicht Isabell nicht aus. Sie erteilt Andrej eine Abfuhr wie aus dem Drehbuch (im wahrsten Sinne des Wortes) und lässt ihn für den Moment aussehen wie den größten Trottel der Formatgeschichte – der er definitiv nicht ist, und wir können die Bauchschmerzen nur erahnen, die ihm der Auftrag, Isabell trotzdem eine Rose anzubieten, gemacht hat.

Gescripteter kann selbst eine "Bachelor"-Szene kaum sein. Und so präsentierte uns die zweite Folge der neuen Staffel gleich drei Verlierer: die respektlose Isabell, den wider Willen gehörnten Bachelor – und den Zuschauer, der selten so dreist für dumm verkauft wurde.

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