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Interview

"Sex ist mir trotzdem wichtig": Ben kann beim Sex keinen Orgasmus haben - so geht er mit der Störung um

Ben ist 36 und hatte beim Sex fast noch nie einen Orgasmus. NEON erzählt er, wie er mit der sexuellen Funktionsstörung lebt.

Ben this Morning

In der britischen Frühstücksfernsehen-Show "This Morning" sprach Ben erstmals nicht mehr anonym über seine Krankheit

Da steht Ben also splitternackt - und mitten in London: vor dem berühmten Riesenrad, an der Themse, auf der Millenium Bridge. Auf Instagram teilt der Brite die Nackt-Schnappschüsse mit seinen Followern, er nennt sich dort "The Naked Professor". Ben will mit seinen provokanten Fotos auf ein Thema aufmerksam machen, das oft tabu ist: Orgasmus-Störungen beim Mann. Denn Ben ist 36 und hatte beim Sex fast noch nie einen Höhepunkt.

Im britischen Frühstücksfernsehen hat er kürzlich erstmals öffentlich darüber gesprochen. "Als ich jung war, konnte ich darüber noch lachen, meine Kumpels beneideten mich sogar um meine Gabe, lange durchzuhalten. Aber als ich dann 30 wurde und über Familie nachdachte, wurde es zum Problem", erzählte er bei "This Morning". Auch alleine gelingt es ihm nur selten, zu ejakulieren.

Etwa fünf Prozent der Frauen können beim Sex nicht zum Höhepunkt kommen, bei Männern ist es nach frühzeitigem Samenerguss und Impotenz das dritthäufigste Sexproblem - obwohl es seltener vorkommt. Die Krankheit hat meist psychologische Ursachen, und Medikamente und Therapien schlagen oft nur schwer an.

So wie bei Ben. Seit seinem Auftritt erreichen ihn zahlreiche Mails von Männern und Frauen, die dankbar sind, dass er das Thema öffentlich angesprochen hat. NEON hat er fünf Fragen zu seiner sexuellen Störung beantwortet.

Hast du das Gefühl, du verpasst etwas, weil du beim Sex keinen Orgasmus hast?

Ja, schon. Aber ich habe recherchiert und es heißt, dass die meisten Menschen nur etwa 20 Prozent ihrer sexuellen Fähigkeiten ausleben. Tatsächlich nutzen also viele von uns das Potenzial nicht ganz aus! Und wenn so viele Menschen noch Luft nach oben haben, fühle ich mich nicht allein. Ich habe vor, mich mit Tantra-Sex zu beschäftigen. Was ich bisher gelesen habe, klingt sehr spannend, zum Beispiel sollen Atem-Übungen einen großen Einfluss haben.

Du hast von Medikamenten bis zur Psychotherapie viel ausgetestet - weißt du mittlerweile, wo das Problem liegt? Und hat sich etwas verbessert?

Nein, es ist unverändert. Ich bin jetzt 36 und mein Testosteron-Spiegel fällt, das heißt, dass die Zeit auch gegen mich spielt. Gleichzeitig erfahren viele ältere Männer noch sexuelle Befriedigung, es muss also nicht so bleiben. Ich merke auch, dass ich mich geistig weiterentwickelt habe. Vielleicht war ich für manche Dinge, die ich ausprobiert haben - wie zum Beispiel Hypnose-Therapie – noch nicht bereit. Ich will weiter offen bleiben, alles versuchen, was mir über den Weg läuft und daran glauben, dass es sich ändern kann. Irgendwann wird alles gut.

Wie fühlt sich Sex für dich an?

Ich würde sagen, es fühlt sich ziemlich normal an, aber eben ohne das gleiche Endergebnis. Ich bin immer noch ein vitaler Mann, der sich nach Sex sehnt und sexuell aktiv sein möchte. Vielleicht ist mein Trieb etwas geringer als beim Durchschnittsmann, weil ich das Endergebnis nicht bekomme - aber Sex ist mir trotzdem wichtig.

Wie gehen deine Partnerinnen damit um?

Ganz unterschiedlich! In manchen Beziehungen war es ein Problem, in anderen gar nicht. Aber natürlich will jede Frau auch ihren Partner befriedigen. Deshalb wollte ich auch immer daran arbeiten, auch wenn es kein großes Thema in der Beziehung war.

Ist es dir schwer gefallen, über das Thema öffentlich zu sprechen?
Ich denke mir mittlerweile, dass ich nichts falsch gemacht habe und mich ja nicht bewusst dafür entschieden habe, keinen Orgasmus zu haben. Wieso sollte ich mich dann schämen? Natürlich ist es ein Tabu-Thema - aber ich bin erwachsen: Sex sollte etwas Natürliches und Schönes in meinem Leben sein. Ich hoffe, dass sich durch meine Offenheit ein natürliches und ehrliches Gespräch ergibt, so als ob man mit neuen Freunden spricht. Deshalb fühlt es sich für mich auch nicht besonders mutig an. 

Im Video: "Hätten Sie's gewusst? Sieben erstaunliche Fakten über den Orgasmus" 

9. Mai: Tag des Orgasmus
sst
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?