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"The Florida Project": Disneyworld für Arme: Dieser Film wird dir das Herz brechen - ehrlich!

Scheiße, so sieht Armut aus: "The Florida Project" ist bunt, witzig, tragisch, herzlich und unglaublich traurig zugleich. Das liegt vor allem an den extrem guten Hauptdarstellern. Eine von ihnen ist erst acht Jahre alt.

The Florida Project

Wo hat Regisseur Sean Baker nur diese grandiosen Kinder-Schauspieler gefunden? Das ist das Erste, das ich mich frage, als ich nach "The Florida Project" das Kino verlasse. So rotzfrech, so lebendig, so verdammt echt spielt sich die erst achtjährige Brooklynn Prince als Hauptfigur Moonee durch den Film. Mal ist sie unglaublich nervig, mal unfassbar niedlich - so wie viele Kinder eben. Es sind ihr Witz und ihre Fantasie, die ihr eigentlich trauriges Leben faszinierend wirken lassen. Denn Moonee und ihre junge Mutter Halley (Bria Vinaite) sind so gut wie obdachlos.

Ihre Welt ist ein heruntergekommenes Motel am Rande des Highways zu Disneyworld in Florida. "Magic Castle" heißen die Häuser zum Beispiel, die pastellfarbene Farbe bröckelt von den Fassaden und sie haben rein gar nichts mit der echten Märchenwelt gleich nebenan zu tun. Woche für Woche versucht Halley, das Geld für das schäbige Minizimmer von ihr und Moonee aufzutreiben, alle paar Monate müssen sie umziehen - feste Mieter sind nicht erlaubt. Dabei ist das Motel voll mit Familien wie dieser, hinter jeder Tür wohnt ein neuer Spielkamerad für Moonee, lebt ein potentieller Babysitter. Der knurrige aber herzensgute Hausverwalter Bobby (Willem Dafoe) wacht über alle wie ein strenger Vater.

The Florida Project

Einfach großartig: Bria Vinaite als alleinerziehende Mutter Halley, Brooklynn Prince als Moonee.

Picture Alliance

"The Florida Project" wurde an Original-Schauplätzen gedreht - die Story steht für viele Schicksale

Dafoe wurde für seine Rolle für einen Oscar nominiert - Prince und Vinaite hätten es mindestens ebenso sehr verdient gehabt. Also: Wo hat Regisseur Sean Baker diese Schauspiel-Talente hergezaubert?  Moonees beste Freundin Jancey (Valeria Cotto) sprach er zum Beipspiel kurzerhand in einem Supermarkt in der Nähe des Drehorts an. Auf Vinaite ist er durch ein Instagram-Video aufmerksam geworden - die 23-Jährige stand vorher noch nie vor der Kamera. Nur Prince kam klassisch über eine Castingagentur.

"Wir sind sehr journalistisch an den Film herangegangen", sagte der Regisseur der Zeitschrift "GQ". Schon Wochen vorher besuchte er die Motels im kleinen Örtchen Kissimmee, die es wirklich gibt. Er sprach mit den Bewohnern, freundete sich mit den Kindern an - und bekam so Inspiration für das Drehbuch. Für viele Familien ist das Schicksal im Film harte Realität. Doch Baker zeigt die Welt hauptsächlich aus der Sicht von Moonee und dadurch wird selbst die größte Bruchbode zum endlosen Abenteuerspielplatz.

"The Florida Project" ist kein Film mit ständigen Plot-Twists oder großen Gesten. Stattdessen zeigt er die kleinen Momente, lässt seine Protagonisten mal in gutem, mal in schlechten Licht erscheinen. Hinterher weiß jeder: Scheiße, so sieht Armut aus. Und der Film bricht dir das Herz.

"The Florida Project" läuft seit dem 15. März in den deutschen Kinos

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?