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Interview

Gutes Image im Netz: Tipps vom Karriere-Experten: So verkaufst du dich gut in sozialen Netzwerken

Karsten Borgmann ist Deutschlandchef der Jobbörse Careerbuilder. NEON hat mit ihm darüber gesprochen, wie man sich in sozialen Netzwerken verhalten sollte. Für den Fall, dass Personaler anfangen, einen zu googlen.

Von Lisa Muckelberg

Google sagt, Karsten Borgmann mag Fotografieren und Badminton

Google sagt, Karsten Borgmann mag Fotografieren und Badminton

NEON: 2015 haben Sie in einer Studie herausgefunden, dass 56 Prozent der befragten Arbeitgeber ihre Bewerber in den sozialen Medien überprüfen, Tendenz steigend. In jedem dritten Fall finden sie etwas, was sie vom Einstellen abhält. Wie schätzen Sie die Situation heute ein?

Borgmann: Ich glaube, dass viele Unternehmen mittlerweile eingesehen haben, dass eine komplette Kontrolle aller Bewerber schlichtweg nicht effizient ist. Vielen Firmen fehlen dafür die Ressourcen. Aber gemacht wird es immer noch, wenn auch nicht lückenlos.

Wonach suchen Personaler denn, wenn sie ihre Bewerber googlen?

Klassisch suchen sie ein Stoppschild, einen Grund, warum sie den Kandidaten nicht einstellen sollten. Beispiele dafür wären Drogenkonsum, hetzerische Kommentare oder dass jemand schlecht über Kollegen spricht. Die Suche ist dann erfolgreich, wenn nichts gefunden wird.

Welche Portale nutzen Personaler da?

Einige Arbeitgeber ziehen noch eine klare Linie zwischen privat und beruflich und schauen sich nur Xing oder Linkedin an. Ich fürchte aber, sie sind in der Minderheit. Die meisten wollen rausfinden, wie der Bewerber "wirklich tickt" und suchen dafür natürlich auf eher privat genutzten Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram.

Ist es nicht gefährlich, dass Personaler ihre Bewerber im Internet so persönlich "kennenlernen"? Geht es bei der Suche dann noch um Kompetenz oder nur um Sympathie?

Diese Vermischung ist in der Tat gefährlich, aber auch nicht neu. Es ist das Gleiche mit dem Bild im Lebenslauf: Die Gefahr, dass jemand sagt, "Oh, der ist mir aber unsympathisch, den lade ich lieber nicht ein" , steigt jedoch natürlich mit allem, was man im Internet so findet. Ich fürchte, jeder, der sagt, er fälle Personalentscheidungen total objektiv, lügt. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen das trennen, aber es gelingt sicher nicht immer.

Ist das denn legal?

Eine Auswahl nach politischer Gesinnung, Religion oder Rasse darf es natürlich nicht geben. Allerdings: Wer kann schon nachweisen, weswegen ein Bewerber nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde? Da kann ich den Ball nur an Bewerber zurückgeben. Wer solche Informationen öffentlich stellt, muss damit rechnen, dass sie gelesen werden. Alles andere wäre naiv.

Was empfehlen Sie also? Wie sieht die perfekte Onlinepräsenz aus?

Authentisch. Man sollte die Netzwerke wirklich nutzen und nicht für potenzielle Arbeitgeber aufhübschen, das fällt auf. Und man sollte möglichst klar Freunde vom öffentlichen Kreis trennen. Es muss ja nicht jeder die Bilder aus dem letzten Urlaub sehen.

Kann ich mit meinem Auftreten in den sozialen Medien auch Pluspunkte sammeln?

Natürlich, die Pluspunkte, die es seit jeher gibt, werden durch soziale Medien sichtbarer und einfacher zu belegen. Im Bewerbungsgespräch kann jeder erzählen, wo er sich überall engagiert. Wenn ich sehe, wie er jede Woche vom Sport oder seinem Ehrenamt postet, glaube ich das. Auch wenn es um Kommunikation geht, kann ein aktives Profil beeindrucken.

Wie läuft es bei Ihnen im Betrieb: Überprüfen Sie Ihre Bewerber?

Wir machen das nur bei Bedarf, wenn wir Zweifel an Angaben haben. Stoßen wir dabei auf ein unglückliches Bild an einer Bar, ist das für uns kein Stoppschild. Wenn man ehrlich ist, müsste man solche Bilder ja bei jedem zweiten Bewerber finden. Die Zeiten, in denen ein Bild mit einem Cocktail in der Hand die Bewerbung versaut, sind hoffentlich vorbei.

Und wenn Sie einen Bewerber gar nicht finden?

Das sät Zweifel. Wie ist die Person vernetzt, kann sie gut kommunizieren? Ich selbst poste auch nicht jedes Mittagessen, aber für berufliche Zwecke pflege ich meine Profile natürlich schon. Das gehört mittlerweile dazu.

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