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Einer gegen alle

Verkehrssicherheit: Liebe Mitmenschen, bleibt doch verdammt nochmal an roten Ampeln stehen!

Die Menschen haben es eilig – und wenn sie Fußgänger oder Radler sind, oft so eilig, dass sie rote Ampel ignorieren. Regelmäßig. Unsere Autorin findet das ziemlich bescheiden. Damit ist sie aber offensichtlich klar in der Unterzahl.

Bei Rot über die Ampel? Für unsere Autorin keine Option

Bei Rot über die Ampel? Für unsere Autorin keine Option

Picture Alliance

Ich habe als kleines Kind mit Begeisterung die Lieder von Rolf Zuckowski gehört – und im Rückblick erklärt das ziemlich viele Aspekte meines Lebens. Ob das gut oder schlecht ist ... hmmm. Ich war natürlich auch großer Fan seiner "Schulweghitparade". Wie auch nicht – nur Hits auf der Platte! "Zebrastreifen, Zebrastreifen", "Mein Platz im Auto ist hinten. Hinten!" – und und und. "Was zieh ich an, was zieh ich an, damit man mich auch gut sehen kann?" spielt noch immer erschreckend regelmäßig in meinem Gehirnradio, wenn ich morgens ratlos und im Stress vor dem Kleiderschrank stehe. Weniger schmissig, aber umso deutlicher war: "Rotes Licht und Grün / das kann doch jeder leicht verstehen / Bei Rot halt an und denk daran / bei Grün, da darfst du gehen."

Es ist die erste und wichtigste Verkehrsregel

Und so spießig handhabe ich es, als leidenschaftliche Fußgängerin, seit gut 30 Jahren. Wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann bleibe ich auch stehen. Auch bei kleinen Straßen. Einbahnstraßen. Ruhigen Straßen. Straßen bei Nacht. Einfach aus Prinzip. Es gibt Regeln – und wenn man auch sicher über viele Regeln sinnvoll diskutieren kann, dann sind Verkehrsregeln einfach eine richtig, richtig gute Sache. Das merkt man spätestens, wenn man einmal in Thailand oder Vietnam unterwegs war und sieht, was auf Straßen so los ist, wenn Verkehrsregeln eher als vage Empfehlungen interpretiert werden.

Und ganz ehrlich, ich ärgere mich auch über Menschen, denen das egal ist. Die mit dem Rad oder zu Fuß über rote Ampeln huschen und dabei noch zufrieden-überheblich vor sich hin lächeln. Man muss sagen: Selbst die protzigsten Autofahrer tun das – in 99 Prozent aller Fälle – nicht. Klar, sie wissen, dass sie schlimmere Unfälle verursachen können als ein schmächtiger Fußgänger. Und sie werden für Fehlverhalten deftiger bestraft als Radler oder Läufer. Aber gerade deshalb sollten doch die "schwächeren" Verkehrsteilnehmer nicht Rücksicht von den "starken" Autofahrern fordern, und dann selbst diese eine, einfache Regel permanent brechen!

Autofahrer halten sich brav daran

Und ja, alle behaupten sie immer, dass sie natürlich an rot leuchtenden Ampeln stehenbleiben, wenn Kinder in Sichtweite sind. Aus langjähriger Erfahrung kann ich sagen: Stimmt nicht. Leider. Sehr oft höre ich, wie Mütter oder Väter ihren irritiert fragenden Sprösslingen sagen müssen: "Der ist halt ein bisschen dumm." Aber "dumm" ist natürlich die nette Umschreibung, für die Kinderohren. In Wirklichkeit ist das keine Dummheit, sondern Egoismus. Egoismus und Arschigkeit. Regeln gelten für die anderen – aber doch nicht für einen selbst ...

Klar, wenn man superdringend einen Zug bekommen muss. Wenn man auf dem Weg zum lebensverändernden Bewerbungsgespräch ist. Wenn die Freundin gerade angerufen hat, dass ihre Fruchtblase geplatzt ist – es gibt ein paar gute Gründe, warum man bei entsprechend übersichtlichem Verkehr mal halblegal über eine Straße stressen kann. Aber die meisten Menschen haben nicht mal einen triftigen Grund. Sie schätzen nur ihre eigene Lebenszeit als kostbarer ein als die Sicherheit ihrer Mitmenschen.

Gerade in größeren Städten fällt mir auch oft auf, wie unerträglich es für viele Menschen zu sein scheint, mal warten zu müssen. Und wenn es nur eine Minute ist! Wir sind es heute scheinbar alle nicht mehr gewöhnt, dass es manchmal Situationen gibt, in denen sich unsere Umwelt nicht permanent nach uns selbst richtet. Und das man mal aushalten muss, mal stehenbleiben und nichts tun muss. Das ist doch eigentlich gar nicht so schwer? Der Rest des Lebens ist doch stressig genug!

Wir scheinen alle nicht mehr warten zu können

Ja, ich bin die, die sich dem Herdentrieb bockig widersetzt und stehenbleibt, auch wenn erst einer und dann alle über eine knallrote Ampel gehen. Ich bin die, die euch dann unverhohlen kritisch anguckt. So läuft das nämlich einfach nicht. Vor einer Weile wurde beispielsweise mal irgendwo das Problem beschrieben, das selbstfahrende Autos in Zukunft haben werden. Wenn es in Situationen gerät, in denen die einzigen Optionen sind, entweder einen fiesen Gangster zu überfahren, der korrekt über den Zebrastreifen geht, oder eine Mutter mit sechs zuckersüßen Kindern und einem Babykätzchen auf dem Arm, die bei Rot über die Ampel läuft – welche Variante soll die künstliche Intelligenz auswählen? Ein Computer ist kein fühlender Mensch und kann deshalb nur eine Wahl treffen: Wer sich an die Regeln hält, hat bessere Chancen, zu überleben. Wer sie bricht, hat Pech gehabt – er wusste es ja eigentlich besser.

Finde ich fair. Denn es ist einfach unfassbar einfach, sich an die erste Verkehrsregel zu halten, die man als Kind beigebracht bekommt. Von Eltern, Kindergärtnern und Rolf Zuckowski. Bleibt einfach an einer verdammten roten Ampel stehen. Fertig.

Im Video: Dafür gibt es den versteckten Knopf unter der Ampelarmatur

Nützliche Funktion: Dafür gibt es den versteckten Knopf unter der Ampelarmatur