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Twitter-Thread: Die dümmsten Dinge, die sich Menschen mit Depressionen anhören müssen

Menschen mit psychischen Erkrankungen können sich häufig einsam und von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Auch wegen des Unverständnisses, das ihnen immer wieder begegnet. Ein Twitter-Feed fragte nun: Was ist das Unsensibelste, was euch je gesagt wurde?

Frau mit Händen vor dem Gesicht

Depressionen können sich sehr einsam anfühlen. Besonders, wenn die Menschen im Umfeld scheinbar nichts verstehen.

Jeder, der schon einmal mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen in Berührung gekommen ist, weiß, dass bei diesem Thema noch immer großes Unverständnis herrscht. "Jetzt stell dich nicht so an", heißt es da gern, oder "Du brauchst einfach mal Urlaub". Die britische Journalistin Hattie Gladwell stellte nun auf die Frage: Was ist das am wenigsten hilfreiche oder unsensibelste, was euch je jemand über eure psychische Erkrankung gesagt hat?" Und die Antworten können einem wirklich kalte Schauer den Rücken hinunter jagen.

Gladwell selbst beginnt die Runde und schreibt: "Mir hat mal jemand gesagt, ich bräuche keine Medikamente, ich bräuchte einfach nur Motivation, um meine psychische Gesundheit wieder auf Vordermann zu bringen." Schön, wenn die Dinge so einfach sind, richtig?

Falsch.

Userin Lady A schreibt: "Ich habe häufig Angstattacken und als sie wirklich schlimm wurden, ging ich zu einer Psychologin, die mir sagte: 'Sie machen sich einfach zu viele Sorgen.' Es ist wohl klar, dass ich nie wieder zu ihr ging." Ernsthaft? 

Und auch Lady As Mutter stieß bei vermeintlichen Experten nicht nur auf Unterstützung: "Meine Mutter fühlte sich suizidal und ging zum Arzt, weil sie sie Angst hatte, dass sie sich umbringen würde. Der Arzt sagte allen Ernstes: 'Kommen Sie in drei Wochen wieder und dann schauen wir mal, wie es Ihnen geht.' Zum Glück nahmen die Sanitäter sie ernster und inzwischen geht es ihr wieder gut."

Twitter-Nutzerin Karen is Percivalsmum fand durch ihre Depression heraus, wer ihre echten Freunde sind, schreibt: "Arzt 1: 'Sie haben eine Opfermentalität. Freundin 1: 'Kopf hoch!' Freundin 2: 'Worüber machst DU dir denn bitte solche Sorgen?' Viele (inzwischen nicht mehr) Freunde: *Grillenzirpen* Super gute Freunde: 'Komm einfach im Pyjama her. Du musst nicht reden. Ich koche dir was.'"

Es gibt mit Sicherheit sehr, sehr viele sehr gute Ärzte, die respekt- und taktvoll mit ihren Patienten umgehen. Höchstwahrscheinlich machen sie sogar den Großteil der Mediziner aus, aber der Therapeut von Joe gehört definitiv nicht dazu: "'Wir haben alle stressige Jobs. Ich habe einen stressigen Job. Wieso glauben Sie, dass Sie besser behandelt werden sollten als der Rest von uns?' Das bekam ich direkt nach meinem Suizidversuch zu hören. Ich habe ihn sogar gefragt, ob er das für besonders hilfreich hält und er sagte: 'Ich bin nicht hier, um Ihnen zu helfen. Sie müssen sich selber helfen.'" Klingt irgendwie nach: Job verfehlt.

Einige Menschen scheinen außerdem den Zusammenhang zwischen Erlebtem und seelischem Heil noch nicht verstanden zu haben, wie der Tweet von Ruth Toynton beweist: "Dass du eine schlechte Kindheit hattest, bedeutet nicht, dass du psychisch krank bist."

Die Mutter von Userin krazedkate-artist hat einen sehr "pragmatischen" Ansatz, wenn es um das Thema Depressionen geht: "Ich sagte: 'Mama, ich bin depressiv.' Und sie sagte: 'Du musst ein paar Kinder bekommen, dann hast du keine Zeit mehr, depressiv zu sein. Du hast einfach viel zu viel Zeit.'" Öööhhhmmm ... das ist bestimmt eine tolle Idee, wenn man sich gerade unsicher ist, ob man überhaupt für sich selbst sorgen kann.

Autorin Grace Timothy bekam einen recht zweifelhaften Rat: "Wenn du aufhörst, darüber zu reden, wirst du es schon einfach vergessen." Sehr wahrscheinlich.

 Sehen Sie im Video: "Macht uns die Stadt wirklich krank?" 


jgs
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