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Kolumne

Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Du bist nicht 14 und ich nicht Dr. Sommer: Wenn Singles Beziehungsratschläge geben

In unserer neuen Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben die NEON-Singles über alle Tücken, die das ledige Leben so mit sich bringt. Heute: Wie gibt man als Single anderen Leuten Beziehungsratschläge?

Zwei Freundinnen liegen auf einer Motorhaube

Freunde sind dafür da, um mit ihnen über alles zu reden

Unsplash

Es ist irgendein Samstagabend, ich sitze im WG-Zimmer meines besten Freundes und wir reden über Dinge, über die Männer eben reden: Kunst, Geld und – natürlich – Frauen. Mit wem er gerade schreibt, wie sein Date diese Woche war und wie man das alles denn nun am besten anstellt mit "den girls".

Es ist eine Nacht von Dienstag auf Mittwoch, irgendwann im Herbst, irgendwann gegen zwei Uhr. Ich schlafe schon, meine beste Freundin ruft an, sie hat Stress mit ihrem Freund. Im Verlauf des Gesprächs wird sie mehrmals anfangen zu weinen, immer wieder fragen, was sie denn jetzt machen soll, und ich werde immer weniger wissen, was ich darauf antworten soll.

Es ist fast jeder Tag, mein Mitbewohner macht mich zu seinem persönlichen Beziehungsexperten. Ich soll ihm sagen, was er seiner Freundin schenken soll oder wann der richtige Zeitpunkt zum Zusammenziehen ist.

Warum fragt ihr ausgerechnet mich?

Und ich, seit – lasst mich kurz nachrechnen – ungefähr ewig und drei Tagen Single, habe keine Ahnung. Leider bin ich für solche Themen wirklich der vollkommen falsche Ansprechpartner. Was meine Freunde wie gesagt nicht daran hindert, ständig ihre Nicht-Single-Probleme mit mir diskutieren zu wollen. In den meisten Fällen habe ich keine gute Antwort darauf. Es ist so, als würde man mit einem Blinden seine Wohnung einrichten wollen.

Manchmal, wenn ich etwas selbstmitleidig drauf bin, rate ich ihnen, es einfach anders zu machen als ich, dann wird es schon nicht falsch sein. An anderen Stellen versuche ich, Fragen zu stellen und hoffe, dass mein Gegenüber dadurch selbst auf eine Lösung kommt. Oft spiele ich das Spiel mit und probiere, nach bestem Wissen und Gewissen etwas Konstruktives beizutragen.

Und selten, wirklich nur ganz selten, und ich sage es natürlich nie – aber da denke ich: Warum fragst ausgerechnet du das ausgerechnet mich? Du bist doch nicht 14 und ich bin nicht Dr. Sommer.

Eigentlich ist es für mich eine Ehre, wenn meine Freunde mit mir über ihre Probleme reden und sich für meine Meinung interessieren. Diese Ehrlichkeit, dieses Vertrauen, das ist es, was für mich eine echte Freundschaft ausmacht. Nur fühle ich mich dabei eben ab und zu fehl am Platz. Es ist erstaunlich, wie viel man über Dinge reden kann, von denen man keine Ahnung hat. Und wie sehr man danach den Kopf über sich selbst schütteln kann.

Wir suchen keine Lösungen, wir suchen Zuhörer

Lösungen kann ich meist keine anbieten. Aber muss ich das überhaupt? Ich habe diese Situationen schließlich oft genug andersherum erlebt. Dann erzählte ich stunden-, tage-, wochenlang (und manchmal noch länger) von dem immer gleichen Problem, meine Freunde hörten geduldig zu und sagten hier und da mal was. Nicht alles, was sie sagten, war schlau, aber darauf kam es auch nicht an.

Ich erwarte von solchen Gesprächen keine Lösungen – so klug sind meine Freunde dann wohl doch nicht. Diese ewig wiederkehrenden Dialoge auf Whatsapp, in WG-Küchen, Kneipen oder nächtlichen Telefonaten, mit den ungezählten Wein- und Bierflaschen als stummen Zeugen, dienen eigentlich nur einem Ziel: sich den ganzen Kram einfach mal von der Seele zu reden. Und jemanden zu haben, der ihn sich anhört. Das ist nämlich die größte Wertschätzung, die man einem Freund entgegenbringen kann.

Lest hier die erste Folge der NEON-Singles: "Meine Oma und das Urenkel-Shaming: 'Wann wirst du endlich Mutter?'"

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Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?