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Kommentar

Erster Rapper ever: Kendrick Lamar gewinnt den Pulitzer-Preis – und das ist eine verdammte Sensation!

Kendrick Lamar ist der erste Rapper, sogar der erste Popstar aller Zeiten, der den Pulitzer-Preis erhält. Mitten in der unseligen Ära Trump ist das nicht nur die Würdigung eines Ausnahmekünstlers, sondern ein wahnsinnig wichtiges Statement.

"Damn." So heißt das Album von , für das er jetzt den Pulitzer-Preis erhalten hat. Völlig zu Recht, denn wie die Vorgänger "Good Kid, M.a.a.d. City" und "To Pimp A Butterfly" ist die Platte ein Meilenstein des HipHop, mit dem der 30-Jährige die Kunstform des Rap auf eine neue Stufe hebt. Lamar ist der begnadetste Lyriker unter den MCs seit The Notorious B.I.G. und gehört deshalb gerne und dringend auch mit dem wichtigsten US-amerikanischen Literaturpreis ausgezeichnet.

"Damn!", möchte man ob dieser Meldung aber rufen, weil sie trotzdem eine verdammte ist in den unseligen Zeiten der Ära Trump. Die Pulitzer-Jury, die in diesem Jahr außerdem journalistische Leistungen rund um die Weinstein-Enthüllungen in Hollywood sowie die russische Einflussnahme während des US-Wahlkampfs auszeichnete, ist sich der Signalwirkung bewusst. Deshalb ist ihre Entscheidung nur noch höher zu bewerten als nur unter berechtigten künstlerischen Gesichtspunkten.

"Dramatischer kultureller Durchbruch"

In einer Zeit, in der es in den Vereinigten Staaten gefühlt an jeder Straßenecke brennt, in der ein reaktionärer Präsident höchstpersönlich wieder für ein bisschen mehr "White Supremacy" sorgen will im Anschluss an die ach-so-liberalen Obama-Jahre, wird ausgerechnet ein schwarzer Rapper aus Compton auf das höchstmögliche intellektuelle Podest gehoben. Der englische "Guardian" schreibt deshalb von einem "dramatischen kulturellen Durchbruch".

Denn Lamar ist nicht nur der erste HipHop-Künstler, dem diese Auszeichnung zuteil wird, er ist auch der erste Popstar überhaupt. Bisher wurden nur Interpreten aus dem Bereich des Jazz und der klassischen Musik mit dem Pulitzer-Preis geehrt. So wird der Preis zum wahnsinnig wichtigen politischen Statement.

Wie Kendrick Lamar eine These von Jay-Z belegt

Jay-Z sagte kürzlich im Netflix-Interview mit David Letterman, Trump zwinge die Menschen wieder zur Konversation und dazu, sich zu verbünden und gemeinsam zu arbeiten. Weil er eine hässliche Seite Amerikas zum Vorschein bringe, von der viele geglaubt hatten, sie wäre verschwunden. Deshalb halte er die Trump-Administration für eine "großartige Sache".

Für diese These könnte es keinen besseren Beleg geben als den Pulitzer-Preis für Kendrick Lamar.