HOME

Extrarunde: Führerschein-Horror: Engländer braucht 33 Versuche bis zur bestandenen Fahrprüfung

Schwitzige Hände und schlackernde Knie sind bei der Führerscheinprüfung keine Seltenheit. Für unseren Autor war allerdings der gesamte Weg bis zum "Lappen" eine einzige Tortur. Damit ist er aber nicht allein: Ein Engländer hat in Sachen Führerschein den Vogel abgeschossen.

verärgerter Autofahrer

Nicht nur beim Autofahren kann es stressig werden  - auch der Weg bis zum Führerschein kann Nerven kosten. (Symbolbild)

Getty Images

Der Weg bis zum Führerschein kann extrem brutal und mühselig sein. Diese Erfahrung habe nicht nur ich gemacht, auch Christian Whiteley-Mason aus England kennt das. Der 42-Jährige hat ganze 33 Anläufe für seinen Führerschein benötigt. Wie der "Mirror" berichtet, brauchte er ein Vierteljahrhundert und hatte insgesamt 14(!) verschiedene Fahrlehrer. Jetzt hat er endlich seinen Lappen in der Tasche, hat dafür aber auch eine horrende Summe ausgegeben: Mehr als 10.000 Pfund (umgerechnet knapp 11.300 Euro) hat er investiert. Zugegeben, so viele Versuche und Geld wie Christian habe ich nicht annähernd investiert, trotzdem war es auch für mich eine riesige Herausforderung, den Führerschein zu bekommen – aber der Reihe nach.

Aller guten Dinge sind drei

Angefangen hatte es bereits mit den Theoriestunden in der Fahrschule. Anders als in der Schule war dort niemand, der die Anwesenheit überprüfte. Für mich zur damaligen Zeit der absolute Jackpot. So konnte ich die langweiligen Stunden einfach ausfallen lassen und mich stattdessen mit den Kumpels zum Chillen treffen. Absolut kurzfristig gedacht. Entsprechend lange zog es sich hin, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit genug Theoriestunden nachweisen konnte. Was folgte, war ein Albtraum.

Die theoretische Prüfung musste ich sage und schreibe ganze drei Mal machen. Erst beim dritten Versuch hatte ich bestanden. Vor dem ersten Versuch hatte ich mir im Internet diverse Beispielfragen reingezogen. Eigentlich eine gute Übung, dachte ich zumindest. Kurioserweise waren bei diesen Fragen immer die Antwortmöglichkeiten A und B korrekt. Bis heute weiß ich nicht, welche Sau mich geritten hat, um anzunehmen, es seien auch in der tatsächlichen Prüfung immer A und B richtig. Die Quittung für meine eigene Dummheit bekam ich direkt: "Was machen Sie, wenn plötzlich ein Ball auf die Straße rollt?" Antwort A: Gas geben, Antwort B: Hupen und dann weiterfahren, Antwort C: Sofort auf die Bremse treten. "Hää?! Hier können A und B ja gar nicht stimmen, dann muss es wohl ausnahmsweise C sein." Von da an war alles gelaufen. Um es kurz zu machen: Ich scheiterte kläglich. 21 Fehlerpunkte hatte ich am Ende. Erlaubt sind zehn. Was für eine Blamage.

Deshalb sollte es beim zweiten Versuch besser laufen. Aber Pustekuchen. Bevor mir mein Resultat ausgehändigt wurde, war ich noch guter Dinge. Ich wusste, dass ich eine Frage, die vier Fehlerpunkte bedeutete auf jeden Fall falsch angekreuzt hatte. Bei einer weiteren Frage war ich mir nicht ganz sicher. Die wurde mit drei Punkten bewertet. Also dachte ich mir, selbst wenn ich die beiden falsch beantwortet hätte, wäre ich am Ende durchgekommen. Leider hatte ich aber bei einer anderen Frage (für die es auch vier Fehlerpunkte gab) das "nicht" in der Fragestellung NICHT gelesen. Also stand ich am Ende mit elf Fehlerpunkten da und hatte wieder nicht bestanden. Durch diese zwei Erlebnisse entwickelte ich eine solche Angst, dass ich mir vor dem dritten Anlauf alle Fragen so lange angeschaut hatte, bis ich sie ohne wirklich nachdenken zu müssen richtig beantworten konnte. Das Resultat konnte sich sehen lassen. Nur zwei Fehlerpunkte hatte ich mir geleistet. Die erste Hürde zum Führerschein hatte ich endlich genommen. 

Aufgeben ist keine Option

Wenn ich jetzt auch noch die praktische Prüfung schaffen würde, könnte ich endlich mit Muttis Auto zur Schule fahren. Bis es so weit war, musste ich aber erst wieder einen Tiefschlag verkraften. Denn im ersten Anlauf fiel ich durch. Und wie. Während der Prüfung war ich plötzlich im Gegenverkehr gelandet. Zum Glück passierte das vor einer roten Ampel, sodass ich mit meinem Unvermögen zumindest keine anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr brachte. Das Feedback meines Fahrlehrers fiel entsprechend aus: "So schlecht wie heute bist du nicht mal in der allersten Fahrstunde gefahren!" BÄM, das hat gesessen!

Noch krasser ist es da allerdings dem oben genannten Christian aus England ergangen. Dem "Mirror" erzählte er: "Ich hatte 56 Fahrstunden bei meinem ersten Fahrlehrer aber irgendwann sagte er mir, ich solle einfach aufgeben, denn ich würde den Test niemals bestehen." Bis zum Jahr 2003 ist er ganze 32 Mal durch die Fahrprüfung gefallen. Dann zog Christian die Reißleine: "Ich hatte einfach genug, ich dachte mir, ich würde den Führerschein nie bekommen." Schließlich, im Alter von 40 Jahren, packte es ihn erneut und er wollte es noch einmal wissen. Doch nach kurzer Zeit beschloss er, "es habe eh keinen Sinn".

Wäre er beruflich nicht auf ein Auto angewiesen, hätte Christian wohl nie seinen Führerschein gemacht. Um dem ganzen Taxi- und Busgefahre ein Ende zu bereiten, gab er sich einen allerletzten Ruck. Und tatsächlich: Nach weiteren Fahrstunden bestand er schließlich die Prüfung, wenn auch erst im 33. Anlauf. "Ich kann es gar nicht fassen, dass ich nach all den Jahren bestanden habe. Ich stehe noch immer unter Schock", sagte er dem "Mirror". Nach dieser Odyssee kein Wunder.

An das Gefühl von damals, endlich den Führerschein überreicht zu bekommen, kann ich mich noch heute, mehr als neun Jahre danach, sehr gut erinnern. Es fällt eine wahnsinnige Last von einem ab und man möchte am liebsten die ganze Welt umarmen. So dürfte es auch Christian ergangen sein. Zumal er jetzt endlich mit seinem Auto zur Arbeit fahren kann und nicht mehr das Taxi oder den Bus nehmen muss.

Rätselspaß: Erkennt ihr diese Urlaubsländer anhand von Emojis?